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Warum Sex mit einem Partner sinnvoll ist

17.11.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Biologe der Universität Münster untersuchte Paarungsstrategien von Zwittern

Das Liebesleben von niederen Tieren scheint unkompliziert und harmonisch. Doch sieht man genauer hin, stellt sich heraus, dass eine Vielzahl von Fortpflanzungsstrategien existiert, die von der rein asexuellen Reproduktion über das Zwitterdasein bis zur gegengeschlechtlichen Vermehrung reicht. Der 38jährige Evolutionsbiologe Prof. Dr. Nicolaas Michiels vom Institut für Spezielle Zoologie und Vergleichende Embryologie der Universität Münster hat untersucht, welche Vor- und Nachteile asexuelle und sexuelle Fortpflanzung haben. Gegenstand der Forscherlust waren zwittrige Süßwasserplattwürmer, die sich sowohl jungfräulich aus einer unbefruchteten Eizelle als auch sexuell vermehren können, berichtet die neueste Ausgabe der "muz - Münsters Universitäts-Zeitung".

Dabei hat sich herausgestellt, dass die asexuelle Fortpflanzung den zeitlichen Vorteil der Reproduktionsgeschwindigkeit hat. Fast doppelt so viele Nachkommen wie bei der sexuellen Fortpflanzung werden hervorgebracht. Aber was ist dann der Nutzen von Sex? "Theoretisch versteht man viel von Sex", erklärt Prof. Michiels. "Doch Daten fehlen". Durch die Untersuchungen an den Plattwürmern konnte Michiels nun die Mutations- und Parasitenhypothese bestätigen. Sie besagen, dass der Austausch genetischen Materials durch sexuelle Vermehrung eine Anhäufung schädlicher Mutationen verlangsamt und die Spezialisierung von Parasiten auf den Wirtsorganismus erschwert. "Die biologische Lösung gegen Parasitismus und Mutation ist Sex", so Prof. Michiels.

Sex macht also Sinn. Aber warum mit einem anderen Geschlecht? Ungefähr zehn bis 15 Prozent des Tierreiches ist zwittrig, weshalb nicht alle? Plattwürmer kopulieren immer wieder mit ihren Artgenossen, obwohl sie das Ejakulat eines Geschlechtsaktes über Monate speichern können. Die Folge: multiple Vaterschaften und Spermienkonkurrenz. "Ein Highlight der Untersuchungen waren fünf Jungtiere in einem Kokon, die von fünf verschiedenen Vätern stammten. Das ist sehr ungewöhnlich", begeistert sich Prof. Michiels. "Und ich kenne mich mit Spermienkonkurrenz aus." Da ein großer Teil des gesammelten Spermas vom Körper verdaut wird, müssen die potentiellen Väter häufig kopulieren und eine große Menge Sperma spenden, um eine Chance auf Nachkommen zu haben. Als Lösung betreiben diese Tierstämme eine zeitaufwendige Partnerwahl oder Spermienhandel, bei dem es darum geht, Ejakulat Eins zu Eins auszutauschen.

Das Paarungsverhalten von zweigeschlechtlichen Plattwürmern anderer Arten eskaliert in den Meerestiefen. Marine Arten kämpfen regelrecht darum, wer wen besamen darf. Zwei unförmige Gestalten stehen dann aufgerichtet voreinander und bedrohen sich mit einem oder sogar zwei Penissen. Erstere versuchen, das Ejakulat unter die Haut des Gegenübers zu injizieren, letztere, es auf ihr aufzubringen. Der Kampf führt letztendlich zu einem nur einseitigen Samenaustausch und zu Verletzungen, deren Regeneration wiederum energieaufwendig ist.

"Insgesamt ist das Zwitterdasein von komplexen Paarungsproblemen geprägt und durch die identischen Interessen mit energie- und zeitaufwendigen Wettläufen verbunden. Von den genetischen Nachteilen für das Individuum mal ganz abgesehen", resümiert Prof. Michiels. Getrenntgeschlechtliche Sexualstrategien seien dagegen vergleichsweise einfach strukturiert und deshalb weiter verbreitet.
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