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Herbstakademie hilft Kriegsfolgen in Südosteuropa zu überwinden

20.10.1999 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Eindrücke und Ergebnisse der Herbstakademie in Ohrid/Mazedonien
Der Lehrstuhl für Strömungsmechanik (Prof. Dr. Franz Durst) und der Lehrstuhl für Angewandte Mathematik (Prof. Dr. Peter Knabner) der Universität Erlangen-Nürnberg beteiligten sich mit einer ersten Herbstakademie am Stabilisierungspakt für Südosteuropa, der mit konkreten Hilfsmaßnahmen im Bildungsbereich zur Überwindung der Folgen des Kosovokrieges beitragen will. Die Herbstakademie in Ohrid, Mazedonien, fand in der Zeit von 2. bis 15. Oktober 1999 mit finanzieller Unterstützung des DAAD und der Siemens AG statt.

36 Studentinnen und Studenten aus Mazedonien, Serbien, Montenegro, Bulgarien, Rumänien und Albanien nahmen an der Herbstakademie in Ohrid teil. Wichtigster Bestandteil der Herbstakademie waren die Vorträge der Studenten, die in zwei verschiedenen Kursen Grundlagen, Anwendungen und aktuelle Forschungsergebnisse aus den Ingenieurwissenschaften vermittelten. Jedes Thema wurde präsentiert, diskutiert und durch die Fragen und Beiträge der Studenten und Professoren ergänzt. Zusammen mit einführenden Vorträgen der betreuenden Professoren bildeten die Vorträge in jedem Kurs eine ausführliche Behandlung eines Fachgebietes. Als beratende Dozenten standen für den Kurs Thermo-Fluid Dynamics Prof. Dr. Wolfgang Borchers, Dr. Christian Bartels und Prof. Dr. Franz Durst aus Erlangen, Prof. Dr. Gradimir Ilic (Nis) und Prof. Dr. Peter Stankov (Sofia) sowie für den Kurs Numerical Methods in Engineering Prof. Dr. Peter Knabner (Erlangen), Dr. Hans-Joachim Bungartz (München), Prof. Dr. Zlotko Petrovic (Belgrad) und Prof. Dr. Dusan Popovski (Bitola) zur Verfügung. Wegen der kurzfristigen Planung war es nicht möglich, fachlich kompetente Dozenten zu finden, die alle für die ganze Dauer der Academy anwesend sein konnten, aber zu jedem Zeitpunkt der Academy waren mindestens zwei Dozenten anwesend.

Die offizielle Eröffnung fand am 3.Oktober statt. Die Teilnehmer wurden durch Prof. Dr. Gligor Kanevce (Bitola), dem lokalen Organisator, Frau Dr. Dubravka Melling (Erlangen), Prof. Dr. Gordana Reckoska, dem Prorektor der Universität Bitola, Prof. Dr. Dusan Popovski, dem Dekan der Technischen Fakultät in Bitola, Prof. Dr. Predrag Popovski (Skopje) und Prof. Dr. Peter Rau, dem Vertreter des DAAD, Skopje begrüßt. Vertreter der lokalen und nationalen Presse, des Rundfunks und des Fernsehens waren anwesend.

Das Rahmenprogramm war ein wichtiger Bestandteil der Herbstakademie. Bei wunderschönem Herbstwetter fand ein Bootsausflug am Ohrider See bis zur romantischen Insel St. Naum mit Besichtigung der gleichnamigen Kirche aus der 10. Jahrhundert statt. Eine Führung durch die Stadt Ohrid hat die Kenntnisse über die Geschichte, Architektur und Religion der Gegend vertieft. In Bitola wurden die Universität und das Dampfkraftwerk REK-Bitola besucht. Für Entspannung sorgten Tischtennis und Fußball sowie ein Basketballturnier mit mehreren Teams, das schließlich durch die Mannschaft aus Novi Sad gewonnen wurde.
Für die letzten Tage der Academy wurden die Professoren der Heimatuniversitäten, die den Studenten bei der Vorbereitung ihrer Vorträge geholfen hatten, eingeladen. In einer Diskussion zwischen den Dozenten und diesen Professoren wurden die Erfolge und die aufgetretenen Schwierigkeiten der Herbstakademie besprochen und analysiert. Die Professoren waren einig in ihrem Wunsch, die Akademie in Ohrid fortzusetzen und um einen dritten Kurs zu erweitern. Der letzte Abend endete mit einem Festessen. Eine Urkunde für die Teilnahme an der Akademie wurde jedem Studenten ausgehändigt.

Die Beurteilung der Herbstakademie durch die Studenten fiel überwiegend sehr positiv aus. Für alle Studenten war es sehr aufregend, die Vorträge in einer Fremdsprache zu halten, sich mit deutschen Dozenten zu unterhalten und mit so vielen Nationalitäten zusammen zu sein. Aus vielen Diskussionen mit den Studenten sind nachfolgend einige Aussagen aufgeführt:

* "Unsere Professoren sind nicht zugänglich und viel weniger aktiv in der Forschung als die deutschen Professoren. Wir studieren viel Theorie, aber vermissen die Praxis; unsere Ausbildung sollte näher an das westliche Modell angepasst werden."

* "Diese Akademie hat meine Meinung über die anderen Nationalitäten nicht geändert; sie hat nur bestätigt, daß das Konzept des Nationalismus nur die Idee einer kleinen Minderheit darstellt. Diese Akademien können das Verständnis zwischen den Nationalitäten sehr fördern, weil viele Leute von andern Völkern nur gehört haben, sie aber nie kennengelernt haben."

* "Die Präsentation des Professors war so leicht zu verstehen und in einem so natürlichen Stil präsentiert, daß man denkt, man habe es alles schon gewußt, nur aber mittlerweile vergessen. Die Herbstakademie zeigt mir, wie viel ich noch zu lernen habe, um mich in diesem Gebiet behaupten zu können."

* "Ob die Herbstakademie meine Meinung über die hier vertretenen Nationalitäten ändern wird? Ich hatte keine Vorurteile außer über die Albaner. Ich betrachte den Kollegen hier nicht als schlecht, aber ich brauche seine Freundschaft nicht. Mein Großvater wurde vor vielen Jahren von Albanern in Kosovo ermordert und der Rest meiner Familie mußte in diesem Jahr das Kosovo verlassen."

Die Herbstakademie in Ohrid/Mazedonien folgte dem Vorbild der seit 15 Jahren in Südtirol durchgeführten Ferienakademien im Sarntal sowie der Akademien in Bosnien, Kroatien, Südkorea und der Türkei, die seit 1997 gehalten werden.

Dr. Dubravka Melling

* Kontakt:

Lehrstuhl für Strömungsmechanik, Dr. Dubravka Melling
Cauerstr. 4, 91058 Erlangen
Tel.: 09131/85 -29496, Fax: 09131 85 -29503
E-Mail: dmelling@lstm.uni-erlangen.de
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