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Institut für Umweltforschung sucht Modelle für Umgang mit Grundwasser und Hochwasser

30.08.2002 - (idw) Universität Dortmund

Wie gehen wir nachhaltig ökologisch und ökonomisch um mit dem Wasser? Die Flutkatastrophe dürfte dem Thema Wasser auch in der Wissenschaft großen Auftrieb geben. Das Institut für Umweltforschung der Universität Dortmund (INFU) ist bereits seit Jahresbeginn als bislang einzige deutsche Forschungseinrichtung in zwei auf vier Jahre angelegte Forschungsvorhaben der Europäischen Union eingebunden. Diese befassen sich mit der Entwicklung von Modellen für ein integriertes Wassermanagement.

Die beiden Forschungsprojekte beziehen sich auf die Modellierung nicht nur von Flussläufen und Grundwasserressourcen, sondern auch auf den Hochwasserschutz. Der INFU-Arbeitsgruppe von Dr. Ingo Heinz fällt die Rolle zu, die sozio-ökonomischen Aspekte einer nachhaltigen Gewässerbewirtschaftung zu bearbeiten. Angesichts der aktuellen Hochwasserereignisse in Deutschland verfügt das INFU über reichhaltiges Anschauungsmaterial für diese Aufgabe.

Das INFU, das zum Thema Wasser bereits mehrere Untersuchungen vorgelegt hat (siehe z.B.: UNIREPORT, Forschungsberichte 34, Dortmund 2002), arbeitet in beiden Projekten mit jeweils mehr als zehn Forschungsinstituten aus verschiedenen Mitgliedsländern zusammen. Gegenstand der Forschungsvorhaben ist die Modellierung der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasserressourcen in Flusseinzugsgebieten (river basins).

Diesbezügliche Vorgaben enthält die vor kurzem in Kraft getretene EU-Wasserrahmenrichtlinie. Sie schreibt den 15 Mitgliedsländern auf der Grundlage eines zeitlich abgestuften Maßnahmenplans die Wiederherstellung des guten Zustandes für alle Gewässer bis zum Jahre 2015 vor. Die Forschungsprojekte werden im Rahmen des Fünften Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Union mit einem Finanzvolumen von insgesamt rund 7 Mio. gefördert.

Flut fordert auch Wissenschaftler heraus

Die aktuelle Hochwasserkatastrophe, insbesondere in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt - fünf Jahre nach der Oder-Flut -, haben die Öffentlichkeit und Politiker wie niemals zuvor aufgerüttelt. Aber auch Wissenschaftler, die sich mit dem Umweltmedium Wasser befassen, fühlen sich besonders herausgefordert, die Ursachen und Folgen der Ereignisse an Elbe und Donau zu untersuchen.

Dr. Ingo Heinz: "Es geht vor allem um die Frage, wie solche Ereignisse in Zukunft durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen verhindert oder in ihren Auswirkungen begrenzt werden können. Dies ist keine einfach zu lösende Aufgabe, da es sich bei Regenniederschlägen in dem Ausmaß, wie wir es erlebt haben, um kaum prognostizierbare Naturphänomene handelt."

Hochwasserereignisse lassen sich niemals ganz ausschließen, sie können jedoch durch geeignete Maßnahmen auf ein akzeptables Maß begrenzt werden. Hierzu zählen Deichbauten und das Freihalten von ausreichenden Überschwemmungsgebieten. Zudem sollten nachteilige Eingriffe in die Natur unterbleiben, wie vor allem die Begradigung und Kanalisierung von Flussläufen. Überdies führt die anhaltende Überbauung von Bodenflächen - in Deutschland derzeit 470 qkm pro Jahr - dazu, dass Regenniederschläge, statt in das Erdreich und das Grundwasser zu versickern, über die befestigten Flächen und die Kanalisation in die Flüsse gelangen und dort maßgeblich zum Hochwasser beitragen.

Wissenschaftler berechnen das Wahrscheinliche

Vorsorgemaßnahmen sind zumeist mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen verbunden. Hierzu zählen nicht nur die Kosten von Bauwerken, wie Deiche, Rückhaltebecken und Kanäle, sondern auch die wirtschaftlichen Einschränkungen für Schifffahrt, Landwirtschaft, Industrie und Gemeinden.

Wirtschaftliche Erwägungen sind häufig die Ursache eines unzureichenden Hochwasserschutzes. Letztlich geht es bei der Schadensprävention um die Abwägung zwischen den wirtschaftlichen Aufwendungen (Kosten) und der Verhütung von Hochwasserschäden (Nutzen).

Angesichts der Unsicherheit, die mit Hochwasserereignissen und insbesondere mit der Vorhersage von langanhaltenden Regenniederschlägen verbunden ist, sind Entscheidungen im Hochwasserschutz besonders schwierig. Auch das Ausmaß möglicher Hochwasserschäden ist kaum vorherzusagen, auch wenn Erfahrungen aus früheren Ereignissen vorliegen.

Dr. Ingo Heinz über die Vorgehensweise: "Wissenschaftler behelfen sich zumeist mit Wahrscheinlichkeitsberechnungen, um die möglichen Hochwasserschäden im Rahmen von Szenarien abzuschätzen. Alternative Präventionsstrategien - wie Deichbauten oder Kanalsysteme zur Ableitung von Hochwasser - und die erforderlichen Kostenaufwendungen werden den mutmaßlichen Hochwasserschäden gegenübergestellt. Besonders kompliziert ist die Aufgabe, die Tragweite der verschiedenen Hochwasserschäden zu bewerten, wie etwa die Zerstörung historisch wertvoller Bauten, die Vernichtung schützenswerter Ökosysteme, erhöhte Gesundheitsrisiken durch Einträge von Krankheitserregern in die Gewässer und schließlich auch Todesfälle."

Hochwasserschäden völlig auszuschließen, wäre in der Tat zu kostspielig, erklärt der Wissenschaftler. Die Kernfrage ist, in welchem Umfang die Bürger zu finanziellen Opfern für den präventiven Hochwasserschutz bereit sind und welche Restrisiken sie in Kauf nehmen wollen. Die Antwort hierauf wird unterschiedlich ausfallen - je nach Betroffenheit und sozialem Status des einzelnen Bürgers. Wie die derzeitige Diskussion um die Be-hebung der Hochwasserschäden bis in den Bundestag hinein zeigt, bestehen unterschiedliche Auffassungen auch zur Frage, wie die Folgekosten zu finanzieren sind. Über Steuern oder über langfristige Kredite zu Lasten zukünftiger Generationen.

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Kontakt: Dr. Ingo Heinz, INFU,
Ruf: 0231-7554093, Fax: 0231-7554084,
E-Mail: iheinz@infu.uni-dortmund,
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