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Generationenwechsel an Kasseler Uni

29.10.1999 - (idw) Universität Kassel

Im Zeichen personeller Erneuerung startet die Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) in das Wintersemester 1999/2000: Über 70 Professuren waren oder sind in diesem Jahr im Berufungsverfahren. Dabei nimmt die Studiennachfrage an der Kasseler Uni erstmalig wieder zu, wie Vizepräsidentin Andres-Müller mitteilte. Die Zahl der Studienanfänger sei - nach dem derzeitigen Stand - gegenüber dem Vorjahr wieder von 2.292 auf 2.460 gestiegen, womit sich gegenüber den seit Beginn der 90er Jahre ständig gesunkenen Anfängerzahlen eine Trendwende abzeichne.

Kassel. Im Zeichen personeller Erneuerung startet die Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) in das Wintersemester 1999/2000: Über 70 Professuren waren oder sind in diesem Jahr im Berufungsverfahren. "Wir lösen damit in Lehre und Forschung einen gewaltigen Innovationsschub aus, den wir gezielt für unsere Hochschulentwicklung nutzen wollen", so die Vizepräsidenten Prof. Heide Andres-Müller und Prof. Dr. Herbert Haf sowie Kanzler Dr. Hans Gädeke am Freitag in einem Pressegespräch zum Semesterbeginn. Die Kasseler Uni verfolge damit konsequent ihr vor zwei Jahren beschlossenes Entwicklungskonzept "Zukunft durch Konzentration", das ihre Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Jahren sichern soll und auf die Bildung zukunftsträchtiger wissenschaftlicher Schwerpunkte, den Ausbau des wissenschaftlichen Mittelbaus und die weitere Internationalisierung der Studienangebote setzt.

Trendwende bei Anfängerzahlen
Dabei nimmt die Studiennachfrage an der Kasseler Uni erstmalig wieder zu, wie Vizepräsidentin Andres-Müller mitteilte. Die Zahl der Studienanfänger sei - nach dem derzeitigen Stand - gegenüber dem Vorjahr wieder von 2.292 auf 2.460 gestiegen, womit sich gegenüber den seit Beginn der 90er Jahre ständig gesunkenen Anfängerzahlen eine Trendwende abzeichne. Andres-Müller: "Auch das ist eine Erneuerung unseres Personalbestands und eine große Chance, Erstarrung und Routine zu vermeiden". Wegen der rückläufigen Anfängerzahlen der vergangenen Jahre sei in diesem Semester allerdings die Zahl der Studierenden insgesamt gegenüber dem Vorjahr von 17.503 auf derzeit 16.620 gesunken. Eine wesentliche Veränderung der Studiensituation ergebe sich daraus bei einem flächenbezogenen Studienplatzangebot von 9.000 jedoch nicht. Besonders hohe Anfängerzahlen in den gestuften und international kompatiblen Studiengängen nach dem "Kasseler Modell" melden erneut die Wirtschaftswissenschaften und das Sozialwesen. Erfreulich seien insbesondere auch die wieder steigenden Anfängerzahlen in Elektrotechnik und im Maschinenbau, nachdem sich hier bereits ein Ingenieurmangel abzeichne.

Erfolgreiche Internationalisierung
Dass sich die GhK mit ihren Studienangeboten auch auf dem internationalen Bildungsmarkt immer erfolgreicher behauptet, unterstrich Vizepräsident Haf. In den letzten Jahren sei es gelungen, die Beteiligungsquote internationaler Studenten an den Anfängerzahlen in Kassel auf über 15 Prozent zu steigern - bislang fast 400 ausländische Neulinge in diesem Semester - und den internationalen Anteil an der Studierendenzahl insgesamt auf inzwischen über elf Prozent zu bringen. Damit seien mittlerweile 1.874 ausländische Studierende aus über 100 Ländern in Kassel eingeschrieben, die den GhK-Campus zum internationalen Begegnungsraum werden lassen. Vizepräsident Haf: "Mit diesen Internationalisierungserfolgen gehört die GhK auf diesem Gebiet sicher zu den bundesweit erfolgreichen Universitäten . Und diese Stärke müssen wir auch in Zukunft weiter ausbauen". Nur als international attraktive Universität, so Haf, sei die GhK in der nordhessischen Region auch ein starker Partner: "Internationalität und regionale Verankerung sehen wir nicht als Widerspruch, sondern im Gegenteil als gegenseitige Verstärkung". Insofern gehöre aus Sicht der GhK auch die immer engere Zusammenarbeit in der Region zu den erfreulichen Entwicklungen, für die es im beginnenden Semester gute Beispiele gebe.

Innovationsschub durch Generationenwechsel
Den jetzt anstehenden Generationenwechsel in der Professorenschaft sieht die Kasseler Uni-Spitze als große Chance, das neue Entwicklungskonzept der GhK voranzubringen. Dieser "gewaltige Entwicklungsschub von 70 Neubesetzungen", so der Kanzler der Universität, Dr. Hans Gädeke, bringe freilich eine enorme finanzielle Herausforderung mit sich: Für jede Sachausstattung einer C4-Professur in den Ingenieur- oder Naturwissenschaften brauche die GhK ca. 800 000 DM, bei einer C3-Professur 250 000 DM, wenn sie in der Konkurrenz um hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Chancen wahren wolle. Gädeke: "Auch wenn wir das in den nächsten Jahren zu einem unserer Finanzierungsschwerpunkte an der GhK machen, können wir dieses Problem allein nicht bewältigen. Wir sind hier zwingend auf die Hilfe des Landes angewiesen". 16 Berufungsverfahren wurden 1999 bereits erfolgreich abgeschlossen. Für 17 Professuren sind inzwischen Rufe erteilt und die Berufungsverhandlungen laufen. In den übrigen Fällen liegen entweder Berufungslisten der GhK der Wissenschaftsministerin vor oder arbeiten Berufungskommissionen an den Vorschlägen.

Neue Landesregierung auf dem Prüfstand
Ihren Optimismus, dass das Land seine nordhessische Universität nicht im Stich lassen
werde, stützt die GhK-Leitung derzeit vor allem auf die Aussagen von Hessens Wissenschaftsministerin Ruth Wagner bei ihrem Antrittsbesuch im September. Dabei hatte die Wissenschaftsministerin nicht nur die Absicht der neuen Landesregierung unterstrichen, den Wissenschafts- und Hochschulbereich mit weitreichenden Zukunftsinvestitionen zu fördern, sondern auch ihre Bereitschaft erklärt, die GhK bei der Umsetzung ihres Entwicklungskonzepts nach Kräften zu unterstützen. Diese Aussage, so die Kasseler Uni-Spitze, stehe jetzt auf dem Prüfstand. Dies gelte auch in der Frage von Stellenkürzungen. Dr. Gädeke: " Es gibt eine mit der letzten Landesregierung getroffene Vereinbarung. Danach streicht das Land an der GhK keine Stellen, nachdem der Aufbau der Universität noch nicht einmal zu Ende gebracht wurde. Umgekehrt muss die GhK ihre innere Umstrukturierung und Zukunftsentwicklung aus dem eigenen Stellenbestand zustandebringen. Wir haben unseren Teil dieser Vereinbarung erfüllt. Jetzt erwarten wir dies auch von der neuen Landesregierung".

Pilotfunktion für alle hessischen Unis
Abschließend wies der GhK-Kanzler darauf hin, dass im Haushaltsvollzug des Jahres 1999 eine Ära zu Ende geht: Zum 1. Januar 2000 stellt die Kasseler Uni mit SAP-Software das gesamte Rechnungswesen von der Kameralistik auf das kaufmännische Rechnungswesen um. Dabei wird der Haushaltsplan durch einen Wirtschaftsplan ersetzt. Gädeke: "Größer könnten die Veränderungen für eine staatliche Einrichtung kaum sein". Die GhK nehme mit diesem Projekt eine Pilotfunktion für die anderen hessische Universitäten wahr. Sie verspricht sich davon mehr Wirtschaftlichkeit und will die Umstellung damit verbinden, auch den einzelnen Fachbereichen innerhalb der Universität mehr Verantwortung für ihre Ressourcen zu übergeben, um die finanziellen Mittel noch effizienter einzusetzen. Der Kanzler: " Auch dies ist unsere Reaktion auf eine immer knappere Mittelausstattung der Universitäten durch das Land".

Personelle Erneuerung steht in Kassel indessen im kommenden Semester auch direkt an der Uni-Spitze an. Nachdem am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche das Hearing der Bewerberin und Bewerber um die Nachfolge von Prof. Dr. Hans Brinckmann im Präsidentenamt im Konvent erfolgte, will der Senat bereits am 3. November über seinen Wahlvorschlag beraten. Für 1. Dezember ist dann die Konventssitzung mit der Wahl des neuen GhK-Präsidenten geplant.

Bernt Armbruster
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