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"Heidelberg Alumni International" startete Fortbildung für libanesische Ärzte

15.06.2000 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Erste deutsch-libanesische Konferenz für Arbeits-, Unfall- und Umweltmedizin in Beirut und Byblos - Rektor Prof. Dr. Jürgen Siebke bei der Eröffnung: Gutes Beispiel für lebenslanges Lernen, dem besonders in der Medizin eine wachsende Bedeutung zukommt

Die Arbeits- und Umweltmedizin steckt im Nahen Osten noch in den Kinderschuhen. Eine entsprechende Facharztausbildung gibt es in vielen Ländern nicht, und die Bedeutung des Bereichs wird nicht ausreichend gewürdigt trotz eines offensichtlichen Bedarfs. Beispiel Libanon: Zwar schreibt das Gesetz eine betriebsärztliche Betreuung vor, doch diese wird in der Praxis nur selten durchgeführt. Deshalb fristet die Arbeitsmedizin hier ein Schattendasein. Um das zu ändern, startete Heidelberg Alumni International, das Absolventennetzwerk der Universität Heidelberg, eine Fortbildung für libanesische Ärzte.

Die Anregung dazu gaben die zahlreichen Heidelberger Medizinabsolventen aus dem Libanon. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert. Als ersten Schritt veranstaltete Heidelberg Alumni International im Sommer 1999 ein Weiterbildungsseminar in Heidelberg, Tübingen und Ulm mit rund 20 Teilnehmern. Der zweite Schritt führte Ende Mai in den Libanon selbst: zur ersten deutsch-libanesischen Konferenz für Arbeits-, Unfall- und Umweltmedizin in Beirut und Byblos.

Referenten waren der Heidelberger Arbeitsmediziner Dr. Michael C. Dietz vom Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin und seine Kollegen Dr. rer. nat. Sibylle Hildenbrand (Universität Tübingen) und Dr. med. Dipl.-Chem. Lothar W. Weber (Universität Ulm). Das Interesse war groß: Neben zahlreichen Wissenschaftlern nahmen auch Vertreter des libanesischen Arbeitsministeriums teil. Der Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Jürgen Siebke, ließ es sich nicht nehmen, die Konferenz mit zu eröffnen: "Diese Veranstaltung ist ein gutes Beispiel für die Entwicklung des lebenslangen Lernens, dem besonders in der Medizin eine wachsende Bedeutung zukommt."

Themen: Lärmschäden, Lungenerkrankungen durch Asbest und vieles mehr

Auf dem Programm standen Themen wie Lärmschäden und Gefahren durch den Umgang mit neurotoxischen Chemikalien sowie Lungenerkrankungen durch Asbest. Michael C. Dietz erläuterte die Entwicklung der Arbeits- und Umweltmedizin in Deutschland: "Heute gehören qualifizierte Kenntnisse aus der Arbeitsmedizin für jeden Mediziner zum notwendigen Instrumentarium seiner Tätigkeit." Sibylle Hildenbrand erklärte, wie in Deutschland mit Hilfe von Grenzwerten der Umgang mit gesundheitsgefährdenden Substanzen am Arbeitsplatz kontrolliert wird.

Aber auch scheinbar simple Aspekte wie der Einsatz von Arbeitshandschuhen kamen zur Sprache: "Überzeugen Sie Ihre Verantwortlichen durch wirtschaftliche Argumente davon, diese relativ geringen Investitionen zu tätigen, um ihre Mitarbeiter zu schützen", schärfte Lothar W. Weber den libanesischen Kollegen ein. "Der ökonomische Aspekt ist in der Tat sehr wichtig", stimmte der Arbeitsmediziner Prof. Iman Nuwayhid von der American University of Beirut (AUB) zu. "Wenn die Beschäftigten gesund bleiben, hat auch das Unternehmen mehr davon. Deshalb müssen wir lernen, die Sprache der Unternehmer zu sprechen und ihnen körperliche Schäden in Dollar und Cent vorrechnen."

Die deutschen Experten besuchten außerdem eine Transformatorenfabrik und die größte Kabelfabrik des Landes und informierten sich vor Ort über die Arbeitsbedingungen. Sie machten Vorschläge für den Umgang mit Chemikalien und Arbeitsmitteln - als sinnvolle wissenschaftliche Ergänzung zum wirtschaftlichen Export der deutschen Maschinen, die hier zum Einsatz kommen.

Wie wichtig die Libanesen die Initiative ihrer deutschen Kollegen nehmen, erklärte Prof. Mustafa Khogali (AUB): "Je mehr Wissenschaftler und Ärzte über diese Themen sprechen, desto besser. Deshalb gibt uns die Konferenz einen guten Anschub." Der Organisator und Heidelberger Alumnus Dr. Hikmat Rizk (Lebanese American University) zeigte sich mit der Konferenz zufrieden: "Mit solchen Veranstaltungen können wir langfristig ein Bewusstsein für die Bedeutung der Arbeitsmedizin in unserer Region aufbauen." Einen ersten wichtigen "Bildungs"-Effekt hatte das Seminar bereits: denn in Beirut und Byblos kamen erstmals libanesische Arbeits- und Umweltmediziner zusammen, die zuvor noch gar nichts voneinander gewusst hatten - der Beginn eines künftigen Netzwerks. Allein schon deshalb haben die Mediziner aus dem "Ländle" gute Arbeit geleistet.

Peter Saueressig

Rückfragen bitte an:
Albrecht Bayer
Akademisches Auslandsamt der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542339, Fax 542332
bayer@zuv.uni-heidelberg.de

oder
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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