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Können Handys Krebs im Kopfbereich auslösen?

17.11.1999 - (idw) Universität Bielefeld

Können Handys Krebs im Kopfbereich auslösen?

Bielefelder Gesundheitswissenschaftlerin beteiligt sich an internationaler Studie

Immer mehr Menschen benutzen Handys für ihre täglichen Telefongespräche. Beim Telefonieren entsteht hochfrequente Strahlung, die ein elektromagnetisches Feld erzeugt. Seit zwei Jahrzehnten wird diskutiert, ob Menschen Krebs im Kopf- und Halsbereich bekommen können, wenn sie solchen Feldern ausgesetzt sind.

Soeben hat im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ein internationaler Workshop über mögliche Gesundheitsschäden durch Mobiltelefone stattgefunden (11. und 12. November). Die eingeladenen Experten aus Epidemiologie, Technik, Politik und Industrie werteten die bisherigen Ergebnisse aus, die durch Studien in anderen Ländern erzielt worden waren. Es gibt einige wenige Hinweise auf Gefahren, aber die bisher vorliegenden Daten gestatten noch keine Bewertung des Risikos.

Ein biologischer Mechanismus, der erklärt, in welcher Weise Hochfrequenzstrahlung die Entstehung oder das Wachstum von Tumoren beeinflussen könnte, konnte bisher nicht gefunden werden. Hervorstechendes und unbestrittenes Hauptergebnis dieser Studien war, daß das größte Gesundheitsrisiko bei der Benutzung von Handys im Verkehr gegeben ist: Die Anzahl der Autounfälle ist bei oder unmittelbar nach der Telefonbenutzung drastisch erhöht.

Um die offenen Fragen abzuklären und insbesondere auf eine aussagefähige, große Datenbasis zu stellen, wird Anfang nächsten Jahres eine von der Weltgesundheitsorganisation WHO organisierte und anteilig mit Mitteln der EU und der Industrie finanzierte internationale Studie begonnen. Dabei sollen Patienten, bei denen kürzlich ein Hirntumor diagnostiziert wurde, und gesunde Vergleichspersonen nach ihrer Handynutzung befragt werden. Würde sich ergeben, daß die beiden Untersuchungsgruppen ihre Handys unterschiedlich nutzen, wäre dies ein Hinweis auf einen ursächlichen Zusammenhang.

Drei deutsche Forschungsgruppen (in Bielefeld, Heidelberg und Mainz) beteiligen sich an dieser Studie. Die Bielefelder Gruppe ist an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld angesiedelt und wird von der Epidemiologin Prof. Dr. Maria Blettner geleitet.

Es ist des weiteren daran gedacht, die Benutzung von Handys nicht nur retrospektiv, also nach dem Auftreten der Krankheit zu erfassen, sondern auch prospektiv. Dazu müßte bei einer größeren Gruppe von Menschen das Nutzerverhalten über längere Zeit verfolgt werden. Eine solche Studie, die dann auch andere Krankheiten berücksichtigen könnte, wäre aussagekräftiger, aber auch erheblich aufwendiger. In Bielefeld laufen dazu Gespräche zwischen der Arbeitsgruppe von Professorin Blettner und verschiedenen Kliniken.

Kontakt:

Prof. Dr. Maria Blettner
Arbeitsgruppe Epidemiologie und Medizinische Statistik
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Universität Bielefeld
Tel. 0521/106-3837
Fax 0521/106-6465
Email: blettner@uni-bielefeld.de
http://www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag3/index.html
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