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Neu im Schatzhaus der Gutenbergausstellung

12.10.2000 - (idw) Georg-August-Universität Göttingen

Handschrift illuminiert in der Werkstatt der Göttinger Gutenbergbibel

(pug) Handschrift oder Druck - das ist bei vielen Frühdrucken auf den ersten Blick die Frage. Hatte doch Gutenberg das Ziel, sein Druckwerk Bibel qualitativ hochwertigen Handschriften gleichwertig zu machen. Was ihm auch in erstaunlicher Weise gelang. Wie bei Handschriften aber wurde die letzte Ausschmückung dem Illuminator überlassen - bei der Göttinger Guten-bergbibel einer Werkstatt im Frankfurt-Mainzer Raum, deren Musterbuch in Göttingen zu sehen ist.

In den letzten vier Wochen der erfolgreichen Ausstellung Gutenberg und seine Wirkung prä-sentiert die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek in der Paulinerkirche ein weiteres Stück aus dieser Werkstatt: diesmal eine Handschrift, das um 1445 in Italien entstan-dene kirchenrechtliche Manuskript von Petrus de Braco, Compendium Iuris Canonici.

Nach ihrer Entstehung in Italien ging die Handschrift auf die Reise nach Frankfurt, wo sie in den Besitz des Dominikanerklosters kam. Erst hier oder in Mainz wurden nachträglich die Verzierungen auf dem ersten beschriebenen Blatt der Handschrift aufgebracht, die aus jenem mehrfarbigen Rankenwerk bestehen, das wir in genau dieser Farbzusammenstellung auch von der ersten Seite der Göttinger Gutenberg-Bibel und - in seinen Einzelelementen - aus dem Göttinger Musterbuch kennen. Ein großformatiger Anfangsbuchstabe (Initiale) R ist ein wei-teres Zierelement auf dieser Seite. Der Buchstabe selbst besteht aus blauem Blattwerk und ist auf goldenem Hintergrund mit einem mehrfarbigen Rautenmuster versehen. Auch dieses Hintergrundmuster ist im Göttinger Musterbuch genau beschrieben.

Heute wird die Handschrift in der Sammlung der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt verwahrt, die der Göttinger Bibliothek freundlicherweise das wertvolle Objekt für die letzten vier Wochen der Gutenberg-Ausstellung überlassen hat. Im Schatzhaus ist nun das Göttinger Musterbuch auf der einen Seite vom zweiten Band der Gutenberg-Bibel und auf der anderen Seite von dieser schönen illuminierten Frankfurter Handschrift eingerahmt. Das Neben- und Miteinander von Handschrift und Druck wird hier auf eindrückliche Weise sichtbar.
Die Zierseite aus der Frankfurter Handschrift und zwei Vergleichsseiten aus dem Göttinger Musterbuch sind auch unter http://www.gutenbergdigital.de/presse.html (Kasten: "Gutenberg und seine Wirkung") zu finden; Download der Bilder ist möglich.
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