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Schadenskosten des Rauchens

24.05.2000 - (idw) Universität Ulm

117.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr
Studie über die Schadenskosten des Rauchens

Im Zusammenhang mit Schadensersatzklagen gegen die Tabakindustrie in den USA und - jüngst - auch in Deutschland finden die ökonomischen Probleme der Folgen des Rauchens immer breitere öffentliche Aufmerksamkeit. Die ökonomische Schadensdimension erschöpft sich nicht in den verursachten medizinischen Behandlungskosten, sondern umfaßt auch den Arbeits- und Produktionsausfall, der als Folge der mit dem Rauchen verbundenen Krankheiten anzusehen ist. Überraschenderweise gab es bisher zu diesem volkswirtschaftlichen und Gesamtkostenaspekt weder in Deutschland noch in anderen europäischen Ländern fundierte wissenschaftliche Studien und Daten.

Erstmalig haben nun Robert Welte, Magister of Public Health, Dr. Hans-Helmut König, Magister of Public Health, und Prof. Dr. Reiner Leidl, Leiter der Abteilung Gesundheitsökonomie der Universität Ulm, eine einschlägige Studie vorgelegt und im European Journal of Public Health (1/2000) veröffentlicht. Der Beitrag der Ulmer Gesundheitsökonomen bietet eine umfassende und detaillierte Krankheitskostenstudie zum Rauchen, die den internationalen wissenschaftlichen Standards der ökonomischen Evaluation entspricht. Die Studie beruht auf einem epidemiologischen Modell und genau recherchierten medizinischen und ökonomischen Daten. Aufgeschlüsselt nach den wesentlichen mit dem Rauchen assoziierten Todesursachen und Krankheiten quantifiziert sie die Todesfälle, die Kosten der medizinischen Versorgung und die Kosten des Ausfalls an Arbeitskraft für Deutschland im Jahr 1993.

Nach den ausführlichen Berechnungen der Studie werden dem Rauchen pro Jahr rund 117.000 vorzeitige Todesfälle und 1,5 Millionen verlorene Lebensjahre zugerechnet. Die jährlichen Gesamtkosten belaufen sich auf 33,8 Milliarden DM. Davon entfallen 9,3 Milliarden DM auf die stationäre Versorgung in Akut- und Rehabilitationskrankenhäusern, die ambulante Versorgung und die Arzneimittelversorgung. Der Ausfall an Arbeitskraft durch verlorene Lebensjahre summiert sich auf 8,2 Milliarden Mark, derjenige durch Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit auf 16,4 Millarden DM. Insgesamt entspricht dies 415 DM je Einwohner oder knapp 1.600 DM je aktivem Raucher. Wenn man auch den Arbeitsausfall in der Hausarbeit und bei der Betreuung von Angehörigen berücksichtigt, steigen diese Kosten weiter an.

In der Diskussion um die Kosten des Rauchens werden manchmal die Versorgungsausgaben abgezogen, die durch einen frühzeitigen Tod "eingespart" werden. Diese Studie folgt solchen zynischen Überlegungen nicht, ganz abgesehen davon, daß sie den Verlust an Lebensjahren nicht berücksichtigen. Ausgewiesen wird eine zurückhaltende Schätzung der gesamten dem Rauchen zurechenbaren Schadenskosten. Angesichts des Ausmaßes der verursachten Schäden ist es dringend erforderlich, wirksame gegen die Unsitte des Rauchens gerichtete Maßnahmen stärker zu fördern.
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