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Kosten/Nutzen-Analysen - geforderter Effektivitätsnachweis: PET in der Krebsmedizin

15.03.2000 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin

Die durch viele, seit Langem anerkannte medizinische Verfahren gewonnene Lebenszeit der Bevölkerung beträgt statistisch nur wenige Tage oder Wochen. Solche Daten beruhen auf Entscheidungsmodellen und Statistik und haben zur Folge, dass immer eine "Population", nicht aber der individuelle Patient gesehen wird. Nichtsdestotrotz wird genau das von den Kostenträgern verlangt. So kann die Effektivität einer Untersuchungsmethode über die technische Genauigkeit, die diagnostische Genauigkeit, den Einfluss auf die Therapieentscheidung, den Gewinn an Lebenserwartung oder Lebensqualität oder den Nutzen für die Gesellschaft definiert werden. Obwohl die Bewertung des "Nutzens" medizinischer Verfahren mit statistischen Methoden fragwürdig bleibt, hat sich auch die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin des Instrumentes der Kosten/Nutzen-Analyse bedient, um Verfahren, die für die Patienten große Vorteile mit sich bringen können, klinisch einzuführen.
Für die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit FDG (radioaktiv markierte Traubenzuckerderivate), ein nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren insbesondere für die Krebsmedizin, Herz-Kreislauferkrankungen und die Diagnostik von neurodegenerativen Erkrankungen (etwa Morbus Alzheimer), wurden bereits 1996 und 1998 in den USA Kosten-Effektivitäts-Analysen - basierend auf dem US-amerikanischen Vergütungssystem - publiziert. Als Ergebnis wurden der PET große Einsparpotentiale bescheinigt, die sich zunächst nicht zwangsläufig auf die Bundesrepublik Deutschland beziehungsweise auf die Perspektive der Gesamtheit der Gesetzlichen Krankenkassen übertragen lassen. Daher erstellte die Klinik für Nuklearmedizin der Universität zu Köln in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gesundheitsökonomie Kosten-Effektivitätsanalysen für die FDG-PET bei Fragestellungen aus der Krebsmedizin.
Beispielhaft wurde die Kosten/Effektivitäts-Relation beim Einsatz der FDG-PET zur Klärung unklarer pulmonaler Rundherde (Verschattungen im Röntgenbild) sowie für den Einsatz der Methode zur Stadienbestimmung bei nachgewiesenem Lungenkrebs (präoperatives Staging) untersucht. Die Kosten/Effektivitäts-Relation wurde mit Hilfe eines Parameters bestimmt, der heute allgemein Eingang in gesundheitsökonomische Betrachtungen gefunden hat. Es handelt sich um den "Incremental cost-effectiveness-ratio" (ICER). Diese Größe gibt Auskunft darüber, mit welchem "finanziellen Aufwand" der Gewinn eines Lebensjahrs durch den Einsatz eines diagnostischen oder therapeutischen Verfahrens im Vergleich mit einer Behandlungsalternative erkauft werden muss. Als allgemein akzeptiert gilt der Einsatz von etwa DM 100.000 pro gewonnenem Lebensjahr.
Wird die FDG-PET zur Diagnostik eines unklaren Lungenrundherdes eingesetzt, wird statistisch gesehen die Verlängerung der Lebenserwartung um ein Jahr mit einem finanziellen Aufwand von DM 5.700 erkauft. Dieser Aufwand für die erzielte Lebensverlängerung bezieht sich auf den Vergleich mit einer abwartenden Haltung. Vergleicht man das diagnostische Verfahren mit dem der explorativen Thoratokomie (also einer Biopsie des fraglichen Lungengewebes), so lassen sich für jedes gewonnene Lebensjahr DM 11.400 einsparen.
Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass die - im Vergleich mit anderen Methoden zunächst sehr teure - Positronen-Emissionstomographie bei gezieltem klinischen Einsatz durchaus dazu beitragen kann, die Kosten einer Krebsbehandlung zu reduzieren.
Im Rahmen der Diagnostik (in welchem Stadium befindet sich die Krebserkrankung), die vor einer operativen Behandlung eines nachgewiesenen Lungenkrebses notwendig ist, kann die Positronen-Emissions-Tomographie zur statistischen Lebensverlängerung um ein Jahr um den Preis von DM 290 beitragen. Damit liegt hier der Kostenaufwand für den zu erwartenden Nutzen besonders niedrig. Die Zahl unterstreicht die ausserordentlich nützliche Rolle der PET bei der Selektion der Patienten, die von einem thoraxchirurgischen Eingriff profitieren können.
Nicht vergessen werden sollten bei beiden Beispielen die medizinischen Vorteile: Eine PET-Untersuchung zur Abklärung eines pulmonalen Lungenrundherdes erspart dem Patienten in den meisten Fällen die Eröffnung des Brustkorbes für eine Gewebsentnahme. Bei der Stadienbestimmung hat der PET-Befund erheblichen Einfluss auf die Therapieplanung. Hat beispielsweise der Tumorherd in der Lunge bereits Tochtergeschwülste gebildet, kommt in der Regel eine Operation nicht mehr in Betracht. Dem Patienten kann dann besser mit anderen Maßnahmen, etwa einer Chemotherapie, geholfen werden.

Weitere Informationen zu diesen Studien bekommen Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin, Arbeitsausschuss Kosten-/Nutzen-Analysen, Prof. Dr. Wolfram H. Knapp, Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Nuklearmedizin, Tel. 0511/5322577, e-mail: knapp.wolfram@mh-hannover.de.

Weitere Informationen zur PET in der Krebsdiagnostik finden Sie u.a. in der DGN-Patientenbroschüre zum Thema, die als Download-Version auf der DGN-Homepage www.nuklearmedizin.de in der Rubrik Infoservice zur Verfügung steht.
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