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Konsumentenverhalten in der Transformation

18.11.1999 - (idw) Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa

Der Nahrungsmittelkonsum von Privathaushalten hat sich im Transformationsprozeß Mittel- und Osteuropas drastisch verändert. Vor allem die vielfach stark zurückgegangene Kaufkraft der Bevölkerung und veränderte qualitative Ansprüche an Nahrungsmittel stellen eine Herausforderung für die Agrar- und Ernährungspolitik der Transformationsländer dar.

Vom 4. bis 6. November fand am Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle das 68. Seminar der Europäischen Assoziation der Agrarökonomen statt. Ein internationales Teilnehmerfeld unterschiedlicher Disziplinen diskutierte die Veränderungen, die sich simultan in den ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen sowie in den Präferenzen der Konsumenten vollziehen, und die Auswirkungen dieses Veränderungsprozesses auf die Nahrungsmittelnachfrage in den Transformationsländern.
Seit dem Beginn der 90er Jahre hat der relative Anstieg der Nahrungsmittelpreise und extreme Inflationsraten zu einer erheblichen Verringerung der Kaufkraft in den Ländern Mittel- und Osteuropas geführt. Da die Aufwendungen für Nahrungsmittel in vielen dieser Länder mit im Durchschnitt über 50% einen erheblichen Anteil an den gesamten Haushaltsausgaben ausmachen, ergaben sich hieraus weitgehende Konsequenzen: Die Armut hat beträchtlich zugenommen und für einen immer größeren Teil der Bevölkerung ist eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung nicht mehr gewährleistet. Monika Hartmann (IAMO), Leiterin der Abteilung Agrarmärkte, Agrarvermarktung und Weltagrarhandel, wies darauf hin, daß für die Ableitung adäquater Ernährungssicherungspolitiken Kenntnisse über die Konsumreaktionen der Verbraucher auf veränderte Einkommen und Preise notwendig sind. Darüber hinaus sind diese auch für die Ermittlung des Marktpotentials für Agrarprodukte von erheblicher Relevanz. Letzteres wiederum bestimmt die Absatzmöglichkeiten der Land- und Ernährungswirtschaft und damit die Wettbewerbsfähigkeit dieser Sektoren in den Transformationsländern.
In verschiedenen Beiträgen wurde gezeigt, daß der Anteil des Konsums aus Eigenproduktion am gesamten Nahrungsmittelkonsum insbesondere in Südosteuropa sowie in den Neuen Unabhängigen Staaten erheblich zugenommen hat. Die Eigenproduktion hat sich für viele Haushalte kurz- bis mittelfristig als einzig möglicher Weg erwiesen, in wirtschaftlich schwieriger Zeit ihre Nahrungsversorgung sicherzustellen. Diese aus individueller Sicht optimale Strategie zur Bewältigung der Unsicherheiten im Transformationsprozeß ist aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive als ineffizient zu bewerten. Erst im Zuge einer wirtschaftlichen Erholung und einer Zunahme der politischen und ökonomischen Stabilität ist mit einem Rückgang der Eigenversorgung zu rechnen. Damit würden sich gleichzeitig die Absatzmöglichkeiten der Marktproduzenten von Agrar- und Ernährungsgütern verbessern.
Ein wichtiger Diskussionspunkt im Rahmen des Seminars war der Bereich der Nahrungsmittelqualität und die Schwierigkeiten, die sich für viele Transformationsländer aus national oder international festgelegten Nahrungsmittelqualitätsstandards ergeben. Im sozialistischen System waren Konsumentenpräferenzen von untergeordneter Bedeutung, was sich in einer geringen Qualität und Produktdifferenzierung der Nahrungsmittel zeigte. Mit der Öffnung der Märkte in Mittel- und Osteuropa erhielten die Konsumenten in den MOEL Zugang zu den häufig qualitativ höherwertigen Westprodukten. Die ohnehin sinkende Nachfrage nach Nahrungsmitteln verlagerte sich hierdurch teilweise auf westliche Importprodukte. Um die heimischen Konsumenten zurückzugewinnen sind die Produzenten in den MOEL somit gezwungen den Konsumentenpräferenzen nach höherer Qualität und stärkerer Produktdifferenzierung zu entsprechen. Hierfür sind erhebliche Investitionen in die häufig veralteten Produktionsanlagen sowie in Qualitätssicherungssysteme notwendig. Dies gilt in noch bedeutenderem Maße, wenn die MOEL ihre Produkte in Westeuropa absetzen wollen, wo in der Regel wesentlich strengere Nahrungsmittelqualitätsstandards Anwendung finden.

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