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Universitätsabend mit Nobelpreisträger Dr. Bednorz: Strom ohne Widerstand

04.11.1999 - (idw) Universität Stuttgart

"Strom ohne Widerstand. Hochtemperatur Supraleitung - eine Entdeckung und ihre Folgen" hat Dr. Johannes Georg Bednorz von der IBM Research Division des Forschungslaboratoriums in Rüschlikon bei Zürich seinen Vortrag am Montag, den 15. November beim Universitätsabend der Universität Stuttgart überschrieben. Für die Entdeckung der Supraleitung bei relativ hoher Temperatur in einer neuen Klasse von keramischen Kupferoxiden war Bednorz im Jahr 1987 gemeinsam mit seinem Schweizer Kollegen Karl Alex Müller der Physik-Nobelpreis zuerkannt worden. Zu dieser Veranstaltung laden die Universität Stuttgart und diesmal die Firma IBM als Mitveranstalterin die interessierte Öffentlichkeit und Vertreter/innen der Medien herzlich ein. Uni-Rektor Prof. Dr.-Ing. Günter Pritschow und Erwin Staudt, Vorsitzender der Geschäftsführung IBM-Deutschland GmbH, werden die Gäste begrüßen. Im Anschluß an den Vortrag besteht - wie immer bei den Universitätsabenden - Gelegenheit zum Gedankenaustausch bei Wein und Brezeln.

Zeit: 15. November, 18.00 Uhr
Ort: Stadtmitte, Hörsaal 17.01, Keplerstr. 17

IBM lädt bereits am Nachmittag ab 14.00 Uhr an den Uni-Standorten Vaihin-gen (Hörsaal 47.03, Pfaffenwaldring 47) und Stadtmitte (Hörsaal 17.02, Keplerstr. 17) unter dem Motto "Perspektiven" Studierende der Uni Stuttgart ein, sich vor Ort über Firmenphilosophie und Berufschancen zu informieren. Angesprochen werden sollen vor allem Studierende der Informationstechnologien, Betriebswirtschaftslehre und Computerlinguistik. Unter den Referenten, die unter anderem über das Unternehmen als Arbeitgeber, e-business, die weltweiten Forschungsaktivitäten der IBM oder Trends in der Software Technologie berichten, sind übrigens auch Absolventen der Uni Stuttgart.

Zum Werdegang von Johannes Georg Bednorz
1950 in Neuenkirchen (Nordrhein-Westfalen) geboren, studierte Johannes G. Bednorz ab 1968 zunächst Chemie, später Kristallographie an der Universität Münster. Der erste Kontakt zum Züricher Forschungslaboratorium der IBM im Jahr 1972 im Rahmen eines dreimonatigen Studienaufenthaltes legte die Grundlage für seine spätere Entscheidung, in die Schweiz zu wechseln. Bereits für den experimentellen Teil seiner Diplomarbeit arbeitete er 1974 wieder ein halbes Jahr in Rüschlikon. Nach einem weiteren Jahr an der Universität Münster wechselte er 1977 zur Promotion an die ETH Zürich. Wie schon für sein Diplom setzte er dort seine Untersuchungen zum Kristallwachstum sogenannter Perowskiten, ihrer Struktur und ihren dielektrischen und ferroelektrischen Eigenschaften fort. 1982 trat Bednorz in das Forschungslaboratorium der IBM in Rüschlikon ein.
Gemeinsam mit seinem späteren Nobelpreiskollegen Karl Alex Müller untersuchte er seit 1983 intensiv hochtemperaturleitende Oxide. Unter Supraleitung versteht man die Fähigkeit gewisser Materialien, Strom ohne jeglichen Widerstand zu leiten. 1986 entdeckten Bednorz und Müller nun Supraleitung in einer bestimmten Klasse von Oxiden (Lanthan-Barium-Kupferoxid) und sie fanden heraus, daß diese Kupferoxide bei 35 Kelvin supraleitend wurden. Diese Entdeckung, für die die beiden Wissenschaftler 1987 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, entfachte weltweit enorme wissenschaftliche Aktivität. Neue Verbindungen wurden entdeckt und in der Anwendung wurden gewaltige Fortschritte erzielt. Die wissenschaftliche Arbeit von Dr. Bednorz wurde mit zahlreichen weiteren Preisen gewürdigt, darunter der Thirteenth Fritz London Memorial Award, der Dannie Heinemann Prize, der Robert Wichard Pohl Prize, der Hewlett Packard Europhysics Prize sowie der International Prize for Materials Research.

Anwendungsgebiete der Supraleitung

Anwendungen der Hochtemperatursupraleitung (HTSL) liegen zum Beispiel in der Energietechnik: so können HTSL-Kabel bei der Energieversorgung von Ballungsgebieten mit den herkömmlichen, wesentlich größer dimensionierten ölgekühlten Kupferkabeln bereits annähernd konkurrieren. Supraleitende Transformatoren sind im Vergleich zu herkömmlichen nicht nur effizienter, sondern sie können auch kleiner und leichter gebaut werden und sind umweltfreundlicher. Auch in Elektromotoren lassen sich die Kupferkabel durch HTSL ersetzen. Intensiv gearbeitet wird zur Zeit zudem an der Entwicklung von Strombegrenzern auf HTSL-Basis.
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