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Spezialisten der Kinderchirurgie tauschen sich aus

17.05.2000 - (idw) Universitätsklinikum Tübingen

2. Wissenschaftskolloquium der Kinderchirurgen im Dreiländereck Südwest
Kooperation und Wissenstranfer nützt kleinen Patienten

Zunächst war bei dem Neugeborenen alles normal. Es zeigte zwar eine Gelbsucht, aber der Kinderarzt sagte, das sei in den ersten Lebenstagen kein Grund zur Besorgnis. Als die Gelb-färbung aber nach drei Wochen immer noch bestand, wies der behandelnde Arzt das Neugeborene zügig in die Tübinger Kinderchirurgie ein. Dort wurde eine "Extrahepatische Gallengangsatresie, also das Fehlen des Hauptgallengangs, diagnostiziert, was bedeutet, dass die Leber die Galle nicht in den Darm ausscheiden kann. Die Galle staut sich in der Leber, was ohne Behandlung zu einer Leberzirrhose führt.

Rund 40 Kinder werden pro Jahr in Deutschland mit solch einer seltenen Fehlbildung geboren. Ohne Therapie hätten sie keine Überlebenschance. Die Operationsmethode, die bereits vor 20 Jahren erstmals durchgeführt wurde, hat sich inzwischen jedoch weit entwickelt. Die Operateure verfügen inzwischen über eine deutlich verfeinerte Technik im Nanometerbereich, die zum großen Teil von Prof. Paul Schweizer, Ärztlicher Direktor der Tübinger Kinderchirurgie, mitentwickelt wurde. Tübingen hat in Europa mit 229 operierten Kindern die größte Erfahrung.

Besser als eine Operation wäre natürlich die Prävention. Die Ursachen der Erkrankung liegen aber noch zum größten Teil im Dunkeln. Hier intensiv zu forschen ist eine der Aufgaben der Tübinger Kinderchirurgen. Eine Hypothese ist, dass die Fehlbildung bei der Entwicklung der Leberpforte in den ersten Lebenswochen eines Embryos als mögliche Ursache in Frage käme. Aber welcher Faktor führt zu dieser Fehlbildung? Sind es Einflüsse von außen wäh-rend der Schwangerschaft, Viren oder Gifte, liegt eine genetische Ursache vor, die man durch eine Fruchtwasserpunktion bereits vor der Geburt erkennen könnte? Nur wenn die Ursache bekannt ist, kann man an eine Prävention oder gar kausaleTherapie vor der Geburt denken.

Mit solchen und anderen Themen beschäftigt sich in Tübingen am Freitag, 26. Mai 2000 das "2. Wissenschaftskolloquium der Kinderchirurgen im Dreiländereck Südwest" über "Klinische und Experimentelle Forschung" in den Schnarrenbergkliniken Tübingen (Tagungsort CRONA Klink, Hoppe-Seyler-Str. 3, 72076 Tübingen, Hörsaal 220, Ebene B04).
Dabei geht es um moderne medizinische Forschung, die sich heute dadurch auszeichnet, dass einerseits die Fragestellungen und Untersuchungsmethoden immer komplexer, anderer-seits die Mittel dafür immer knapper werden. Darüber hinaus bearbeitet die Kinderchirurgie sehr spezielle Fragestellungen, da die Krankheitsbilder oft nicht mit der Erwachsenenmedizin vergleichbar sind.

Da nur wenige Zentren in Deutschland über das entsprechende Know How und die dafür nötigen Einrichtungen verfügen, ist zur wirksamen Behebung dieser Probleme ein guter In-formationsaustausch und eine enge Kooperation der einzelnen Kliniken und Forschungsein-richtungen - gerade auch in der Region - unerläßlich. Aus diesem Anlass treffen sich nun schon zum zweiten Mal ca. 50 Kinderchirurgen und Grundlagenwissenschaftler aus Süd-westdeutschland und Straßburg, um sich einen Nachmittag lang über ihre wissenschaftlichen Projekte und Aktivitäten auszutauschen. Das Spektrum der Themen ist weit. Es reicht von rein methodischen Fragestellungen zur Magenmotilität, Hodendurchblutung und Knochen-bruchheilung bis hin zu Untersuchungen über Wachstumshormone und die Funktion von Muskel- und Nervenzellen des Magen-Darmtraktes. Es wird ebenso auf Störungen in der Entwicklung des Harnleiters und des Gallengangs (siehe oben) und auf Versuche der Hemmung des Wachstums von bösartigen Tumoren eingegangen wie auf die Evaluierung der psychischen Belastung von Kindern bei Operationen.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen, Kinderklinik
Dr. Winfried Barthlen, Abtl. Kinderchirurgie
Tel. 0 70 71 / 29 8 66 21, Fax 0 70 71 / 29 40 46
e-mail: winfried.barthlen@med.uni-tuebingen.de
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