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Magdalena Krzymowska erhält polnischen Wissenschaftspreis

08.11.1999 - (idw) Institut für Pflanzenbiochemie

Frei ab 8. 11. 1999

Magdalena Krzymowska, Mitarbeiterin des Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie, Halle erhält am 11. 11. 1999 den Preis des polnischen Ministerpräsidenten für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten. Jährlich zeichnet die polnische Regierung damit die besten Doktorarbeiten des Landes aus.

Die Biologin führte die wissenschaftlichen Untersuchungen zu ihrer Arbeit am Warschauer Institut für Biochemie und Biophysik durch. "Zwar ist meine Arbeit schon von meinem Heimatinstitut ausgezeichnet worden, aber mit dieser Auszeichnung durch den polnischen Ministerpräsidenten habe ich nicht gerechnet," freut sich die junge Biologin.

"In meiner Arbeit habe ich die Abwehrreaktionen von Kartoffelpflanzen gegen ein Virus untersucht," erklärt sie weiter. Dieses Virus heißt PVY (Potato Virus Y) und verursacht große Schäden im Kartoffelanbau. "In extremen Fällen gehen bis zu 80% der Kartoffelernte durch Infektionen der Kartoffelpflanzen mit diesem Virus verloren. Um der Pflanze zu helfen, sich gegen das Virus zu schützen, ist es wichtig, die genauen Mechanismen der natürlichen Abwehrreaktionen der Pflanzen zu kennen." Magdalena Krzymowska fand heraus, dass ähnlich wie bei anderen Pflanzen auch bei der Kartoffel Salicylsäure - eine chemische Substanz, die dem Wirkstoff des Schmerzmittels Aspirin ähnelt - eine wichtige Rolle im Kampf gegen eindringende Krankheitserreger spielt. Salicylsäure wirkt als Signalmolekül, das die Pflanzenzellen frühzeitig während einer Infektion alarmiert: "Vorsicht, hier kommt ein fremder Eindringling, der euch schaden könnte". Danach leiten die Pflanzenzellen eine ganze Kette von Abwehrreaktionen ein, die entweder nützen und den eindringenden Feind besiegen oder aber fehlschlagen. Während dieses Kampfes schalten die Zellen eine Vielzahl spezifischer Gene an. Dieses Anschalten erfolgt über Schalter oder Regulatorelemente, die die Wissenschaftler Promotoren nennen. Magdalena Krzymowska untersuchte das Regulatorelement eines Gens aus Tabak. In Tabakzellen schaltet dieses Element das mit ihm verbundene Gen während der Abwehr von Krankheitserregern an. Die Wissenschaftlerin testete, ob dieser Schalter auch in Kartoffeln während des Angriffs von PVY auf die Zellen seine Wirkung zeigt. Dazu verband sie das Regulatorelement mit einer Art "Farbgen". Dieses zusammengesetzte Gen führte die Biologin in Kartoffelpflanzen ein. In den Zellen der Pflanzen, in denen das Gen angeschaltet war, ließ es sich durch einen einfachen biochemischen Test nachweisen. Legte man Teile der Pflanze in eine bestimmte chemische Lösung, färbten sich diese Zellen blau.

Tatsächlich schaltete das Regulatorelement auch in Kartoffeln das dahinter gelegene "Farbgen" an, wenn das Virus die Kartoffelpflanzen befiel oder die Biologin die Pflanzen mit Salicylsäure besprühte. Kombiniert man nun dieses Regulatorelement mit einem wirksamen Abwehrgen und bringt es in Kartoffelpflanzen hinein, könnte man widerstandsfähigere Pflanzen erhalten, die sich aus eigener Kraft gegen fremde Eindringlinge wehren könnten. Solche gentechnisch veränderten Pflanzen können helfen, Chemikalien zur Bekämpfung von Krankheitserregern in der Landwirtschaft einzusparen.

Zur Zeit setzt Magdalena Krzymowska ihre Untersuchungen am Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) fort. Die Alexander-von-Humbold-Stiftung unterstützt sie dabei.

Anmerkungen für die Redaktion:
Preis
Der Preis des polnischen Ministerpräsidenten wird jährlich an junge polnische Nachwuchswissenschaftler vergeben, die auf ihrem Gebiet ausgezeichnete Forschungsergebnisse erzielt haben und jünger als 30 Jahre sind. Die Preisverleihung findet in diesem Jahr am Tag der polnischen Unabhängigkeit am 11. 11. 1999 in Warschau statt. 25 junge Forscher werden für ihre hervorragenden Doktorarbeiten ausgezeichnet. Der Preis ist mit umgerechnet etwa DM 2500 dotiert.

Bildmaterial
Das IPB stellt gern auf Anfrage Bildmaterial zur Verfügung. Passend zum Thema schicken wir ihnen das Farbbild eines Kartoffelblattes, dessen Zellen blau gefärbt sind oder ein Foto der Wissenschaftlerin (mind. 300 dpi; tiff oder andere Formate). Bitte geben sie für das Copyright der Fotos den Namen des Fotografen und des Instituts an.

Zum Institut

Das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie(IPB) ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut. Es ist aus dem ehemaligen DDR-Institut für Biochemie der Pflanzen hervorgegangen. Das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt und das Bundesministerium für Forschung und Bildung finanzieren das IPB gemeinsam. Das IPB ist Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried-Wilhelm-Leibniz (WGL).

Kontakt:
Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie
Dr. Ellen Peerenboom
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Weinberg 3
06120 Halle
Tel: 0345 5582 236
Fax: 0345 5582 149
epeerenboom@ipb.uni-halle.de

www.ipb.uni-halle.de
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