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Studiengang Bioinformatik neu an der Uni Jena

19.05.2000 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Große Datenmengen intelligent beherrschen

Jena (19.05.00) Bioinformatik als neuen Studiengang bietet die Friedrich-Schiller-Universität Jena erstmals zum kommenden Wintersemester 2000/01 an. Das innovative Fach soll Spezialisten an der Schnittstelle zwischen Informationstechnologie und Biowissenschaften ausbilden. Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nach solchen Experten ist überaus hoch, sind sich die Fachleute sicher. Darüber hinaus will die Universität gemeinsam mit Jenas biotechnologisch ausgerichteten Forschungseinrichtungen ein Jenaer Zentrum für Bioinformatik einrichten. Die Bestätigung für den neuen Studiengang durch das Thüringer Wissenschaftsministerium wird in nächster Zeit erwartet.

Damit ist Jena die erste Universität in Thüringen, die auf den steigenden Bedarf an solchen Fachleuten reagiert - deutschlandweit bieten bisher erst fünf Hochschulen Bioinformatik als Studiengang an. "Wir werden junge Fachkräfte ausbilden, die sich nach dem Studium mit Sicherheit ihren Arbeitgeber in Wissenschaft oder Wirtschaft aussuchen können", ist Prorektor Prof. Dr. Konrad Goetz zuversichtlich. "Es ist unbestritten eine Richtung, in der auch international ein riesiger Bedarf entsteht."

Nachfrage existiert schon jetzt - weltweit, aber auch vor Ort. So werden etwa am Jenaer Institut für Molekulare Biotechnologie (IMB), dem größten deutschen Genomforschungszentrum, riesige Datenmengen produziert, die nicht rasch genug ausgewertet werden können, weil es an Spezialisten fehlt. Nur durch die Mitarbeit von Bioinformatikern ist auch der jüngste deutsche Erfolg beim Humangenomprojekt, der in weiten Teilen auf die Leistungen des IMB zurückgeht, möglich gewesen. In der Wirkstoffforschung sind biologisch orientierte Computerfachleute ebenfalls unverzichtbar, um den Weg zu neuen Medikamenten schneller zu finden. Nicht zuletzt sind Vorhersagen von Populationsentwicklungen - ob bei Menschen oder Tieren - nur durch ausgefeilte Computersimulationen möglich.

In der Biologie wird eine unermessliche Datenfülle produziert, "die jenseits der derzeitigen Beherrschbarkeit liegt", verdeutlicht Prof. Dr. Martin Fischer, "denn biologische Probleme sind sehr komplex und verschachtelt". "Ihre Bewältigung", so der Dekan der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät, "setzt einen hohen Einsatz von Informatik voraus". Dass für die Lösung biologischer Fragestellungen Informatik-Kenntnisse alleine nicht ausreichen, unterstreicht der Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik Prof. Dr. Gerd Wechsung. Grundlage des neuen Jenaer Studiengangs ist deshalb eine außergewöhnlich enge Kooperation zwischen Informatikern und Biologen. Bioinformatiker müssen "konzeptionell denken können", betont Wechsung. Selbst sehr leistungsstarke Computer helfen nichts, wenn die Algorithmen nicht so entworfen werden, dass sie in vertretbarer Zeit zu Ergebnissen führen. "Der intelligente Umgang mit großen Datenmengen ist das entscheidende", fasst Biologe Fischer zusammen.

Diese Anforderungen gelten für die zukünftigen Studierenden ebenso wie für die Wissenschaftler. Zwei Professuren hat die Universität gerade ausgeschrieben, an deren Besetzung höchste Ansprüche gestellt werden. "Es müssen Experten sein, die bereit sind, das Fach visionär aufzubauen", sagt Prof. Fischer. Und sie werden sich in den kommenden Jahren gemeinsam mit den Studierenden ebenso entwickeln wie das neue Fach Bioinformatik - davon sind alle Begründer des anspruchsvollen Studiengangs überzeugt.

Nach einer Regelstudienzeit von neun Semestern werden die Absolventen an der Uni Jena den akademischen Grad Diplom-Bioinformatiker/in erhalten. Zunächst sollen im nächsten Herbst 15 ausgewählte Bewerber zum Studium an der Jenaer Alma Mater immatrikuliert werden. "Bereits während des Grundstudiums", beschreibt Biologie-Dekan Fischer, "müssen die Studierenden Problemstellungen und Sprache beider Disziplinen, der Biologie und der Informatik, lernen". Beide Fachgebiete werden ab der ersten Stunde gleichberechtigt jeweils die Hälfte zur Ausbildung beitragen. "Das ist wirklich etwas Revolutionäres", stellt IMB-Direktor Prof. Dr. Rolf Hilgenfeld fest. "Wir schaffen ein neues Berufsbild mit außergewöhnlichen Zukunftsperspektiven".


Friedrich-Schiller-Universität
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