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Karlsruher Studenten auf der Suche nach der Weihrauchstraße

09.03.2000 - (idw) Fachhochschule Karlsruhe - Hochschule für Technik


Marco Hofmann, Student des Vermessungswesens an der Fachhochschule Karlsruhe - Hochschule für Technik, mit dem High-Tech-Rucksack
Noch nicht datierte Siedlungsreste 20 km östlich vom jordanischen Aqaba am Roten Meer verläßt eine kleine Forschergruppe mit ihrem Jeep den Wüstenhighway im Wadi al Yitim. Auf sie wartet unter gleißender Sonne eine bizarre Gebirgslandschaft. In den trockenen Wadis gibt es nur noch Sandpisten. Für das Gebiet existiert keine Karte, doch die Forscher haben einen GPS-Empfänger an Bord. Über das satellitengestützte Global Positioning System (GPS) läßt sich die eigene Position genau bestimmen. Die Fahrtroute wird ständig aufgezeichnet, wichtige Wegpunkte können markiert werden. Chancenlos wäre ansonsten der Versuch, sich hier auf "Wegen" zurechtzufinden, die bis zu 100 km durch eine grandiose aber unwirtliche Landschaft führen.

Das Forscherteam besteht aus zwei Archäologen und drei Vermessern. "Wir sind auf der Suche nach Zeugnissen menschlicher Aufenthalte und haben bereits vieles gefunden", bestätigt Archäologe Lothar Herling, vor Ort im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) tätig, während ein jordanischer Student an einer Felswand Reste von Pfeilspitzen aus Flint (Feuerstein) findet. "Die Weihrauchstraße, auf der viele Gewürze und andere Waren zwischen Arabien und Europa seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. transportiert wurden, ist hier irgendwo durchgegangen. Das gesamte Gebiet von rund 300 km2 ist bisher nur wenig erforscht."

Innerhalb eines Kooperationsprojektes zwischen der Universität in Amman und der Orient-Abteilung des DAI in Berlin unter Beteiligung der Fachhochschule Karlsruhe - Hochschule für Technik fahren die Forscher nun täglich einzelne Wadis an und suchen die Umgebung nach menschlichen Zeugnissen ab, die bis zu 10.000 Jahre alt sein können.

Ein Ziel der Zusammenarbeit ist die Erprobung neuer GPS-gestützter Messverfahren. Dabei stehen kostengünstige Lösungen im Vordergrund. Zum Einsatz kommt eine neue Technik im Rucksack. Wichtige Fundstellen und Wege werden mittels GPS kartiert. In Kombination mit handelsüblichen Navigationsempfängern, wie sie für Wanderer und Bootsfahrer ab 500 DM erhältlich sind, läßt sich unter Nutzung des zusätzlichen GPS-Servicedienstes OmniSTAR die eigene Position metergenau bestimmen. OmniSTAR berechnet auf Basis eines weltweiten Referenzpunktnetzes GPS-Korrekturdaten und leitet diese via geostationärem Satelliten (ähnlich einem Fernsehsatelliten) an den Nutzerempfänger - bei den Forschern in der jordanischen Wüste in einem Rucksack mit herausragenden Antennen untergebracht (s. Foto 1).

Marco Hofmann und Christian Schäfer haben sich bereits in Karlsruhe mit dem High-Tech-Equipment vertraut gemacht und werden nun innerhalb ihrer Diplomarbeit am Fachbereich Geoinformationswesen die Praxistauglichkeit der Ausrüstung erproben. Die beiden sind das erste Mal in einer Wüste. "So gebirgig habe ich mir das nicht vorgestellt", gibt Christian Schäfer seinen ersten Eindruck wieder.

Am Mittag erreicht das Team einen schon an den Vortagen erkundeten Platz, an dem auf einer kleinen Anhöhe Mauerstrukturen und Spuren einer großen Feuerstelle erkennbar sind. "Unsere Aufgabe ist hier", so Marco Hofmann, "mit unserem elektronischen Tachymeter - dem Allroundinstrument des Vermessers, mit dem sich Winkel und Strecken messen und speichern lassen - die Gegend detailliert aufzunehmen und die Lage im jordanischen Landesnetz mittels GPS zu bestimmen."

"Wir können auf diese Weise neue Verfahren testen und in die interdisziplinäre Zusammenarbeit einbringen", erklärt Laborbetriebsleiter Andreas Rieger des Studiengangs Vermessung und Geomatik und ergänzt: "Der heutige Vermesser hat neben den traditionellen Arbeiten auch in den Informationstechnologien ein breites Betätigungsfeld. Den heutigen Bedarf können wir durch unsere Absolventen nicht abdecken."

Lothar Herling, begeistert vom Einsatz der neuen Möglichkeiten, fügt hinzu: "Das Museum in Aqaba ist sehr an einer 3D-Visualisierung der Messdaten interessiert. Auch hier möchten die Verantwortlichen neue Methoden der Darstellung - insbesondere wegen des steigenden Tourismus in der Aqaba-Region - nutzen."

Noch liegt einige Arbeit vor dem Forschungsteam. Erst Ende März werden die Studierenden wieder in Karlsruhe eintreffen und sich an die Auswertung der Messungen machen. Zum Abschluss des Jordanienaufenthalts bleibt ihnen sicher noch ein Tag, um im nahen Roten Meer schnorcheln zu können. Die ganz private "Erforschung" unter Wasser ist dann sicherlich ein guter Ausgleich für die Wochen in der trockenen, aber zu dieser Jahreszeit erträglichen Wüste.

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