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Ostdeutsche Wirtschaft auch im Jahr 2000 zwischen Hoch in der Industrie und Tief im Bau

22.03.2000 - (idw) Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Trotz der konjunkturellen Schwächephase der deutschen Wirtschaft mit stagnierender Industrieproduktion in Westdeutschland ist das ostdeutsche Verarbeitende Gewerbe 1999 auf Wachstumskurs bei Produktion und Beschäftigung geblieben. Kostennachteile im Wettbewerb wurden weiter abgebaut. Im Jahr 2000 wird zwar der für Deutschland erwartete kräftige Exportimpuls wegen der relativ geringen Außenorientierung des ostdeutschen Verarbeitenden Gewerbes hier nur unterproportional aufgenommen werden.
(Erschienen in: IWH-Wirtschaft im Wandel 4/2000 oder unter www.iwh.uni-halle.de)

Mit dem Übergreifen des konjunkturellen Aufschwungs in Deutschland auf die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte gerät dann aber auch die ostdeutsche Industrie voll in das Fahrwasser der allgemeinen Konjunkturbelebung. Das Wachstum der industriellen Wertschöpfung wird sich auf 6 ½ Prozent beschleunigen und im darauffolgenden Jahr noch einmal zulegen. Hier ist unterstellt, dass die entscheidende Voraussetzung für die weitere Zunahme der Wettbewerbsfähigkeit - Lohnabschlüsse unter dem Produktivitätszuwachs - erhalten bleibt.
Ganz anders ist die Situation im Baugewerbe. Während in Westdeutschland die Baukonjunktur erstmals seit 1994 wieder mit einem Plus an das zyklische Muster anknüpfen dürfte, wird das Baugewerbe in Ostdeutschland weiterhin die Spätfolgen der überschäumenden Aufbauphase in den ersten fünf Jahren nach der Vereinigung zu spüren bekommen. Baunachfrage und -produktion bleiben in allen Sparten abwärtsgerichtet. Der Rückgang der Bauinvestitionen wird im Jahr 2000 mit 2 Prozent sogar etwas stärker als im Vorjahr ausfallen und sich erst danach wieder leicht abschwächen. Da nach wie vor hohe Überkapazitäten bestehen und ein intensiver Konkurrenzkampf herrscht, wird sich die Ertragslage der Unternehmen nochmals verschlechtern, und weitere Unternehmen werden aufgeben. Gerade in dieser Situation sollten die Lohnabschlüsse moderat genug bleiben, um den Fall des ostdeutschen Baugewerbes nicht noch zu beschleunigen.
In dem Maße, wie die Talfahrt der Bauwirtschaft an Tempo verliert, werden die Auftriebskräfte im Verarbeitenden Gewerbe stärker gesamtwirtschaftlich zur Wirkung kommen. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hellt sich leicht auf. Das Bruttoinlandsprodukt in Ostdeutschland wird im Jahr 2000 mit 2 ¼ Prozent stärker als im Vorjahr zunehmen, aber dennoch erneut schwächer steigen als in den alten Ländern. Im darauffolgenden Jahr werden die neuen Länder im Wachstumstempo zu Westdeutschland aufschließen.
Die anhaltende industrielle Expansion in Ostdeutschland wird sich auch in höherer Beschäftigung in diesem Sektor niederschlagen. Gesamtwirtschaftlich wird jedoch die Erwerbstätigkeit infolge des dominanten Arbeitsplatzabbaus im Bausektor und beim Staat leicht zurückgehen. Auch die Zahl der durch die Arbeitsmarktpolitik geförderten Beschäftigungsverhältnisse wird - insbesondere wegen der finanziellen Restriktionen - im Jahresdurchschnitt sinken. Das IWH rechnet für das Jahr 2000 im Durchschnitt gegenüber dem Vorjahr mit einer Verringerung der Beschäftigung um 51.000 Personen auf knapp 6,16 Millionen. Trotz sinkender Beschäftigung wird die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland nicht weiter steigen, sondern sogar leicht zurückgehen, und zwar um 9.000 Personen im Jahresdurchschnitt auf 1,33 Millionen Personen. Ausschlaggebend dafür sind die Verringerung des Arbeitsangebots aufgrund demografischer Faktoren sowie der anhaltende Rückgang der Erwerbsneigung infolge wachsender Bildungsbeteiligung.

Hans-Ulrich Brautzsch/Brigitte Loose/Udo Ludwig

Institut für Wirtschaftsforschung Halle
Abteilung Konjunktur und Wachstum
Tel. (0345) 77 53 800
ldw@iwh.uni-halle.de
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