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Vor 30 Jahren wurde "AZUR" gestartet

04.11.1999 - (idw) Max-Planck-Institut für Aeronomie

Am 8. November 1999 jährt sich zum deißigsten Mal der Start des ersten deutschen Forschungssatelliten. Der beim Start 81,7 kg schwere Satellit, "AZUR", wurde 1969 vom Raketenstartplatz Vandenberg/Kalifornien aus von einer Scout-Rakete in eine elliptische, polare Umlaufbahn mit dem erdnächsten und erdfernsten Punkt bei 383 bzw. 3145 km Höhe geschossen.

Die ersten Pläne für "AZUR" stammten aus dem Jahr 1961, der Beschluß zum Bau wurde 1964 gefaßt. Im Rahmen des nationalen Raumfahrtprogramms der Bundesrepublik Deutschland und unter der Projektleitung der Gesellschaft für Weltraumforschung (GfW) in Bonn-Bad Godesberg wurde 1965 mit dem Bau begonnen. Verantwortlicher Projektleiter für "AZUR" war Dr. Erhard Keppler vom damaligen Institut für Stratosphärenphysik am Max-Planck-Institut für Aeronomie (MPAE) in Katlenburg-Lindau in Südniedersachsen. Der Satellit wurde von einer Arbeitsgemeinschaft deutscher Firmen entwickelt, das benötigte "Know-how" floß von der NASA und von amerikanischen Firmen zu den deutschen Unternehmen herüber. Zwei der an Bord befindlichen Meßinstrumente - Teilchenzähler für Protonen und Elektronen - wurden von Wissenschaftlern des MPAE (Dr. Lothar Rossberg und Dr. Erhard Kirsch) entwickelt. Andere Geräte stammten aus Braunschweig, Kiel, Garching und Oberpfaffenhofen. Einige der Instrumente waren bereits 1966 und 1967 mit Raketen vorübergehend in Höhen bis zu 1000 km gebracht und dort getestet worden.

Der Satellit sollte mit seinen Instrumenten Untersuchungen in der Polarlichtzone und im Bereich des inneren Strahlungsgürtels sowie Untersuchungen solarer Teilchenereignisse (Sonnenwind) durchführen. Die Missionsdauer war auf ein Jahr veranschlagt. Das Magnetband-Speichergerät fiel allerdings bereits am 9. 12. 1969 nach ca. 300 Umläufen um die Erde aus ungeklärter Ursache aus. Danach konnten jedoch immerhin noch etwa 70% der Daten in Echtzeit (direkt nach der Messung) empfangen werden. Am 29. 6. 1970 fiel "AZUR", vermutlich durch Strahlenschädigung des Datensenders, ganz aus. Die wissenschaftlichen Instrumente hatten bis dahin einwandfrei funktioniert und wichtige Daten über den Teilchenfluß in der Erdmagnetosphäre geliefert. Etwa 10 Jahre nach dem Start ist "AZUR" in die Erdatmosphäre eingetaucht und verglüht.


Literatur:
1. E. Keppler: "Der Forschungssatellit AZUR"; in: Zeitschrift für Geophysik, Bd. 36 (1970), S. 457 - 476.
2. "AZUR" - Typenblatt in: Raumfahrt Concret, Heft 9 (Oktober 1999).


Nähere Informationen erhalten Sie von:
Dr. E. Keppler, Telefon 05556 / 979 296 (Sekretariat Frau Schrader 05556 / 979 297), E-Mail: keppler@linmpi.mpg.de
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