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Körperliche Leistungsfähigkeit von weiblichen Soldaten

16.06.2000 - (idw) Universität zu Köln

80/2000
Nicht für alle Einheiten geeignet?!

Der Europäische Gerichtshof hat kürzlich entschieden, dass Frauen der Dienst auch in Kampfverbänden innerhalb der Bundeswehr nicht länger verweigert werden kann. Es bleibt aber dennoch offen, welche Funktionen in der Bundeswehr für Frauen geeignet sind und welche Musterungskriterien dazu benötigt werden. Frauen unter 165 cm sind zum Beispiel als Sanitätssoldaten nicht geeignet, wenn vorausgesetzt wird, dass ein weiblicher Sanitätssoldat einen Krankenwagen beladen können muss; denn dafür ist eine Greifhöhe von 210 cm erforderlich. Allein 46 Prozent der untersuchten weiblichen Sanitätssoldaten erfüllten diese Voraussetzung nicht. Das ist ein Ergebnis einer Studie, mit der Dr. Karen Land am Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Sozialhygiene der Universität zu Köln promovierte. Sie hat als erste Forscherin eine Basis dazu gelegt, die Einstellungskriterien für Frauen in der Bundeswehr an die aktuelle Gegebenheiten anzupassen.

Die Kölner Medizinerin ist der Auffassung, dass die aktuelle Musterung von Frauen bzw. die Selektionskriterien geändert werden sollten; denn sonst kann es zur berufsbedingten körperlichen und seelischen Überlastung kommen. Die Ausbildung der weiblichen Rekruten kann solche Defizite nicht ausgleichen.

Auch stellt Dr. Land fest, dass die Sporttests vor und nach der Grundausbildung nicht sehr relevant für die spätere Berufstätigkeit sind. Der Großteil der getesteten Sportdisziplinen ist für die Ausübung des militärischen Berufs nicht spezifisch. Sie empfiehlt daher Disziplinen wie zum Beispiel Liegestütze, Banksprünge, Pendellauf und Anhocken an einer Sprossenwand im Sporttests durch relevante Testdisziplinen zu ersetzen.

Wenn passende Musterungskriterien angewendet würden, ist damit zu rechnen, dass zumindest einige Frauen unter Umständen nicht in allen Bundeswehrbereichen tätig werden können. Aus anderen Untersuchungen ist bekannt, dass Frauen gegenüber Männern zwanzig bis dreißig Prozent weniger Maximalkraft aufweisen. Das äußert sich für die Bundeswehr zum Beispiel darin, dass im Gegensatz zu den männlichen Rekruten nicht alle Frauen einen 90 kg schweren Sandsack, der einen Patienten darstellen soll, 55 m weit tragen konnten. Die politische Forderung nach Gleichberechtigung in der Bundeswehr darf, so Dr. Land, nicht an biologischen Gegebenheiten vorbeigehen, wobei Männer wie Frauen gleichermassen betroffen sind.

Seit Jahren sind Frauen beim Nato-Partner Amerika mit zwölf Prozent an den Streitkräften beteiligt. Deutschland hat erst seit 1975 Frauen in der Bundeswehr und bisher nur im Sanitätsdienst eingesetzt. Pro Jahr bewerben sich mehrere tausend Frauen um die Stellen der Sanitätsoffiziere und -unteroffiziere. Die deutschen weiblichen Rekruten weisen dabei eine geringere Ausdauer als Bewerberinnen anderer Streitkräfte auf. Dieser Unterschied in der Leistungsfähigkeit mag ein nationales Phänomen sein, oder aber ist auf eine Selektion in den anderen Ländern zurückzuführen.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Erley unter der Telefonnummer 0221-478/6277 und der Fax-Nr.: 0221/478/5119 zur Verfügung.
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