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Treffen des europäischen Forschungsnetzwerkes zu HTLV-Infektionen (HERN) in Potsdam

22.05.2000 - (idw) Robert Koch-Institut

Vom 19.-21. Mai 2000 trafen sich in Potsdam mehr als 50 Wissenschaftler aus 11 europäischen Staaten, um Aspekte der Pathogenese, Entstehungsgeschichte (Phylogenese), Epidemiologie, Diagnostik und Therapie des Humanen Lymphotropen T-Zell Leukämievirus (HTLV) und der damit assoziierten Krankheiten zu beraten. Die Tagung fand im Rahmen eines von der EU geförderten Netzwerkes (HTLV European Research Network - HERN) statt und wurde von dessen Sekretariat in London und dem Robert Koch-Institut Berlin (RKI) vorbereitet.

Die Forschungsaktivitäten zu den menschlichen Retroviren HTLV-I und -II standen lange im Schatten der HIV-Epidemie. HTLV-I wurde erstmals 1979/1980 nachgewiesen. Ursprüngliche Verbreitungsgebiete liegen in Japan, der Karibik, Nord- und Südamerika, Melanesien, im Nordiran und Afrika. Zwei Krankheitsbilder können durch das Virus hervorgerufen werden, eine Leukämie des Erwachsenen und eine zentralnervöse Erkrankung - die tropische spastische Paraparese. Etwa 1-4 Prozent der Infizierten erkranken im Laufe ihres Lebens. Vergleichbar zu HIV wird das Virus durch Blut, Sexualkontakte und Muttermilch übertragbaren. In Europa beobachtet man die Infektion im wesentlichen in zwei Bevölkerungsgruppen: bei Personen aus den genannten ursprünglichen Verbreitungsgebieten und bei intravenös Drogenabhängigen.

1993 traf sich eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern, um eine intensivere Zusammenarbeit zwischen europäischen Arbeitsgruppen anzuregen, das Verständnis für die Epidemiologie von HTLV zu vertiefen und vorhandene Ressourcen, Untersuchungsmaterialien und -methoden sowie Daten gemeinsam zu nutzen. Im Rahmen des BIOMED II Programms der Europäischen Union wurde das Forschungsnetzwerk zunächst von 1994-1997 und in einer zweiten Phase bis 2001 gefördert. Der Erfolg der europäischen Zusammenarbeit im Rahmen von HERN wird auch daran deutlich, dass das Netzwerk von ursprünglich 21 Wissenschaftlern aus 7 Ländern auf inzwischen mehr als 50 Arbeitsgruppen aus sämtlichen EU-Staaten angewachsen ist. Es konnte belegt werden, dass HTLV-Infektionen in fast allen europäischen Ländern in unterschiedlicher Häufigkeit auftreten, wobei Migration und Sozialverhalten zur Verbreitung des Virus in Europa beitragen. Der Zusammenarbeit aller europäischen Forschergruppen ist es letztendlich zu verdanken, dass die gesundheitspolitische Bedeutung der HTLV-Infektion erkannt wurde. Ein zur Zeit wichtiges Thema ist die Entwicklung von neuen Therapiemaßnahmen, da nach Ausbruch der Krankheit bisher keine erfolgreiche Therapie möglich ist.

Auch deutsche Forschergruppen sind an diesem Netzwerk beteiligt. Die von Blutspendeeinrichtungen in München, Hamburg und Mainz sowie vom DRK Hessen zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut in Langen und dem Robert Koch-Institut erhobenen repräsentativen Daten zur HTLV-Verbreitung unter Blutspender/inne/n, intravenös Drogengebrauchenden und Schwangeren haben gezeigt, dass HTLV-Infektionen in Deutschland sehr selten sind und damit das Infektionsrisiko im Vergleich zu einigen anderen europäischen Ländern gering ist. Eine weitere Überwachung von HTLV-Infektionen in Europa ist notwendig, um die Verbreitung des Virus verfolgen und gegebenenfalls geeignete Präventionsmaßnahmen ergreifen zu können.

+++ ENDE RKI +++
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