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Heinz Nixdorf Stiftung finanziert Reihenuntersuchung zur Ermittlung des Herzinfarkt- und Herztod-Ris

06.06.2000 - (idw) Universität Essen (bis 31.12.2002)

Aussagen über den Wert moderner Untersuchungsmethoden für die Ermittlung des Herzinfarkt- bzw. Herztod-Risikos erwarten Wissenschaftler der Universitätskliniken in Essen, Düsseldorf, Köln, Witten/Herdecke und München von einer großen Reihenuntersuchung, die zum Ende dieses Jahres im Ruhrgebiet beginnen wird. Etwa 4 500 Menschen aus den Städten Bochum, Essen und Mülheim sollen an der auf acht Jahre angelegten epidemiologischen Studie teilnehmen. Sie wird federführend von Professor Raimund Erbel, Abteilung für Kardiologie am Essener Universitätsklinikum, betreut. Die Heinz Nixdorf Stiftung finanziert das Programm mit neun Millionen DM; rund 600 000 DM investiert das Bundesforschungsministerium in eine begleitende Untersuchung zur Kosteneffizienz des Verfahrens.

151/2000
6. Juni 2000

In der Universität Essen unterzeichneten gestern (Dienstag, 6. Juni) die Rektorin, Professorin Ursula Boos-Nünning, und der Vorsitzende der Heinz Nixdorf Stiftung, der Essener Rechtsanwalt Dr. Gerhard Schmidt, den Vertrag über die Durchführung der "Heinz Nixdorf RECALL Studie" (RECALL steht für Risk Factors, Evaluation of Coronary Calcification, and Lifestyle). Die Vertragsunterzeichnung war Anlass für die Erläuterung des Ablaufs und der Ziele der Studie vor der Presse.

In den westlichen Industrienationen ist die Koronare Herzkrankheit (KHK) zur häufigsten Todesursache geworden, und nach einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation wird diese von einer Verfettung und Verhärtung der Herzkranzgefäße ausgehende Zivilisationskrankheit bald auch in den Schwellenländern mehr Todesopfer fordern als die Infektionskrankheiten. Bereits in den fünfziger Jahren deckte eine Untersuchung in Framingham im Nordosten der USA erhöhte Blutfettwerte (Cholesterinspiegel), und erhöhte Blutzuckerwerte (Diabetes) sowie Bluthochdruck und Rauchen als entscheidende Risikofaktoren für das Entstehen einer Koronaren Herzkrankheit auf. Allerdings geben sie nur zur Hälfte Aufschluss über die Ursachen für die Krankheit. Genetische Faktoren, Umweltbedingungen und psychosoziale Aspekte oder auch die ökonomische Belastung blieben bislang unberücksichtigt. Das Konsortium, das sich für die Heinz Nixdorf RECALL Studie um den Kardiologen Erbel gebildet hat, ist deshalb interdisziplinär zusammengesetzt. Der Epidemiologe Professor Karl-Heinz Jöckel, der Internist und Laboratoriumsmediziner Professor Klaus Mann, beide Universität Essen, die Radiologen Professor Dietrich Grönemeyer und Professor Rainer Seibel, beide Universität Witten/Herdecke, der Medizin-Soziologe Professor Johannes Siegrist, Universität Düsseldorf, sowie der Chef der Abteilung für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Universität zu Köln, Professor Karl Lauterbach, gehören dazu, schließlich aber auch Professor Dietrich Seidel vom Institut für Klinische Chemie des Klinikums Großhadern, München. Seidel übernimmt zusätzlich die Qualitätskontrollen der Laboruntersuchungen.

Dieser Kreis hochrangiger Experten war einer der Gründe, die die nach dem Computer-Pionier Heinz Nixdorf benannte Stiftung veranlassten, den beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) angesiedelten "Projektträger Gesund-heitsforschung" um eine Begutachtung der geplanten Studie zu bitten. Der Projektträger hat langjährige Erfahrung im Fördermanagement von Forschungsprojekten; er arbeitet im Auftrag mehrerer Bundesministerien und privater Auftraggeber. Am Ende des Begutachtungsprozesses durch anerkannte Fachwissenschaftler auch aus dem Ausland sah er "die klinische Relevanz der Fragestellung und die hohe Qualität des Studienkonzeptes" als erwiesen an. Der Projektträger wird die Studie fachlich begleiten und die Fördermittel vor dem Hintergrund einer Verlaufs- und Erfolgskontrolle in den nächsten Jahren schrittweise freigeben.

Auf vier Ziele konzentriert sich das Interesse der an der Studie beteiligten Wissenschaftler. Sie wollen mit Hilfe neuer radiologischer Verfahren, aber auch mit Hilfe laborchemischer, serologischer sowie elektrokardiographischer und sonographischer Methoden Risikopatienten besser erkennen können, sie wollen mögliche Entzündungsmechanismen als Ursache der KHK ausmachen können, sie wollen psychosoziale Risikofaktoren aufdecken, und sie wollen schließlich zu einer Kosten/Nutzen-Analyse kommen. Wie teuer sind die eingesetzten Methoden, und wie wirksam sind sie bei der Aufdeckung von Risikofaktoren?
4 500 Frauen und Männer im Alter von 45 und 75 Jahren, über eine Zufalls-Stichprobe ermittelt, werden von den Einwohnermeldeämtern in Bochum, Mülheim und Essen demnächst eingeladen, im Rahmen der Studie ihr Herz-Kreislauf-Risiko ermitteln zu lassen. Selbst melden kann man sich nicht. Moderne Methoden bestimmen das Untersuchungsprogramm. Eine spezielle röntgenologische Untersuchung (Computertomographie) der Herzkranzgefäße, ein EKG mit besonderer Beachtung möglicher zukünftiger Rhythmusstörungen, eine vergleichende Blutdruckmessung der Oberarm- und Unterschenkelgefäße mit Hilfe einer Ultraschallsonde und schließlich umfangreiche Bluttests gehören dazu. Die mit Hilfe der Computertomographie gewonnenen Schichtbilder werden besonders schnell aufgezeichnet - man kann den Herzschlag im Bild "einfrieren". Es ist die derzeit einzige Methode, mit der die Herzkranzgefäße direkt und ohne Herzkatheter dargestellt wer-den können.

Die medizinischen Bestandteile der Eingangsuntersuchung werden durch eine Befragung mit psychosozialem Hintergrund ergänzt. Gibt es Unter- oder Überforderung im Beruf? Besteht die Neigung zu depressiver Verstimmung?

Alle Studienteilnehmer erfahren die Ergebnisse der Eingangsuntersuchung, die Hausärzte erfahren sie nur auf deren Wunsch. Fünf Jahre lang bleiben die Frauen und Männer in engem Kontakt zur Studienzentrale, damit während dieser Zeit auftretende Veränderungen des Gesundheitszustandes oder der Lebensbedingungen beobachtet und erfasst werden können. Nach der Auswertung der Ergebnisse möchten die Wissenschaftler um Raimund Erbel praxisnahe Empfehlungen zur Früherkennung und Vermeidung der Koronaren Herzkrankheit geben können.

Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83-20 85

Weitere Informationen: Professor Dr. Raimund Erbel, Telefon (02 01) 7 23-24 93
e-mail: erbel@uni-essen.de
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