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Ärzte des Mannheimer Klinikums ausgezeichnet

18.05.2000 - (idw) Universitätsklinikum Mannheim

Ein Forscherteam des Mannheimer Universitätsklinikums und der Mannheimer Fachhochschule für Technik und Gestaltung hat das mit 30.000 Mark dotierte Ludwig-Demling-Forschungsstipendium erhalten. Der Oberarzt Dr. Michael R. Knoll und die Oberärztin Dr. Heike Schmidt nahmen die Auszeichnung Ende April beim 106. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden entgegen. Die beiden Mediziner gehören zu der von Professor Dr. Bernd Christoph Manegold geleiteten Abteilung für Chirurgische Endoskopie des Klinikums. Gemeinsam mit ihnen wurde Professor Dr. Jürgen Backhaus von der Fachhochschule für Technik das Stipendium zuerkannt.

Die beiden Ärzte und der Naturwissenschaftler arbeiten an einem Verfahren, das die Untersuchung von Körpergewebe ermöglichen soll, ohne dass dies zuvor aus dem Körper entnommen werden muss. Bei dieser "optischen Biopsie" machen sich die Wissenschaftler zu Nutze, dass gesunde Zellen Infrarotlicht anders reflektieren als bösartige Krebszellen. Die Idee, wie solch eine optische Biopsie eines Tages ablaufen könnte, lässt sich so zusammenfassen: Durch ein Endoskop, also durch einen dünnen Untersuchungsschlauch, wird eine Faser als Lichtquelle in Speiseröhre, Magen oder Dickdarm vorgeschoben. Dort wird krebsverdächtiges Gewebe mit Infrarotlicht angeleuchtet. Ein Sensor leitet die Lichtreflektion zurück durch das Endoskop zu einem Spektrometer, also zu einem Gerät, das die Wellenlänge erfasst. Per Computer erlaubt das Spektrum des zurückgesandten Lichtes einen Rückschluss darauf, ob es sich um mutmaßlich bösartiges Gewebe handelt oder nicht.

"Das Stipendium wird uns ermöglichen, diese Forschungsarbeit weiter voranzutreiben," freut sich Dr. Knoll. Denn bislang beschränken sich die Untersuchungen der beiden Mediziner auf bereits vorhandene Gewebeschnitte, also nicht auf die tatsächliche Untersuchung von Patienten. Diese Gewebeschnitte hat Dr. Walter Back, Leitender Oberarzt am Pathologischen Institut des Klinikums, zu dem Forschungsprojekt beigesteuert.

Knoll ist zuversichtlich, dass sich die "optische Biopsie" in einigen Jahren zu einer wichtigen Ergänzung der herkömmlichen Biopsie entwickeln könnte, also zu der tatsächlichen Entnahme von Gewebeproben aus einem möglicherweise erkrankten Organ. Ein denkbarer Vorteil wäre, dass die Ärzte mehr Körperzonen untersuchen können, ohne den Patienten dadurch stärker zu belasten.

Das Ludwig-Demling-Stipendium wurde in diesem Jahr zum zehnten Mal vergeben. Stifter ist der Medizingeräte-Hersteller Olympus, benannt ist das Stipendium nach dem Internisten Ludwig Demling, dem die Medizin zahlreiche richtungsweisende Entwicklungen bei der Anwendung von endoskopischen Verfahren im Verdauungstrakt verdankt. Mit ihrer Auszeichnung setzten sich die Mannheimer gegen Mitbewerber unter anderem aus München, Berlin und Hamburg durch. Das Preisgeld in Höhe von 30.000 Mark wollen sie vor allem in technische Vorrichtungen investieren, um ihr Verfahren weiter zu verfeinern. Dabei sollen auch Klinikums-Mediziner weiterer Fachrichtungen in das Projekt einbezogen werden.
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