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"Ökonomische Experimente" bringen Theorie zum Leben

16.05.2000 - (idw) Universität Dortmund

Es wurde gefeilscht und rationalisiert. Die Firmenleitungen sparten so drastisch es ging an Gehältern und Löhnen für die Angestellten... Dass die an der Universität vermittelten Kenntnisse der Volkswirtschaftslehre nicht nur graue Theorie sind, konnten am Wochenende 15 Studierende der Wirtschafts-wissenschaften im Studentengästehaus der Universität Dortmund erfahren. Dort veranstalteten die Lehrstühle für Wirtschaftspolitik (Prof. Dr. Hartmut Berg) und für Mikroökonomie (Prof. Dr. Wolfgang Leininger) am Freitag und Samstag die Blockveranstaltung "Ökonomische Experimente".

Die Studenten aus dem Grundstudium ließen sich auf eine völlig neue Erfahrung der Wissensvermittlung ein: In "ökonomischen Experimenten" wurden wirtschaftswissenschaftliche theoretische Fragestellungen praxisnah wie im wirklichen Wirtschaftsleben untersucht. Etwa: Welche Auswirkungen bringt ein Monopolverhalten mit sich? Oder: Wie wirkt sich die Einführung von Mindestlöhnen aus?

Studenten wurden dabei selbst zu Akteuren in den verschiedenen Marktsituationen. Durch die Dozenten für ihre Rollen als Käufer oder Verkäufer instruiert, brach unter den Studenten Handelsfieber aus. Wie auf dem Frankfurter Börsenparkett wurde um Preise "gefeilscht", auch wenn nicht T-Aktien, sondern Äpfel, Müsli-Riegel und fiktive Flugtickets gehandelt wurden.

Finstere Absprachen trieben die Preise in die Höhe, Kartelle wurden gebrochen, Arbeitssuchende blieben ohne Anstellung: Die komplexe Welt der volkswirtschaftlichen Probleme hielt Einzug in den Seminarraum. Nach getätigten Abschlüssen und abgekühlten Gemütern wurden die erzielten Ergebnisse diskutiert und in einen theoretischen Rahmen überführt.
Die Verknüpfung der selbsterlebten Handelssituationen und des zugehörigen theoretischen Backgrounds versprach nicht nur einen nachhaltigen Lernerfolg, sondern regte zugleich das Interesse für eine weitergehende Beschäftigung mit dem Lehrstoff an. Den Teilnehmern des Seminars wurde bewusst, dass die graue Theorie der Lehrbücher tatsächlich von praktischer Relevanz ist.

Die experimentelle Art der Wissensvermittlung stellt ein Novum an deutschen Hochschulen dar. Seit 1998 haben die Lehrstühle für Wirtschaftspolitik und Mikroökonomie diese aus den USA stammende Lehrmethode aufgegriffen, um dem vielgehörten Vorwurf der Praxisferne universitärer Ausbildung zu begegnen.

Seit dem letzten Semester werden die "Ökonomischen Experimente" als Leuchtturmprojekt gefördert, Anwendungsmöglichkeiten und Erfolg dieser Lehrmethode erforscht und anderen Universitäten zugänglich gemacht. So kann seit diesem Semester neben Dortmund die Universität Bayreuth zu den Anwendern der "Experimente" gezählt werden. Die "ökonomischen Experimente" scheinen ein heißes Thema zu sein, und das nicht nur am vergangenen hochsommerlichen Wochenende.

Kontakt
Dipl.-Volksw. Armin Rott
Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik (Prof. Dr. Hartmut Berg)
Universität Dortmund, 44221 Dortmund,
Ruf 0231-755-3154
Armin.Rott@wiso.uni-dortmund.de
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