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Pünktlich zum 10. Jahrestag des Falles der Berliner Mauer

08.11.1999 - (idw) Brandenburgische Technische Universität Cottbus

Erstmals erschien ein umfassendes Buch zum Bauwerk der Berliner Mauer

Presseinformation
104/99
8. November 1999


Pünktlich zum 10. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer:
Erstmals umfassendes Buch zum Bauwerk der Berliner Mauer erschienen

Internationales Forschungsprojekt an der Universität Cottbus beleuchtet "die Mauer" unter denkmalpflegerischem Ansatz


Durch den zehnten Jahrestag ihres Falls, der das Ende der DDR symbolisierte,
ist die Berliner Mauer derzeit Thema in allen Medien. Dabei geht es immer
wieder um politische Entwicklungen und persönliche Erinnerungen - über das
Bauwerk selbst ist erstaunlich wenig bekannt. 1990/91 wurde es, unter breiter
Zustimmung der Öffentlichkeit, fast vollständig abgeräumt - die wenigen
Stimmen, die wenigstens einige zusammenhängende Abschnitte als Denkmal be-wahrt wissen wollten, fanden kaum Beachtung. Inzwischen ist die Einsicht weit
verbreitet, dass man damals zu viel von der Mauer zu schnell vernichtet hat;
dass man den authentischen materiellen Gegenstand braucht, um sich mit der
Erinnerung und der Geschichte auseinandersetzen zu können, für die er steht.
Im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes haben nun der Cottbuser Professor Leo Schmidt von der Brandenburgischen Technischen Universität und seine britische Kollegin Polly Feversham das Buch 'Die Berliner Mauer heute' veröf-fentlicht, das seit wenigen Tagen im Buchhandel erhältlich ist.
Die Monografie bietet erstmals eine zusammenhängende Darstellung der Berliner Mauer als Bauwerk, als komplexe, kontinuierlich weiterentwickelte Grenzanlage rund um West-Berlin. Sie bestand aus einer tiefgestaffelten Abfolge von Sperren, die nicht - wie der in der DDR gebrauchte Name 'Antifaschistischer Schutzwall' suggerierte - nach Westen, sondern nach Osten gerichtet war. Sperrgebiet, Hinterlandmauer, Hundelaufanlagen, Sperr- und Signalzäune, Lichttrasse und Fahrzeugsperrgraben waren nur einige der Hindernisse, die ein Flüchtling überwinden musste, ehe er an der 'eigentlichen' Mauer an der Grenze nach West-Berlin ankam.
Immer wieder wurden die Analgen perfektioniert, überarbeitet, erneuert. Was
1989 fiel, war bereits die vierte Mauer-Generation, eine fünfte war in Planung: Sie sollte eine High-Tech-Mauer sein, mit zahllosen elektronischen Hilfsmitteln - unauf-fälliger, aber noch unüberwindlicher als alles Bisherige.
Vor allem aber geht es in dem Buch um die Denkmalbedeutung der Mauer heute und den Umgang mit ihr. Die Mauer bedeutete viele verschiedene Dinge für ver-schiedene Menschen, je nachdem, ob man von Osten oder von Westen auf sie
blickte. Die Erbauer, die Grenztruppen, die Bewohner des Sperrgebietes, die
Flüchtlinge, die DDR-Bürger außerhalb Berlins - sie alle hatten ganz unterschiedliche Vorstellungen von der Mauer, und sie alle formen damit die vielfältige Bedeutung und Aussagekraft der heutigen baulichen Reste.
Das Buch zeigt auch, dass zwar wenige Reste der Mauer erhalten geblieben sind, aber doch auch mehr, als man meint. Weil diese Reste und Spuren oft unerkannt sind, geht man oft achtlos mit ihnen um: So steht sogar noch hinter dem Reichs-tagsgebäude ein Stück getarnte Hinterlandmauer, das aber im Zuge aktueller Bau-maßnahmen weiter angegriffen worden ist. Thema des Buches ist es daher auch, auf diese Reste hinzuweisen, ihre Bedeutungen zu vermitteln und Wege zu einem verantwortungsbewussten Umgang aufzuzeigen.

Rezensionsexemplare sind zu beziehen über: Verlag Bauwesen, Christiane Lochner, Tel. 030-421 51 202, Fax 030-421 51 468
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