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Existenz des Bundesinstituts für Sportwissenschaft gefährdet

12.04.2000 - (idw) Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft

Derzeit steht das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) vor größeren Veränderungen, mit denen sich die Bundesregierung bzw. das Bundesinnenministerium als zuständiges Ressort eine Effizienzsteigerung der Einrichtung verspricht. Erklärungen des Bundesinnenministers Otto Schily sowie die von der Staatssekretärin im BMI, Frau Brigitte Zypries, geäußerten Positionen zur Zukunft des Bundesinstituts legen jedoch die Befürchtung nahe, daß die Leistungsfähigkeit des BISp nachhaltig geschmälert werden wird. Sollten die derzeit diskutierten Maßnahmen (Personalabbau, Konzentration auf Kernaufgaben, Standortveränderung) in vollem Umfang greifen, ist letztlich doch die Existenz des BISp in Frage gestellt.

Der Präsident der dvs, Professor Dr. Werner Schmidt (Universität-GH Essen), erklärt hierzu:

"Für die dvs, dem Berufsverband der Sportwissenschaft in der Bundesrepublik, ist das BISp der wichtigste Kooperations- und Ansprechpartner in Fragen der Förderung und Koordinierung der sportwissenschaftlichen Arbeit. Dieses hat auch die vom BMI Auftrag gegebene "Kundenbefragung" gezeigt, die im Rahmen einer Evaluierung des BISp Ende letzten Jahres durchgeführt wurde. Der dvs ist bewußt, daß eine (auch von der deutschen Sportwissenschaft geforderte) Erhöhung der durch das BISp verwalteten Bundesmittel für die sportwissenschaftliche Forschung bei der derzeitigen Lage der öffentlichen Haushalte nur durch interne Umschichtungen möglich sein wird. Entsprechende Optimierungen in der Struktur des BISp sind daher zu begrüßen, dürfen aber nicht dazu führen, daß wichtige Aufgaben, die bisher vom BISp wahrgenommen wurden, künftig wegfallen.

So wenden wir uns entschieden gegen die diskutierte Auflösung des Bereichs "Fachinformation/Dokumentation", da durch diesen wichtige Grundlagen für die Konzipierung und Durchführung von Forschungsprojekten bereitgestellt werden. Die vom BISp erstellten Datenbanken SPOLIT und SPOFOR bieten wichtige Orientierungshilfen für die sportwissenschaftliche Forschung: Ressourcenverschwendende Doppelforschung kann vermieden werden und der Transfer von Forschungsergebnissen in die Sportpraxis wird erleichtert. Auch können die Aufgaben, die vom BISp im Bereich "Sportanlagen und -geräte" wahrgenommen werden, von keiner anderen Institution in dieser Form erfüllt werden, was angesichts der vielen anstehenden Projekte, insbesondere in Ostdeutschland (vgl. Goldener Plan Ost), nahezu fatale Folgen hätte.

Unsere größte Sorge gilt jedoch der Standortfrage: Die dem Bundesinstitut derzeit und künftig zugewiesenen Aufgaben lassen sich bei einer Standortverlagerung nach Bonn (langfristig ist wohl eher von Berlin auszugehen), nicht mehr in Ansätzen erfüllen. Durch die räumliche Nähe zur größten deutschen sportwissenschaftlichen Hochschuleinrichtung, der Deutschen Sporthochschule Köln, und zur Trainerakademie ergeben sich beiderseitig Synergieeffekte in fachlicher Perspektive, die bei einer Standortveränderung ersatzlos wegfallen würden. Der durch den Standort Köln gewährleistete, unmittelbare Informationsaustausch ließe sich künftig nur mit erhöhtem Aufwand aufrecht erhalten, was die Bemühungen zur Effizienzsteigerung geradezu konterkariert.

Die Arbeit der mehr als 800 von uns vertretenen Kolleginnen und Kollegen aus sportwissenschaftlichen Einrichtungen der Universitäten, Hochschulen und anderer Träger wäre durch die sich abzeichnenden Veränderungen bei den Aufgaben und der Struktur des BISp deutlich geschwächt. Der durch eine breite Bundesförderung gesicherte Wissensvorsprung, der es unseren Athleten derzeit erlaubt, in Wettkämpfen erfolgreich zu bestehen, ohne dabei die Grundlagen des "Fair Play" zu verletzten, wäre mittelfristig nicht mehr gesichert.

Wir ersuchen die Entscheidungsträger der Bundesregierung, des Parlaments und des organisierten Sports eindringlich, bei Ihren anstehenden Entscheidungen zur zuküftigen Arbeit des Bundesinstituts für Sportwissenschaft die vorgenannten Argumente zu berücksichtigen."

Vgl. unsere idw-Pressemitteilung vom 4.10.1999 (s.u.)

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