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Branchenskizze: Ostdeutsche Industrie der Metallerzeugung und -bearbeitung

13.04.2000 - (idw) Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Die Industrie der Metallerzeugung und -bearbeitung in Ostdeutschland begann sich nach tiefen Produktionseinschnitten Anfang der 90er Jahre seit 1993/1994 allmählich zu erholen. Zu einem deutlichen Wachstum in der Produktion und im Umsatz kam es indes erst seit 1997 - nachdem die Restrukturierung und Modernisierung der Unternehmen weiter vorangetrieben worden war und die Nachfrage nach Stählen, Blechen usw. durch das verbesserte konjunkturelle Umfeld spür-bar angezogen hatte.
(Erschienen in: IWH-Wirtschaft im Wandel 5/2000 oder unter www.iwh.uni-halle.de)

Die Industrie der Metallerzeugung und -bearbeitung in Ostdeutschland begann sich nach tiefen Produktionseinschnitten Anfang der 90er Jahre seit 1993/1994 allmählich zu erholen. Zu einem deutlichen Wachstum in der Produktion und im Umsatz kam es indes erst seit 1997 - nachdem die Restrukturierung und Modernisierung der Unternehmen weiter vorangetrieben worden war und die Nachfrage nach Stählen, Blechen usw. durch das verbesserte konjunkturelle Umfeld spürbar angezogen hatte. Erhebliche Marktanteilsgewinne wurden im Ausland erreicht, was als Beleg für die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe angesehen werden kann. Darauf deutet ebenso die Stabilisierung der Beschäftigung im Jahr 1998 hin. Im Vergleich zu westdeutschen Unternehmen sind noch Defizite in der Produktivität und Ertragslage auszumachen.
Die Privatisierung und Umstrukturierung der mehr als 200 Betriebe der Metallerzeugung und -verarbeitung mit rund 210.000 Beschäftigten Ende 1989 gehörten zu den schwierigsten Aufgaben bei der Überführung der DDR-Industrie von der Planwirtschaft in die Marktwirtschaft. Hauptprobleme bestanden darin, dass neben einzelnen modernen Anlagen ein Teil der Anlagen völlig überaltert war, teilweise noch in großem Umfang über-holte Verfahren (z. B. die Rohstahlerzeugung nach dem Siemens-Martin-Verfahren) angewendet wurden und technologische Lücken für eine wirt-schaftliche Fertigung existierten (z. B. fehlte in der EKO-Stahl AG Eisenhüttenstadt die Warmwalzstufe). Erschwerend wirkte, dass die Stahlindustrie in Westdeutschland (und in anderen westlichen Industrieländern) Anfang der 90er Jahre erneut in eine Krise geriet, der osteuropäische Absatzraum zusammenbrach und durch die Aufhebung von Handelsrestriktionen gegenüber den osteuropäischen Ländern auch die Unternehmen dieser Länder zunehmend auf den deutschen Markt drängten. Für die Umstrukturierung war es auch erheblich, dass die verbleibenden Kapazitäten den durch Europarecht vorgegebenenen Produktionsbeschrän-kungen angepasst werden mussten. Unter diesen Bedingungen zeigten insbesondere die westdeutschen Großunternehmen wenig Interesse, sich in Ostdeutschland dauerhaft zu engagieren.
Die geringe Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Unternehmen und die genannten "äußeren" Faktoren führten bis 1992 (zum Teil bis 1993/ 1994) zu gravierenden Einbrüchen in der Produktion und in der Beschäftigung. Die Roh-stahlproduktion z. B. ging von 7,8 Mio. t im Jahr 1989 um 62 vH (4,8 Mio. t) auf 3,0 Mio. t 1992 zurück. Die dynamische Entwicklung der Bautätigkeit in Ostdeutschland führte ab 1993 in Teilbereichen der Stahlverarbeitung zu kräftigen Produktionsausweitungen. Infolge des Rückgangs des Stahleinsatzes je Produktionseinheit belebte dies jedoch nur in geringem Masse die Stahlerzeugung. Mit den Fortschritten in der Privatisierung - etwa 30 vH der Unternehmen wurden von ausländischen und westdeutschen Unternehmen erworben - wurde die Umstrukturierung der Unternehmen beschleunigt. In die Erneuerung der Produktionsanlagen wurden von 1991 bis 1998 insgesamt 7 Mrd. DM investiert, darunter etwa knapp die Hälfte in die Eisen- und Stahlschaffende Industrie.
1997 und 1998 zusammen genommen hat sich die Produktion in der ostdeutschen Metallerzeu-gung und -verarbeitung um ein Drittel gegenüber 1996 erhöht. Diese Dynamik hat sich 1999, nach vorläufigen amtlichen Angaben, nicht fortgesetzt (0,3 vH Zuwachs). 1999 wurden u. a. 5,9 Mio. t Roh-stahl und 5,0 Mio. t warmgewalzte Stahlerzeug-nisse hergestellt; das entspricht jeweils etwa einem Siebentel der gesamtdeutschen Produktion. Ein überdurchschnittliches Wachstum erzielte die Gießereiindustrie. Ihr Umsatz erhöhte sich von 1996 bis 1998 um rund 39 vH auf 1,4 Mrd. DM. Besonders kräftig stieg - mit einem Plus von 76 Prozent - der Umsatz der Leichtmetallgießereien. Dazu weiteten die Betriebe die Beschäftigung um rund ein Fünf-tel bzw. 450 Personen auf rund 2.700 Personen aus.

Siegfried Beer

Institut für Wirtschaftsforschung Halle
Abteilung Strukturwandel
Tel. (0345) 77 53 857
sbr@iwh.uni-halle.de
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