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Die Theologie an ihre Verantwortung erinnert

18.11.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Der neue Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung und frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Dr. Wolfgang Frühwald, ist gemeinsam mit dem Münchner Philosophen Prof. Dr. Dieter Henrich in Münster mit der Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität ausgezeichnet worden.


Prof. Dr. Wolfgang Frühwald
Prof. Dr. Dieter Henrich Der Literaturwissenschaftler und Wissen schaftsmanager Prof. Dr. Wolfgang Frühwald, seit wenigen Tagen neuer Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, und der Philosoph Prof. Dr. Dieter Henrich sind am 18. November in Münster von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfä lischen Wilhelms-Universität mit der Würde eines Ehrendoktors der Theologie ausgezeichnet worden. Die Fakultät würdigte damit nach den Worten ihres Dekans Prof. Dr. Thomas Pröpper, dass beide in jeweils spezifischer Weise, die Theologie zur Wahrnehmung ihrer öffentlichen Aufgabe herausgefordert und ermutigt habe.

Zu den Forschungsschwerpunkten von Wolfgang Frühwald, ge boren 1935, zählen die deutsche Mystik, die religiöse Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, die deutschsprachige Exilliteratur zwischen 1933 und 1945 und vor allem die Literatur der deutschen Romantik. Seit 1970 an der Universität Trier-Kaiserslautern und seit 1974 in München als Ordinarius für "Neuere deutsche Literaturgeschichte" übernahm er immer wieder Gastprofessuren im Ausland und erhielt von drei ausländischen Universitäten Ehrendoktorate. Prof. Frühwald war von 1982 bis 1987 Mitglied des Wissenschaftsrates und von 1992 bis 1997 Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Anfang November hat er sein neues Amt als Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bonn angetreten.

Dieter Henrich, geboren 1927, lehrte als Philosoph an der Freien Universität Berlin, in Heidelberg und München, nahm regelmäßige Gastprofessuren in den USA wahr und ist seit 1997 Honorarprofessor an der Berliner Humboldt-Universität. Er war unter an derem langjähriger Präsident der Internationalen Hegel-Vereinigung und gehört dem Bayerischen, der Heidelberger, der Europäischen und der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften an. Bahnbrechend waren nicht nur seine Forschungen zur Entwicklung der klassischen deutschen Philosophie nach Kant, sondern auch seine Beiträge zu einer Theorie des Subjekts und des Selbstbewusstseins. Auch in politischen Belangen hat sich der Philosoph immer wieder zu Wort gemeldet: So 1990 mit seiner "Ethik zum nuklearen Frieden" und mit "Reflexionen auf dem Weg aus der deutschen Teilung".

Wolfgang Frühwald erhielt den Ehrendoktor in Münster in An erkennung seiner Verdienste um den interdisziplinären Diskurs und zugleich als Dank für die Entschiedenheit, mit der sein Wirken als Wissenschaftspolitiker und -organisator die Theologie zur Wahrnehmung ihrer öffentlichen Aufgabe herausfordere und ermutige. Immer wieder habe er sich wegweisend zu den Problemen und Aufgaben der Geistes- und Kulturwissenschaften in einer vom naturwissenschaftlichen Denken geprägten Wissenschaftslandschaft geäussert und wichtige Impulse für einen öffentlich zu führenden Orientierungsdialog gegeben.

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Münster ehrte Dieter Henrich, "weil er die Theologie an ihre Verantwor tung für die fortgeschrittene Moderne erinnert hat, aber auch der Philosophie nicht die Fragen erlässt, die dem bewussten Le ben an den Grenzen des Wissens sich stellen". Zugleich würdigt sie seine Forschungen zum deutschen Idealismus und seine Entwürfe einer Theorie des Selbstbewusstseins, die einen wesentlichen Bezugspunkt für die aktuelle theologische Grundlagendiskussion bildeten.

Höhepunkt des akademischen Festaktes am Donnerstag, 18. November 1999, in der Aula des Schlosses zu Münster waren die Vorträge der beiden neuen Ehrendoktoren: "Von der Rationalität des Glaubens" handelten die Ausführungen Frühwalds, nachdem Henrich zu dem in Anlehnung an Hölderlin formulierten Thema "... und verstehe die Freiheit" gesprochen hatte. Überreicht wurden die Promotionsurkunden vom Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Thomas Pröpper. Die Laudationes hielten die münsterschen Theologen Prof. Dr. Klaus E. Müller und Prof. Dr. Klemens Richter.

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