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Astronomisches Großgerät für Georgien

14.03.2000 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Wenn Bundeskanzler Gerhard Schröder am 30. März zu seinem Staatsbesuch nach Georgien fliegt, hat er schweres Gepäck dabei. Im Laderaum seines Bundeswehr-Jets steht ein fast drei Tonnen schweres Mikrodensitometer aus dem früheren Astronomischen Institut der Universität Münster. Dabei handelt es sich um ein lichtempfindliches, fotoelektrisches Messgerät zur Ermittlung der Dichte von Schwarz-Weiß- oder Farbmaterialien. Astronomische Fotoplattenauf nahmen werden eingescannt und anschließend der Bildbearbeitung unterzogen. Das Präzisions instrument, mit dem Aufnahmen mit höchster Auflösung ausgewertet werden können, ist ein Geschenk der Universität Münster für das Abastumani Observatorium in Tiflis.

Viele Jahre war das Mikrodensitometer ein Kernstück des Astronomischen Instituts der Uni versität Münster. Prof. Dr. Waltraut Seitter hatte das fast eine Million Mark teure Gerät 1982 beschafft und zusammen mit ihren Mitarbeitern zum weltbesten Instrument seiner Art entwic kelt. Es diente über viele Jahre nicht nur dem Astronomischen Institut als zentrales Forschungs gerät, mit dem wichtige Untersuchungen zur Kosmologie durchgeführt wurden, sondern wurde auch immer wieder auswärtigen und ausländischen, vor allem osteuropäischen Gruppen zur Verfügung gestellt. Nachdem das Astronomische Institut in Münster nach der Emeritierung von Prof. Seitter auf Beschluss der Landesregierung 1997 endgültig geschlossen wurde, bemühte sich der Fachbereich Physik, das Gerät weiter in Betrieb zu halten, konnte aber mit den astrono mischen Institutionen in Deutschland zu keiner tragbaren Lösung kommen. "Deshalb blieb nur die Verschrottung oder Abgabe des Geräts, was aber wegen der hohen Abbau- und Transport kosten bereits ein Problem darstellt", so Prof. Dr. Rainer Santo vom Institut für Kernphysik der Universität Münster.

Als das Abastumani Observatorium in Tiflis, das früher schon in Münster Fotoplatten ausge wertet hatte, Interesse an der Fortführung der Arbeiten und dem Gerät bekundete, entschlossen sich Fachbereich und Universität, das Mikrodensitometer dem hochangesehenen georgischen Institut zu schenken, um damit die Forschungsbedingungen der georgischen Astronomie wesentlich zu verbessern. Die Kosten der Überführung wird das Außenministerium in Koopera tion mit dem Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und der Gesellschaft für Tech nische Zusammenarbeit im Rahmen des Staatsbesuches von Kanzler Schröder in Tiflis überneh men.

Vorher muss das empfindliche Instrument in seine Teile zerlegt werden, was sachkundige frühere Mitarbeiter des Astonomischen Instituts in mühevoller Wochenendarbeit durchführen werden. Der Transport des 2,5 Tonnen schweren Messtisches erfordert den Einsatz einer Spezialfirma, die das Gerät aller Voraussicht nach am 22. oder 23. März zum Flughafen Köln- Bonn bringen wird. Von dort wird das Mikrodensitometer nach Berlin weiterbefördert, von wo aus es auf die Reise nach Tiflis geschickt wird.
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