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Sprachverlust nach Schlaganfall

16.03.2000 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Sprachstörungen bis hin zum kompletten Verlust der Sprache gehören zu den besonders gefürchteten Folgen eines Schlaganfalls. Mit der Erforschung dieser als Aphasie bezeichneten Erscheinung sowie mit der Entwicklung eines neuartigen Behandlungsverfahrens beschäftigt sich der münstersche Neurologe Privatdozent Dr. Stefan Knecht. Durch eine finanzielle Förderung des Landes NRW in Höhe von 2,5 Millionen Mark wird der an der Klinik für Neurologie der Universität Münster tätige Mediziner seine zukunftsweisenden Arbeiten jetzt mit Nachdruck vorantreiben zu können. Knecht ist einer von drei nordrhein-westfälischen Nachwuchswissenschaftlern, die am Donnerstag (16. März) von NRW-Wissenschaftsministerin Gabriele Behler als Gewinner des Wettbewerbs "Forschung im Dienste der Gesundheit" ausgezeichnet wurde.

Das Förderprogramm ist Bestandteil des Schwerpunktes "Medizinischer Fortschritt und Prävention" im "Innovationsprogramm Forschung". Ziel des in diesem Jahr vom Düsseldorfer Wissenschaftsministerium zum zweiten Mal ausgeschriebenen Wettbewerbs ist es, die besten Nachwuchswissenschaftler in der medizinischen Forschung zu fördern. Die für einen Zeitraum von fünf Jahren gewährten Fördermittel erlauben dem münsterschen Neurologen, für die Fortführung seines Projektes eine unabhängige Arbeitsgruppe einzurichten. Die Rahmenbedingungen für seine Forschungarbeiten werden sich dadurch enorm verbessern, denn die Nachwuchsgruppe ermöglicht nicht zuletzt die Einrichtung von fünf neuen Stellen für diesen Bereich.

Knecht hat sich bei seinen Arbeiten das Ziel gesetzt, zu erforschen, wo das menschliche Gehirn Sprache verarbeitet, wie sich diese Fähigkeit nach einer Schädigung zu erholen vermag und auf welchem Weg diese Erholung verbessert und beschleunigt werden kann. Dabei geht es ihm unter anderem auch um die Klärung der Frage, warum der Sprachverlust bei zwei Drittel der betroffenen Schlaganfall-Patienten nur vorübergehend, bei dem anderen jedoch von Dauer ist. Mittels schonender bildgebender Verfahren ist es ihm im Rahmen seiner Forschungen gelungen, die Sprachregionen im Gehirn zu lokalisieren. Denn die Lokalisation in der linken Hirnhälfte ist zwar die Regel, viele Menschen haben die Sprache laut Knecht aber auch rechts oder bemühen beide Gehirnhälften.

"Wenn wir nun wissen, wo das Sprachzentrum liegt, können wir es auch gezielt beeinflussen", weist Knecht auf einen von ihm verfolgten neuen therapeutischen Ansatz hin. Es handelt sich dabei um eine so genannte Magnetpulsstimulation des Gehirns. Dabei wird eine Magnetspule am Schädel genau an der Stelle angelegt, wo sich die sprachfähigen Neuronenverbände befinden. Dadurch wird im Innern des Gehirns ein Magnetfeld erzeugt, das die "elektrische Kommunikation " der Nervenzellen beeinflusst und ihre Funktion dadurch reaktiviert. Sollten sich die bislang schon sehr vielversprechenden Ergebnisse der Arbeiten des münsterschen Neurologen durch die jetzt intensivierten Forschungen bestätigen, so könnte dies die Therapie von Schlaganfall beziehungsweise einer besonders gefürchteten Folgeerscheinung entscheidend voranbringen.

Neben Stefan Knecht sind am Donnerstag zwei Nachwuchswissenschaftler aus Aachen und Essen als Gewinner des Wettbewerbs "Forschung im Dienste der Gesundheit" ausgezeichnet worden. Für den münsterschen Neurologen ist dies bereits die zweite große Fördermaßnahme seitens des Landes. 1997 war er bereits mit dem renommierten Bennigsen-Foerderpreis für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet worden.
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