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Erhebliche Fortschritte bei internationalen Bildungsvergleichen

04.11.1999 - (idw) HIS Hochschul-Informations-System GmbH

Berlin/Hannover

Die erheblichen Fortschritte, die Deutschland auf internationaler Ebene bei Vergleichen der Bildungssysteme gemacht hat, werden weitgehend anerkannt. Gleichwohl bleibt noch viel zu tun. Die Anstrengungen für eine vertiefte Fortentwicklung mit Blick auf EU, OECD und UNESCO müssen weitergehen. Dies wird international von Deutschland auch erwartet. Die Zeit der großen Skepsis und der grundsätzlichen methodischen Vorbehalte ("die Bildungssysteme sind nicht vergleichbar") sollte nunmehr vorüber sein. Diese Forderung könnte als die Quintessenz einer Tagung bezeichnet werden, zu der das in Hannover ansässige HIS Hochschul-Informations-System im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 3.11.99 eingeladen hatte. Gekommen waren Bildungsforscher sowie Vertreter aus den Bereichen Bildungspolitik und Medien, um sich insbesondere mit den alljährlich von der OECD herausgegebenen Bildungsindikatoren auseinanderzusetzen. Ziel der Veranstaltung war, den Stellenwert dieser einzigartigen Informationsquelle für eine international orientierte Bildungs- und Hochschulpolitik und insbesondere auch deren Nutzen im Rahmen der EU stärker ins Blickfeld zu rücken.

Bei durchaus unterschiedlichen Akzentsetzungen waren die Diskussionsbeiträge von dem Grundverständnis getragen, daß die Dynamik der Globalisierung die gewohnten Sichtweisen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen zunehmend in Frage stellt. Auch die Annahme, die Funktions-, Leistungs- und Entwicklungsfähigkeit von Bildungssystemen ließen sich weiterhin ausschließlich im nationalen Rahmen bemessen, sei längst hinfällig. Private wie öffentliche Investitionen in Bildung auf der Input-Seite, Qualifikation der Absolventen und Effektivität des Systems auf der Output-Seite seien vielmehr auch an internationalen Standards zu messen.

Vor diesem Hintergrund wurde die zunehmende Bedeutung vergleichbarer Informationen (Stichwort: 'objektiviertes Indikatorensystem') über Aufbau, Finanzierung und Ergebnisse der verschiedenen Bildungssysteme hervorgehoben. Hierzu stellt das OECD-Projekt INES (Internationale Bildungsindikatoren) ein mittlerweile methodisch, datentechnisch und analytisch sehr weit entwickeltes Informationssystem bereit. Anerkennung fand unter den Tagungsteilnehmern auch der von der UNESCO erstellte Schlüssel ISCED, der international vergleichbare Darstellungen von Bildungsdaten ermöglicht, zumal in der revidierten Fassung ('ISCED-97') die ursprünglich einseitige Orientierung dieser Taxonomie an anglo-amerikanische Bildungssy-teme weitgehend zurückgenommen ist.

Zwischen den international tätigen Organisationen entwickelte sich vor allem seit Beginn der neunziger Jahre eine fruchtbare Wechselwirkung. Dies führte zu dem sehr beachtlichen synergetischen Effekt, daß ein Durchbruch - methodisch wie datentechnisch - bei der Bereitstellung von international vergleichbaren Bildungsindikatoren erreicht wurde. Diese spiegeln auch thematisch die Zielrichtungen der international tätigen Organisationen wider: Verbesserung der Bildungschancen im Bereich der Erst- und Weiterbildung (bei gleichzeitiger Verbesserung der Kosten/Nutzenverhältnisse) sowie lebenslanges Lernen sowohl als Moment persönlicher Entwicklung wie auch als Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung.

Daß international vergleichbare Bildungsindikatoren nicht nur akademischen Erkenntniswert besitzen, zeigt sich u.a. im Zusammenhang mit den Förderprogrammen der Europäischen Union, wie Leonardo, Sokrates und Tempus. Hier erwartet die EU von ihren Mitgliedsländern in Teilbereichen ein weitgehend vereinheitlichtes Indikatorensystem für die Verteilung von Fördermitteln. Entsprechendes gilt für die Indikatoren der beschäftigungspolitischen Leitlinien.
Im Rahmen des eintägigen Workshops in Hannover konnte nur ein Ausschnitt der OECD-Bildungsindikatoren behandelt werden. Dennoch reichte die Spannweite der Themen von einer Hintergrundsanalyse des INES-Projekts über eine Diskussion der bildungspolitischen Relevanz der Indikatoren, die Beteiligung an tertiärer Bildung im Ländervergleich, die Erfolgs-, Abbruch- und Absolventenquoten im Tertiärbereich sowie die Bildungs- und Hochschulausgaben bis hin zur Erörterung des Projekts PISA zur Messung der Leistungsfähigkeit von Schülern. Gerade die Ergebnisse dieser vergleichenden Leistungsuntersuchung haben in der Vergangenheit zu heftigen Diskussionen in der Öffentlichkeit geführt und bewirkt, daß man sich hierzulande mit größerem Engagement an der Fortführung dieser Untersuchungen beteiligt. Deutschland steht zumindest hier, wie es ein Teilnehmer der Tagung ausdrückte, nicht mehr abseits bei internationalen Vergleichen.

Die Tagungsbeiträge werden veröffentlicht und können bei

HIS Hochschul-Informations-System GmbH
Goseriede 9
30159 Hannover
Tel: 0511 - 1220234; www.his.de; eMail: naumann@his.de) bestellt werden.
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