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Germanist und Grimmelshausen-Forscher Günther Weydt gestorben

23.05.2000 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Prof. Dr. Günther Weydt, emeritierter Ordinarius für Deutsche Philologie und langjähriger Direktor des Germanistischen Instituts der Westfälischen Wilhelms- Universität, ist am 18. Mai 2000 kurz nach Vollendung seines 94. Lebensjahres in Münster gestorben. Bis ins hohe Alter war er wissenschaftlich tätig und hat noch vor kurzem vielbeachtete Vorträge gehalten. Die Universität Münster hat mit Günther Weydt einen bedeutenden Gelehrten verloren, der schon früh entscheidende Impulse für die Biedermeier- und Droste- Forschung gab. Internationale Anerkennung fand er vor allem als Barock- und führender Grimmelshausen-Forscher.

Geboren und aufgewachsen in Frankfurt/Main, arbeitete Günther Weydt nach der Promotion in Bonn (1929) zunächst als Assistent an der University of Aberdeen/Schottland. Seit 1935 wirkte er als Universitätsdozent in Bonn, wo er 1943 eine außerplanmäßige Professur erhielt und 1959 zum Wissenschaftlichen Rat und Professor ernannt wurde. Mit der Berufung nach Münster an die Westfälische Wilhelms-Universität im Jahr 1960 folgte eine besonders ergiebige Forschungstätigkeit, die zu der bahnbrechenden Buchveröffentlichung "Nachahmung und Schöpfung im Barock. Studien um Grimmelshausen" (1968) und zur Monographie "Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen" (2. Auflage 1979) führte. Hinzu kam eine Fülle anregender Studien in Zeitschriften und Sammelbänden. Außerdem war er Mitherausgeber angesehener Zeitschriften und wissenschaftliche Reihen.

Stadt und Universität Münster, denen er den Vorzug vor Berlin gab, verbinden mit dem Namen Weydt auch die langjährige Tätigkeit im Vorstand der Droste-Gesellschaft und die Durchführung der großen Grimmelshausen-Gedenkausstellung im Jahr 1976 gemeinsam mit Peter Berghaus, die damals von zahlreichen Städten und Museen Deutschlands übernommen wurde. In Münster gründete Pof. Weydt außerdem die internationale Grimmelshausen-Gesellschaft, deren Präsident und Ehrenpräsident er lange Jahre war. In der Droste-Forschung wurde der Germanist wirksam durch die in Zusammenarbeit mit Winfried Woesler herausgegebene zweibändige Studienausgabe der sämtlichen Werke und durch Anregung und Betreuung zahlreicher Dissertationen.

Günther Weydts große Wertschätzung bei Kollegen und Schülern in aller Welt kam in der umfangreichen Festschrift "Rezeption und Produktion zwischen 1570 und 1730" anläßlich seines 65. Geburtstages zum Ausdruck. Zahlreiche Ehrungen durch Medaillen, Präsidentschaften und Ehrenmitgliedschaften folgten. Als akademischer Lehrer war Prof. Weydt sehr beliebt, nicht zuletzt auf Grund seines "englischen Humors". Viele seiner ehemaligen Schüler hielten ihm die Treue, nachdem sie längst selbst wichtige Posititonen in Hochschulen und Schulen errungen hatten. Dies gilt auch für eine große Zahl ausländischer Germanisten, die Prof. Weydt über den von ihm jahrelang geleiteteten Internationalen Ferienkurs für Germanisten in Münster angesprochen hatte.
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