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Mit Wissen wirtschaften - Wissensverarbeitung für Softwareentwickler

18.06.1999 - (idw) Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE

Wer Wege zeigt, wie in den Köpfen verborgene oder in Ordnern schlummernde Wissensschätze gehoben werden können, erntet unter Managern - auch und insbesondere in der Software-Branche - heute größte Aufmerksamkeit. Das bewies eine wissenschaftliche Konferenz, die vom 16. bis zum 19. Juni in Kaiserslautern stattfand: die SEKE´99 (International Conference on Software Engineering and Knowledge Engineering).

Die lernende Organisation stand im Zentrum einer Konferenz in Kaiserslautern

Etwa ein Drittel der Arbeitszeit wird durchschnittlich dafür eingesetzt, um nach benötigten, unternehmensinternen Informationen zu suchen. Dieser Aufwand könnte drastisch verringert werden, wenn vorhandenes Wissen systematisch gesammelt, strukturiert und anwendungsorientiert dargeboten würde. Ein wichtiger Schritt zur Verwirklichung des lernenden Unternehmens! Wer Wege zeigt, wie in den Köpfen verborgene oder in Ordnern schlummernde Wissensschätze gehoben werden können, erntet daher unter Managern - auch und insbesondere in der Software-Branche - größte Aufmerksamkeit. Das bewies erneut eine wissenschaftliche Konferenz, die vom 16. bis zum 19. Juni in Kaiserslautern stattfand: die SEKE´99 (International Conference on Software Engineering and Knowledge Engineering). Hier trafen sich zum elften Male Experten aus aller Welt, um Informationen über Wissensproduktion, Wissensverarbeitung und Wissensmanagement in der Softwareentwicklung auszutauschen.

Ein dichtes Programm, Beiträge auf höchstem Niveau, Erfahrungsberichte aus der Praxis, wissenschaftliche Ergebnisse, dargeboten von internationalen Experten - für Wissens-Ingenieure und Software-Ingenieure hatte die diesjährige SEKE viel zu bieten. Etwa 120 Gäste aus 20 Ländern und fünf Kontinenten kamen ins Tagungszentrum am Betzenberg. Keine Mammutveranstaltung, aber eine Informationsbörse für Experten, die genau wissen, was sie wollen. Ob Wissenschaftler oder Praktiker, alle bewegte die Frage: "Wie muß ein Unternehmen, in dem Software entwickelt wird, organisiert werden, so daß überflüssige Arbeit vermieden, vorhandenes Wissen erneut verwendet, auf Erfahrungen jederzeit zurückgegriffen wird?"

Die von der Fraunhofer-Einrichtung für Experimentelles Software Engineering, der Universität Kaiserslautern und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und dem Knowledge Systems Institute durchgeführte Veranstaltung lenkte ins Zentrum dieser Problemstellung. Wissenschaftliche Prominenz bot Hochkarätiges. So Prof. Victor Basili vom Fraunhofer Center für Experimentelles Software Engineering, Maryland. Er sprach über praktische Erfahrungen, die mit der Einführung von Techniken, Verfahren und Strukturen zur kontinuierlichen Verbesserung der Softwareentwicklung im Software Engineering Laboratory SEL der NASA gemacht worden sind. So Prof. Reinder Pieter van de Riet von der Vrije Universiteit in Amsterdam. Er verdeutlichte, welchen wichtigen Beitrag die Linguistik für die Lösung von Fragen des Software Engineering und der Wissensverarbeitung insbesondere beim Aufbau und der Nutzung von Informationssysteme liefert. Schließlich Prof. Franz Josef Radermacher, Direktor des Forschungszentrums für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW) in Ulm. Er schärfte das Bewußtsein über Voraussetzungen und Wege zur Einführung von Wissensmanagement in komplexen Umgebungen, sprich hoch arbeitsteiligen Softwareentwicklungsprozessen.

Die drei genannten Hauptvorträgen leiteten eine große Anzahl von Spezialvorträgen, Diskussionsforen und Poster-Präsentationen ein. Schlüsselworte, die immer wieder zu hören waren: Lernende Software Organisation, Experience Factory, Software Produktlinenentwicklung, Prozessmodellierung, Ausbildung für Software-Ingenieure.
Mitarbeiter der Fraunhofer-Einrichtung für Experimentelles Software Engineering berichteten über Arbeitsergebnisse auf allen diesen Gebieten. Sie gehören zu den Kernkompetenzen des Fraunhofer IESE. So erfuhren die Tagungsteilnehmer über den erfolgreichen Aufbau einer sogenannten Experience Factory bei den industriellen Teilnehmern eines vom Bundesforschungsministeriums geförderten Projektes (SoftQuali). Experten des Fraunhofer IESE hatten über einen vierjährigen Zeitraum Softwareentwicklern der DaimlerChrysler AG, der Allianz Lebensversicherungs-AG, der ALSTOM Energietechnik GmbH und der Siemens AG dabei geholfen, neue, qualitätssteigernde Verfahren einzuführen und diese derart zu verankern, daß eine kontinuierliche Verbesserung jetzt integraler Bestandteil der Softwareentwicklung ist. In einem anderen, durch die EU gefördertem Projekt (PROFES), hatte das Fraunhofer IESE daran mitgewirkt, ein auf die Verbesserung bestimmter Eigenschaften von Softwareprodukten abzielendes Verfahren bei industriellen Partnern einzurichten. So können Softwareentwickler bei Unternehmen wie Dräger Medical Electronics, Ericsson, Etnoteam, Tokheim Retail Petroleum Systems und VTT Electronics mittlerweile auf web-basierte Informationsdienste zugreifen, die willkommene Hilfestellung bieten.

Lebhaftes Interesse fand auch eine konferenzbegleitende Ausstellung von computerbasierten Werkzeugen zur Wissensvearbeitung. Gezeigt wurden u.a. Lösungen zur benutzerfreundlichen Strukturierung von Intranets, web-basierte Plattformen für verteilte Software-Entwicklungsumgebungen, Systeme, mit denen sich gezielt Informationen aus Druckschriften gewinnen lassen oder auch Experten gefunden werden können.

Die Veranstaltung der SEKE´99 in Kaiserslautern bestätigte nach Meinung der Veranstalter erneut die Bedeutung von Kaiserslautern als Zentrum für Softwareentwicklung und Software Engineering. Die Unterstützung der Konferenz durch Sponsoren wie DaimlerChrysler, Deutsche Telekom AG, Ericsson, IBM, insiders, Q-Labs, sd&m, softlab und tecinno zeige, welche Bedeutung der Thematik durch die Industrie beigemessen werde. Sie dokumentiere auch, daß es gelungen ist, in Kaiserslautern eine tragfähige Brücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und industrieller Praxis zu errichten.

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