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Ethnologen unterrichten an Schulen

13.04.2000 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


Schulprojekt über Nord-Ghana: Modell einer Siedlung der Bulsa am Rande der Sahara. Vorurteile gegenüber fremden Kulturen beruhen häufig auf Unkenntnis. Diese Erkenntnis führte 1992 an der Universität Münster zur Gründung des Vereins "Ethnologie in Schule und Erwachsenenbildung (ESE)". Die Volkswagen-Stiftung unterstützt in den kommenden beiden Jahren mit insgesamt 432.000 Mark ein Projekt des Vereins, bei dem die "Relevanz ethnologischer Themen für den Erwerb interkultureller Kompetenz in der schulischen Sozialisation" untersucht werden soll.

Erfahrungen des Vereins mit zahlreichen Schulprojekten haben ergeben, dass die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen und mit Themen der interkulturellen Verständigung bei vielen Schülern großen Eindruck macht. In wenigen Schulstunden lernen Schüler, dass ihr anfängliches Bild über fremde Kulturen nicht haltbar ist und ihre Einstellungen anderen gegenüber durch ihr Selbstbild geprägt worden sind. Haben sie Beispiele anderer Kulturen kennen gelernt, werden Unterschiede zwischen den Kulturen nicht mehr als trennend, sondern häufig als bereichernd empfunden.

Für das Projekt, das im August mit Beginn des neuen Schuljahres startet, werden an zwei Realschulen in Münster (Erich-Klausener- Realschule und Geschwister-Scholl-Realschule) insgesamt vier Klassen der Stufen 7 und 8 über einen Zeitraum von einem Jahr begleitet. Vier weitere Klassen, deren Unterricht normal abläuft, bilden Kontrollgruppen. Mitarbeiterinnen des Projekts werden in jeweils zwei Schulstunden über die Kulturen fremder Völker mit verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten wie Wirtschaft oder Religion unterrichten. Parallel dazu werden die Einstellungen und Fremdbilder der Schüler untersucht.

Für Prof. Dr. Josephus Platenkamp, Direktor des Instituts für Ethnologie der Universität Münster, ist das Projekt nicht nur pädagogisch und bildungspolitisch, sondern auch wissenschaftlich von großer Bedeutung. Zum ersten Mal soll die These überprüft werden, dass im Schulunterricht vermittelte Kenntnisse über andere Kulturen tatsächlich Toleranz und Offenheit fördern. Zum Projekt gehören deshalb neben den Unterrichtseinheiten auch Erhebungen, die die Einstellungen und Fremdbilder der Schülerinnen und Schüler vor und nach der Unterrichtsphase erfassen sollen.
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