Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 8. Dezember 2019 

Machtstreben von Managern oft eigentlicher Fusionsgrund

14.04.2000 - (idw) FernUniversität in Hagen

Eine Umkehr des Trends, durch Fusionen immer größere Konzerne zu bilden, sieht Prof. Jürgen Weibler, Wirtschaftswissenschaftler an der FernUniversität Hagen, in näherer Zukunft. In den meisten Fällen werden die Erwartungen bzgl. Unternehmenszusammenschlüssen und -übernahmen nicht erfüllt. Dass dennoch Fusionen z. Z. geradezu in Mode sind, liege nicht zuletzt am Streben der Führungsspitzen nach Macht, Ansehen und Einkommen.

"Die Grenzen des Wachstums dürften für viele Unternehmen bald erreicht sein" ist sich Prof. Dr. Jürgen Weibler, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Personalführung und Organisation, an der FernUniversität Hagen sicher. Der Wirtschaftswissenschaftler sieht in näherer Zukunft eine Umkehr des heutigen Trends zu immer größeren Konzernen: "Viel wichtiger als Größe sind eine effiziente Struktur und eine kompetente und motivierte Belegschaft, um schnell auf Marktveränderungen reagieren zu können." Intelligenter als Wirtschafts-Dinosaurier sind, so der FernUni-Wissenschaftler, häufig kooperative Lösungen auf der Basis "Gleicher mit Gleichen", etwa Netzwerke, strategische Allianzen oder virtuelle Unternehmen, die viel größere Flexibilität ermöglichen: "Sicher gibt es auch Gründe, nach einer intensiven Prüfung solche Lösungen zu verwerfen. Die Frage ist jedoch, wie lange die Shareholder noch recht kritiklos akzeptieren, dass sehenden Auges eine Lösung gesucht wird, die in den meisten Fällen die Erwartungen nicht erfüllt."

Angesichts der aktuellen Fusionsflops in der deutschen Wirtschaft gibt Prof. Weibler zu bedenken, dass bei solch weit reichenden Entscheidungen nicht nur rationale betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte gravierende Rollen spielen, sondern auch "schwer stillbare menschliche Bedürfnisse": "Durch eine Vergrößerung des Unternehmens wachsen auch die Macht, das Ansehen und nicht zuletzt das Einkommen der Führungsspitzen. Diese Beweggründe eignen sich natürlich nicht zur öffentlichen Diskussion." Der Blickwinkel bei der Suche nach einer optimalen zukunftsorientierten Lösung ist hierdurch stark eingeschränkt. Dennoch habe sich geradezu eine "Fusionsmode" entwickelt: "Schwimmen mit dem Strom ist halt leichter. Fusionen gelten als Beweis für modernes Management. Wenn sie nicht klappt, kann man zumindest nicht wegen des Ausscherens aus dem Mainstream kritisiert werden."

In dieses Gesamtbild passe gut, dass es kaum jemals konkrete Erfolgsprognosen für Unternehmensfusionen gebe, sondern i. d. R. diffus von "Erwartungen" gesprochen werde. In diesem Zusammenhang verweist Prof. Weibler darauf, dass nach empirischen Untersuchungen bis zu 70 Prozent aller Unternehmensfusionen weltweit nicht das gewünschte Ergebnis zur Folge haben. Gründe hierfür sind vor allem die mangelhafte Information der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Veränderungen, ihre unzureichende Einbindung in der Umsetzung sowie eine unzureichende Prüfung der Vereinbarkeit der Unternehmenskulturen im Vorfeld. Hieraus können sich, insbesondere bei einem hohen Grad der Identifikation mit den Unternehmen, Verweigerungshaltungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergeben. Wichtige Erfolgsgrundlagen sind die Ausarbeitung einer neuen Gesamtstrategie und eine vernünftige Integration der unterschiedlichen Unternehmensstrukturen und Unternehmenskulturen.
uniprotokolle > Nachrichten > Machtstreben von Managern oft eigentlicher Fusionsgrund

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/58117/">Machtstreben von Managern oft eigentlicher Fusionsgrund </a>