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Lebenswelten Gutenbergs - Gutenbergs Zeit Rückblick auf eine erfolgreiche Vortragsreihe

16.03.2000 - (idw) Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V.

Lebenswelten Gutenbergs - Gutenbergs Zeit
Rückblick auf eine erfolgreiche Vortragsreihe

Im Jahr 2000 feiert Mainz den 600. Geburtstag von Johannes Gutenberg. Dieses Jubiläum würdigte das Institut für Geschichtliche Landeskunde mit seiner Vortragsreihe "Lebenswelten Gutenbergs" im Januar und Februar diesen Jahres.
Sieben namhafte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen entführten dabei die zahlreich erschienen Gäste zu einer Zeitreise in das 15. Jahrhundert.

Die Vortragsreihe wurde von dem 1. Vorsitzenden und Direktor des Instituts für Geschichtliche Landeskunde, Prof. Dr. Michael Matheus eröffnet. Matheus beleuchtete in seinem Vortrag "Die Stadt Mainz zur Zeit des Johannes Gutenberg" Wandlungen im Bereich der städtischen Verfassung und Gesellschaft und beschrieb Grundzüge der Entwicklung im Bereich von Gewerbe, Handel und Finanzen. Matheus äußerte die Vermutung, dass Johannes Gutenberg schon einiges von dem kannte, was heute noch Mainzer Lebensart ausmacht.
Dr. Michael Rothmann (Frankfurt) ging insbesondere auf die Bedeutung der Innovation Gutenbergs, den Buchdruck, ein und versuchte die Frage zu beantworten, weshalb der Buchdruck trotz des ersten wirtschaftlichen Misserfolgs, zu der Innovation des 15. Jahrhunderts wurde. Grundsätzlich hielt Rothmann fest, dass die nahegelegene Frankfurter Messe dazu beigetragen hat, den Buchdruck zu verbreiten.
Dr. Uta Goerlitz (München) berichtete über Formen und Funktionen mittelalterlicher Erzählungen, über den Ursprung von Mainz und den Mainzer "Eichelstein", wie sie im Zeitalter Gutenbergs in Umlauf waren. Sie stellte unterschiedliche Versionen der Mainzer Gründungsgeschichte vor und führte verschiedene Funktionen dieser Geschichten vor. Auf diese Weise wurde das Selbstverständnis der Bewohner der spätmittelalterlichen Stadt Mainz ein Stück weit sichtbar.
Prof. Dr. Francis Rapp, Mitglied der Académie des Inscriptions et des Belles Lettres, Paris, (Straßburg), beschäftigte sich mit Straßburg zur Zeit des Johannes Gutenberg. Er zeigte, daß es Gutenberg sehr schnell gelang in Straßburg, Kontakte zu Buchmalern und Goldschmieden zu knüpfen. Auf die Frage, ob Gutenberg den Buchdruck in Straßburg oder in Mainz erfunden habe, gab Rapp eine salomonische Antwort: Gutenberg habe in Straßburg den Buchdruck empfangen, in Mainz habe er ihn geboren.
Kai Michael Sprenger M.A. (Mainz) referierte über die Mainzer Erzstiftsfehde 1459 bis 1463, bei der u.a. Mainz seine Freiheitsprivilegien verlor. Sprenger führte aus, dass die Mainzer Erzstiftsfehde ein Ereignis von überregionaler politischer Bedeutung darstellte, in dessen komplizierter Ereignisabfolge die Eroberung der Stadt Mainz am 28.10.1462 zwar einen markanten, aber nicht wirklich entscheidenden Wendepunkt darstellte. Bedeutsam wurde in den Auseinandersetzungen auch die gerade erst entwickelte Technik Gutenbergs, mit der gedruckte Flugblätter zu öffentlichen Meinungsbildung eingesetzt wurden.
Dr. Regina Schäfer (Mainz) sprach über Adelsfamilien und Adelshöfe in Mainz zur Zeit Gutenbergs. Sie konnte zeigen, dass der Hoch- und Niederadel des Umlands und der Ferne sich eher temporär, auf der Durchreise, in der Stadt aufhielten. Dennoch hatte der Adel in Mainz mannigfaltige Funktionen. Die Historikerin konnte dies am Beispiel dreier Typen von Adelshöfen -einem adeligen Wirtschaftshof, einem repräsentativen Adelshof, der zur Nebenresidenz nach der Eroberung der Stadt ausgebaut wird, sowie einen "Alterssitz" eines Adeligen, der von der Regierung entbunden wurde, vorführen.
Mit seinem Vortrag über Mainz in der Musikgeschichte des 15. Jahrhunderts beendete Priv.- Doz. Dr. Franz Körndle (München) die Vortragsreihe "Lebenswelten Gutenbergs". Dabei gelang es ihm, obwohl er die schlechte Quellenlage bedauerte, anhand von Musikbeispielen vorzuführen, wie Choräle jener Zeit geklungen haben. Insgesamt zeigte er auf, dass neben den Gregorianischen Chorälen im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts die liturgische Einstimmigkeit in gedruckten Ausgaben verbreitet wurde. Dagegen ist an mehrstimmiger Vokalmusik aus Mainz kaum etwas überliefert, was einerseits an größeren Quellenverlusten liegen kann, aber auch eine schriftlose einfache Zweistimmigkeit wahrscheinlich macht. Körndle wies auch auf den berühmten Mainzer Orgelbauer Heinrich Traxdorf hin. Außerdem verdeutlichte er die Bedeutung Rheinhessens ab dem 14. Jahrhundert als eines der Zentren für die Aufführung geistlicher Spiele und äußerte die Vermutung, dass zur Zeit Gutenbergs das sog. Rheinhessische Osterspiel in einer Anlage aus deutschen und lateinischen Texten entstanden sei.


"Unsere Vortragsreihe war so gut besucht, dass interessierte Gäste teilweise keinen Sitzplatz mehr fanden. Aus diesem Grund werden wir den Vortrag "Die Stadt Mainz zur Zeit des Johannes Gutenberg" als Abendvortrag bei der Tagung "Bausteine zur Mainzer Stadtgeschichte Ende Oktober wiederholen", so Prof. Dr. Michael Matheus. "Wir freuen uns, dass unsere Vortragsreihe auf so großen Zuspruch getroffen ist. Die Vorträge werden noch dieses Jahr publiziert und spätestens ab November des Jahres im Buchhandel oder für die Mitglieder des Instituts am Institut für Geschichtliche Landeskunde in einer Sonderausgabe zu erwerben sein", so Matheus abschließend.
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