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Mobilfunk-Sicherheit: "Augen zu und durch" oder Vorreiter-Chance ergreifen?

18.05.2000 - (idw) Universität Siegen

UMTS, das Mobilfunksystem der Zukunft, wirft seine Schatten voraus, nicht nur durch den Geldsegen für den Bundesfinanzminister, sondern noch mehr unter technischen Aspekten. "Sicherheit in UMTS" ist einer der zentralen Vorträge beim Workshop "Neue Entwicklungen der Kommunikationssicherheit" am 23. Mai 2000 an der Universität Siegen. Veranstalter ist die Arbeitsgruppe 2 "Kommunikationssicherheit" des NRW-Forschungsverbundes Datensicherheit, Organisatoren sind der Siegener Universitätsprofessor Dr. Christoph Ruland und seine Mitarbeiter am Institut für Nachrichtenübermittlung im Fachbereich Elektrotechnik und Informatik. Zweiter Aspekt, neben der entscheidend erhöhten Sicherheit von Mobilfunk-Gesprächen und -Datentransfer, ist die um eine Vielfaches schnellere Übertragung.

Die Sicherheit im Mobilfunk - namentlich durch den zukünftigen Standard UMTS (Universal Mobil Telecommunications Systems) - wird eine entscheidende Voraussetzung für die Akzeptanz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien sein. Die weit verbreitete Verunsicherung durch die Virenattacken im Internet könnte - zu Unrecht - auch die Stimmung gegenüber zukünftigen Mobilfunkanwendungen negativ beeinflussen. Dabei bietet gerade UMTS ganz neue Sicherheitsmöglichkeiten. Nicht zu vergessen ist die enorme Geschwindigkeitssteigerung bei der Datenübertragung. Gegenüber heute (9,6 Kilo-Bits pro Sekunden) wird die Datenübertragung durch eine größere Bandbreite auf zunächst 384 Kilo-Bits pro Sekunde, später sogar zwei Mega-Bits gesteigert.
Der heutige Mobilfunk-Standard GSM (group special mobile) bietet den Nutzern aufgrund der zu schwachen Verschlüsselungsverfahren keinen ausreichenenden Schutz gegen unerlaubtes Abhören von Gesprächen und Datenübertragungen mehr. Der Informationsfluß kann von Dritten unbemerkt in ein anderes Netz umgeleitet, dort mitgehört, kopiert und ausgewertet werden. Die Entschlüsselung ist bereits nach zwei Sekunden möglich. Dies machen sich Kriminelle und Wirtschaftsspione bereits zu nutze. Geheimdienste "durchsuchen" flächendeckend (!) Mobilfunkgespräche und Datenübertragungen nach bestimmten Schlüsselwörtern. Weitere Gefahren sind die Möglichkeit, die Wege des Nutzers zu überwachen oder die SIM-Karte seines Handys zu "klonen".
Diese Probleme würden sich künftig ohne geeignete Sicherheitsmaßnahmen potenzieren, weil der Mobilfunk weltweit stark expandieren wird und viele neue Anwendungen hinzukommen, z.B. elektronischer Geschäftsverkehr (E-Commerce) und Bezahlen (E-Cash), Multimedia-Anwendungen oder Internetsurfen. Professor Ruland: "Wenn wir nicht in eine Mobilfunk-Steinzeit zurückfallen wollen oder den USA folgen, die sich um Sicherheitsaspekte noch wenig kümmern, dann müssen wir die Akzeptanz für dieses schnelle, flexible und immer kostengünstigere Medium erhöhen. Dies wird nur möglich sein, wenn die Bürgerinnen und Bürger ein sicheres Gefühl haben."
Im Sicherheitsbereich sieht Ruland konkrete Möglichkeiten für NRW und insbesondere auch für Südwestfalen, in einer globalen Schlüsseltechnologie eine Vorreiterrolle zu übernehmen: "Gerade bei uns wird an vielen Stellen mit Hochdruck an den entsprechenden Entwicklungen gearbeitet." Das Thema Sicherheit bietet auch zahlreiche Ausbildungswege für Fachkräfte in der Informations- und Kommunikationstechnik.
Weitere Themen des Workshops behandeln u.a. die Sicherheit in ATM-Netzen und neue Sicherheitsstandards für die Datenkommunikation und den Inetrnet-Verkehr.

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