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Dies academicus der Universität St. Gallen: Drei neue Ehrendoktoren, ein neuer Ehrensenator

05.06.2000 - (idw) Universität St. Gallen

Die geplante Neukonzeption des Studiums und ein neues Erscheinungsbild standen im Zentrum des Dies academicus 2000. Ehrendoktorate der Wirtschaftswissenschaften wurden verliehen an Stafford Beer, Walter Eversheim und Wallace E. Oates, zum Ehrensenator ernannt wurde Ulrich Bremi, und der mit 25'000 Franken dotierte Latsis-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen ging an Leo Brecht. Die Festrede zum Thema "'Ineffizienter Staat' - Anmerkungen zu einem Missverständnis" hielt alt Rektor Alfred Meier.


Das neue Logo der Universität St. Gallen Stafford Beer erhielt das Ehrendoktorat für seine "bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiete der Management-Kybernetik, die der Managementlehre vielfältige Impulse gegeben und den St. Galler Systemansatz geprägt haben". Walter Eversheim wurde mit dem Ehrendoktorat für seine "ausserordentlichen wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiete eines ganzheitlichen Produktionsmanagements und eines partizipativen Business Process Reengineering sowie seinen langjährigen Beitrag zu deren Umsetzung im Rahmen der Lehre, Forschung und Weiterbildung an der Universität St. Gallen" ausgezeichnet. Wallace E. Oates erhielt das Ehrendoktorat für seine "Verdienste um die Entwicklung der ökonomischen Theorie, insbesondere seine bahnbrechenden Arbeiten in der Breichen der Theorie des fiskalischen Föderalismus sowie der Umweltökonomik". Die Ernennung von Ulrich Bremi zum Ehrensenator würdigt seine "ausserordentliche Leistung als Unternehmer, Politiker und Vordenker im Dienste unseres Landes, der den Studierenden Vorbild und Mentor zugleich und der Universität St. Gallen in vielfältiger Weise verbunden ist".

Neupositionierung der Universität
Rektor Peter Gomez zog in seiner Ansprache unter dem Titel "Wir fordern und fördern Persönlichkeiten" eine Zwischenbilanz der bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr unter dem Motto "Kopf, Herz und Hand" angekündigten Neupositionierung der Universität. Er verwies auf die von Senat und Universitätsrat inzwischen verabschiedeten Grundlagen Vision 2005 und Leitbild, die als Orientierungshilfe und Massstab des Wandelprozesses dienen sollten. Das darin formulierte Ziel, "als eine der führenden Wirtschaftsuniversitäten Europas anerkannt zu sein", soll mit einer umfassenden Neukonzeption der Lehre erreicht werden: "Mit der Neukonzeption unserer Lehre versprechen wir uns auch eine grosse Sogwirkung für die Forschung und den Weiterbildungsbereich." So wird ab Wintersemester 2001 ein "neues Studium" das heutige Lehrsystem ablösen. Es fusst auf den drei Ebenen Assessment-Stufe, Bachelor-Stufe sowie Master-Stufe und den drei Säulen Kontaktstudium, Selbststudium und Kontextstudium (auch "Reflexion und Training" genannt).
Als weiteres Projekt in der Umsetzung von Vision und Leitbild wurde ein neues Erscheinungsbild entwickelt. Der bisher fragmentierte Aussenauftritt, der sich in seinen Elementen an der Architektur der Universität orientierte, wird mit dem Datum des Dies academicus 2000 über den Weg einer "organischen Metamorphose" (am Festakt durch eine Animation bildlich vorgeführt) abgelöst durch eine Bild-Wortmarke, in deren Zentrum - durch die Kantonsfarben Grün und Weiss gebildet - der dynamische Mensch steht: Der physisch und psychisch aktive Mensch, Frau und Mann, immer in Vorwärtsbewegung, offen für alles Neue, der sich entwickelt, reift und wächst. Rektor Gomez abschliessend dazu: "Wir fordern und fördern Persönlichkeiten - die Neuausrichtung der Universität St. Gallen in der Lehre und im Aussenauftritt will diesen Leitspruch konsequent in die Tat umsetzen."

"Ineffizienter Staat"?
Alt Rektor Alfred Meier, Ordinarius für Volkswirtschaftslehre, ging in seiner Festrede dem allgemein verbreiteten Vorwurf "Der Staat ist ineffizient!" nach. Zwar sei es unentschuldbar und nicht akzeptabel, wenn beispielsweise Einsprachen und Rekurse jahrelang liegenblieben, und sicher sei manches zu zentralistisch oder zu detailliert geregelt: "Aber dort, wo es um grundlegende Entscheide, um starke Interessengegensätze und um zentrale Konflikte geht, verhält es sich anders": Wer bei grundsätzlichen politischen Problemen nach Effizienz rufe, sei, so Meier, sozusagen "im falschen Spiel" - wie jemand, der beim Jassen plötzlich "Schach" rufe. Meier nannte fünf Gründe für oft langwierige und scheinbar ineffiziente staatliche Entscheidungsprozesse: "Erstens haben die Leute unterschiedliche Positionen in Gesellschaft und Wirtschaft, die wiederum unterschiedliche Interessen zur Folge haben. Zweitens haben die Leute auch unterschiedliche Weltanschauungen. Drittens sind die Leute in einer arbeitsteiligen Wirtschaft und einer differenzierten Gesellschaft voneinander abhängig. Viertens sind die Ressourcen, die personellen, finanziellen und sachlichen Mittel, stets knapp. Und fünftens ist in einer Demokratie die Macht flach verteilt: Niemand kann in wichtigen Angelegenheiten allein entscheiden." Ausgehend von den fünf Gründen skizzierte der Referent Möglichkeiten der Verbesserung. Während sich in normalen Zeiten weder einheitliche Interessen und Meinungen noch eine klare Prioritätensetzung herbeiführen liessen, bestünden Möglichkeiten der Dezentralisierung, der Deregulierung und der Privatisierung sowie graduelle Verbesserungs- oder Entlastungsmöglichkeiten bei den Entscheidungsprozessen. Meier: "Wenn wir Konflikte auf demokratische Weise bewältigen wollen, kann der Staat nicht wesentlich anders sein, als er heute ist." Als Politiker gefragt sei daher in unserem konsensorientierten System denn auch nicht der kühne Visionär, sondern der mehrheitsbildende Pragmatiker.

Verantwortung für die Universität
Studentenschaftspräsident Florian Schweitzer sprach an der von der HSG-Big Band musikalisch gestalteten Feier zum Thema "Wer trägt Verantwortung für die Universität?" Ausgehend von verschiedenen erfolgreichen studentischen Initiativen zeigte er auf, wie Studierende Verantwortung übernehmen. Lehr- und Lernhinhalte könnten in solchen Initiativen angewandt und Verantwortung "geübt" werden. Es bestehe heute die Chance, an der HSG ein Lernfeld zu erschliessen, das es ermögliche, über Werte nicht nur zu reden, sondern diese in der Praxis auf ihre Gültigkeit hin zu erproben.

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