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Präsident der Humboldt-Stiftung fordert Perspektivenwechsel in der auswärtigen Kulturpolitik

11.05.2000 - (idw) Alexander von Humboldt-Stiftung

"Deutschland muss sich der Konkurrenz um die Wissenseliten der Welt stellen"

Sperrfrist: 11. Mai, 14:00 Uhr.
Es gilt das gesprochene Wort.

Der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Professor Wolfgang Frühwald, fordert einen Perspektivenwechsel in der auswärtigen Kulturpolitik. "Aus wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Gründen muss sich Deutschland der Konkurrenz um die Wissenseliten der Welt stellen", sagte Frühwald am 11. Mai in Berlin. "Angesichts dieser Herausforderung ist es widersinnig, hochspezialisierte Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben und gleichzeitig bei uns ausgebildeten, diplomierten und promovierten Fachleuten nach Abschluss ihres Studiums keine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis in Deutschland zu geben." Frühwald prognostiziert einen ähnlichen Mangel, wie er derzeit in der Informationstechnologie herrscht, demnächst bei den wissenschaftlich tätigen Ärzten. Aus eigenen Kräften könne Deutschland diesem Mangel nicht begegnen, weil die Wissenseliten in allen Ländern nur eine dünne Schicht darstellten und erst im Austausch miteinander ihre volle Wirkung entfalteten.

Nach Frühwalds Ansicht ist die auswärtige Kulturpolitik in eine neue Phase getreten: Mit dem Zerfall der zweipoligen Nachkriegswelt habe auch das Leitbild der Kulturkonkurrenz zwischen den ideologischen Blöcken ausgedient. Die sich daran anschließende Asyl- und Immigrationsdebatte sei nun der neuen Phase der weltweiten Konkurrenz um Wissenseliten gewichen.

Frühwald fordert, dass sich auch die Mittlerorganisationen auf die veränderte Situation einstellen: "Wir müssen unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten auch auf die Möglichkeit der Weiterarbeit in Deutschland hinweisen und damit in Konkurrenz mit den Europäern
und den USA kulturelle und wirtschaftliche Wettbewerbsachteile ausgleichen dürfen." Frühwald erwartet, dass mit diesem Perspektivenwechsel auch ein Klimawechsel in Deutschland eingeleitet werden könne. Von den Universitäten erwartet Frühwald, dass sie endlich die Betreuung von ausländischen Gastwissenschaftlern, Stipendiatinnen und Stipendiaten in die Reihe ihrer Profil- und Leistungsfaktoren aufnehmen. "Wichtiger als die punktuelle Behandlung eines Mangels wie in der Informationstechnologie, besser als eine deutsche Green Card wäre also ein Konzept auswärtiger Kulturpolitik, das auch innenpolitisch wirksam würde, das uns Mangelsituationen flexibel begegnen ließe, weil es uns gelänge, das öffentliche Klima zu verändern: Ausländische Studierende und Wissenschaftler würden dann gerne in ein Land kommen, wo sie zusammen mit deutschen Studierenden qualifiziert und exzellent ausgebildet werden, so dass sie gelegentlich auch bei uns bleiben mögen und bleiben können."

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(verantwortlich: Dr. Georg Schütte, Grundsatzabteilung; Tel.: 0228/833-118, Fax: 0228/833-216, E-Mail: sch@avh.de)
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