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Branchenskizze: Ostdeutsche Industrie der Metallverarbeitung

31.05.2000 - (idw) Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Die Metallverarbeitung hat sich aufgrund des überdurchschnittlichen Produktionswachstums zu einem der bedeutsamsten Industriezweige in Ostdeutschland entwickelt: Mit einem Produktionsanteil von 12 % am Verarbeitenden Gewerbe und einer Gesamtbeschäftigtenzahl von etwa 120.000 Personen rangierte sie 1999 nach dem Ernährungsgewerbe an zweiter Stelle.
(Erschienen in: IWH-Wirtschaft im Wandel 7/2000 oder unter www.iwh.uni-halle.de)

Die Metallverarbeitung hat sich aufgrund des überdurchschnittlichen Produktionswachstums zu einem der bedeutsamsten Industriezweige in Ostdeutschland entwickelt: Mit einem Produktionsanteil von 12 % am Verarbeitenden Gewerbe und einer Gesamtbeschäftigtenzahl von etwa 120.000 Personen rangierte sie 1999 nach dem Ernährungsgewerbe an zweiter Stelle. Viele Betriebe dieser Branche, die anders als in Westdeutschland vom Stahl- und Leichtmetallbau geprägt ist (dort dominiert die Eisen-, Blech- und Metallwaren-/EBM-Industrie), profitierten von der dynamischen Bautätigkeit in Ostdeutschland und der gestiegenen Nachfrage der Betriebe verschiedener Wirtschaftsbereiche nach Zulieferungen. Investitionen in die Modernisierung der Anlagen und weitere Maßnahmen, neben dem Personalabbau z. B. der Aufbau und die Qualifizierung des Marketing, haben die Produktivität und Effektivität deutlich nach vorn gebracht. Hier fallen auch die Rückstände gegenüber Westdeutschland geringer aus als im Durchschnitt der ostdeutschen Industrie.
Die Betriebe der Metallverarbeitung bekamen aufgrund ihrer engen Verflechtung mit den Betrieben anderer Wirtschaftszweige die Wirkungen der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion bereits im Jahre 1990 deutlich zu spüren. Viele Erzeugnisse waren nicht mehr gefragt. Die angestammten Liefer- und Leistungsbeziehungen waren häufig rasch weggebrochen. Drastische Produktions- und Beschäftigungseinschränkungen sowie Betriebsschließungen waren die unausbleibliche Folge. Die Schrumpfung der Produktion ging jedoch, anders als in vielen anderen Industriebranchen, relativ schnell vorüber. Durch die kräftige Ausdehnung der Investitionen, insbesondere der Bau-Investitionen, ab 1991 konnte ein wachsender Teil der Betriebe an der großen Nachfrage solcher Güter wie Stahl- und Leichtmetallkonstruktionen sowie Ausbauelemente partizipieren. Weitere Impulse gingen von der dynamischen Entwicklung des Automobilbaus und der wirtschaftlichen Erholung weiterer Branchen (Maschinenbau, Elektroindustrie u. a.) in Ostdeutschland aus. Die Produktion expandierte dadurch im Zeitraum von 1991 bis 1995 um rund das 1,7 fache bzw. durchschnittlich jährlich 28,4 %. Ein höheres jährliches Produktionswachstum verzeichneten in dieser Periode nur noch die Automobilindustrie (+34,1 %) und die Kunststoffwarenindustrie (+29,1 %). Von 1995 bis 1999 haben die Steigerungsraten zwar deutlich nachgelassen, übertrafen aber weiterhin das Produktionswachstum der gesamten ostdeutschen Industrie (9,1 % jährlicher Zuwachs gegenüber 8,2 %). 1998 und 1999 hat vor allem das Produktionswachstum des Stahl- und Leichtmetallbaus merklich nachgelassen. Die Zuwachsraten in den Betrieben von Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten schmolzen auf 3,0 bzw. 2,2 % ab, nachdem sie von 1991 bis 1997 durchschnittlich jährlich rund 29 % ausmachten. Gründe dafür dürften u. a. die verringerten Bau-Investitionen in Ostdeutschland und die noch nicht genügende Präsenz der Betriebe auf Auslandsmärkten sein (Exportquote 1999: 2,6 %; die der westdeutschen Betriebe rund 12 %). Die wirtschaftliche Bedeutung des ostdeutschen Stahl- und Leichtmetallbaus ist dennoch beachtlich: 1999 erlösten die Betriebe mit rd. 5,1 Mrd. DM knapp ein Sechstel des gesamtdeutschen Umsatzes. Dazu hatten sie u. a. von 1991 bis 1999 rund drei Mrd. DM in die Modernisierung der Anlagen investiert. Die Investitionen in der gesamten Metallverarbeitung in Ostdeutschland beliefen sich im gleichen Zeitraum auf etwa sieben Mrd. DM.
In der Produktion und im Umsatz erheblich zugelegt haben in den letzten Jahren die Produzenten von EBM-Waren sowie von Schmiede-, Press-, Zieh- und Stanzteilen. Der Umsatz der EBM-Industrie z. B. erhöhte sich von 1997 bis 1999 um rund 30 % auf 3,6 Mrd. DM. Dagegen erlitten die Kessel- und Behälterbauer weitere Umsatzeinbußen.
In der Arbeitsproduktivität, gemessen an der Bruttowertschöpfung pro Beschäftigten, dürften die Unternehmen gegenüber dem Stand im Jahr 1996 weiter vorangekommen und 1999 etwa drei Viertel des westdeutschen Niveaus erreicht haben. Mit dazu beigetragen hat der noch nicht abgeschlossene Personalabbau: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in allen Betrieben reduzierte sich 1999 gegenüber 1998 (jeweils per 30.6.) um rund 1.300, von 119.600 auf 118.300.

Siegfried Beer

Institut für Wirtschaftsforschung Halle
Abteilung Strukturwandel
Tel. (0345) 77 53 857
(sbr@iwh.uni-halle.de)
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