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Religion und Gesellschaft

24.05.2000 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Die Wechselwirkungen zwischen Religion und Gesellschaft untersucht der neue Sonderforschungsbereich "Funktionen von Religion in antiken Gesellschaften des Vorderen Orients" an der Westfälischen Wilhelms-Universität, der am Jahresanfang seine Arbeit aufgenommen hat und am Mittwoch, 24. Mai 2000, offiziell in Münster eröffnet wurde.

Bemerkenswert an diesem auf mehr als zehn Jahre angelegten geisteswissenchaftlichen Forschungsverbund, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) jährlich mit rund zwei Millionen Mark gefördert wird, ist die Vielzahl der 17 beteiligten, teilweise kleinen Fächer aus fünf Fakultäten. Untersucht werden das antike Griechenland, Kleinasien, Mesopotamien, Syrien, Palästina/Israel, Iran, Ägypten und Nordafrika in der Zeit vom vierten Jahrtausend vor Christus bis in die byzantinisch und klassisch-arabische Zeit. Zeit- und Kulturraum sind für die Fragestellungen der Forscher besonders geeignet, denn hier haben drei Weltreligionen, Judentum, Christentum und Islam, ihren Ursprung.

Im neuen Sonderforschungsbereich werden die Funktionen von Religion auf verschiedenen Ebenen unter die Lupe genommen: auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene, in Beziehung zu anderen Bereichen der Kultur, in Beziehung zu gesellschaftlichen Gruppen sowie im Blick auf die Bedeutung für das Individuum und die für die natürliche Umwelt. Insgesamt soll untersucht werden, wie Religion und Gesellschaft sich gegenseitig bedingen und verändern. Dabei sind zwei Zielrichtungen der Funktionen von Religion Grundlage: Religion kann gesellschaftlich stabilisierend oder destabilisierend wirken. Sie kann Herrschaftsformen legitimieren und die individuelle Sinnstiftung fördern, sie kann aber auch den politischen Umsturz fördern und den Einzelnen in Glaubenskrisen stürzen.

Bei der Eröffnungsfeier in der Aula des münsterschen Schlosses wies der Rektor der Universität Münster, Prof. Dr. Jürgen Schmidt, auf die wichtige Rolle der Geistes- und Kulturwissenschaften hin. Die "Erfolgsgeschichte" der Forschungsförderung in Münster, die unter anderem zur gleichzeitigen Bewilligung von vier neuen Sonderforschungsbereichen durch die DFG Ende 1999 geführt hat, beruhe nicht zuletzt auch auf der hier vorhandenen Fächervielfalt.
Auch der Vertreter des Düsseldorfer Wissenschaftsministeriums, Karl Schultheis, lobte in seinem Grußwort die erfolgreiche Profilierung der Universität Münster als internationales Forschungszentrum. Der Sprecher des neuen Sonderforschungsbereiches, der Theologe Prof. Dr. Rainer Albertz, berichtete anschließend über erste Erfahrungen und Perspektiven des Forschungsverbandes, der in der Startphase 75 Mitglieder umfasst, darunter 30 Professoren.

Den Festvortrag hielt der niederländische Religionshistoriker Prof. Dr. Henk Versnel von der Universität Leiden über das Thema "Gespaltene Persönlichkeiten: Multiperspektivität griechischer Götter". Vier Mitarbeiter des Sonderforschungsbereiches, Nikola Hampe, Frank Jünger, Stefan Sommer und Dirk Schinkel, lieferten am Beispiel des Phänomens der Erlösung die Skizze einer interdisziplinären Diskussion. Prof. Dr. Joachim Dorfmüller und Heribert Woestmann umrahmen mit musikalischen Improvisationen und Rezitationen die Eröffnungsfeier.
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