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Museum Alexander Koenig wird 100 Jahre alt

13.10.2000 - (idw) Leibniz-Gemeinschaft

Aus einer privaten Präparat-Sammlung entsteht eines der größten naturkundlichen Museen der Welt. Erforschung der Artenvielfalt steht im Mittelpunkt

BONN. Mit der Entdeckung drachenartiger seltener Warane im Jemen oder kleiner Nilkrokodile in der Sahara-Wüste erregt das Zoologische Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig (ZFMK) immer wieder Aufsehen in der Öffentlichkeit. Jetzt steht es selbst im Mittelpunkt. Gefeiert wird ein Jubiläum: Das im Jahr 1900 von dem Naturforscher Alexander Koenig gegründete Museum wird hundert Jahre alt. Aus einer privaten Präparat-Sammlung ist in dieser Zeit eines der bedeutendsten Museen zur Erforschung der Artenvielfalt geworden. Zwischen 200 und 250 neue Arten wurden in den letzten zehn Jahren von Museumsmitarbeitern entdeckt.

Angefangen hat alles mit einem kleinen, in einem Anbau des Privathauses untergebrachten ornithologischen Laboratorium, in dem der schon seit seiner Kindheit fast "besessen" sammelnde und später so erfolgreiche Forscher seine Vogel- und Eiersammlung präsentierte. Sie sollten binnen weniger Jahre Weltruhm erlangen und sind noch heute zusammen mit dem Arbeitszimmer Alexander Koenigs in dem Museum zu sehen. Dieses konnte 1934 in einen großzügigen Neubau einziehen - finanziert aus den Erbe des Vaters, der es als Zuckerkaufmann in Rußland zu einem Vermögen gebracht hatte. 1948 fand in dem Gebäude die konstituierende Sitzung des Parlamentarischen Rates statt, 1949 diente ein Teil der Räume als provisorischer Amtssitz Konrad Adenauers und mehrerer Ministerien.

Das Museum ist heute nach wie vor ein Ort, an dem Gesammeltes und Entdecktes gezeigt und ausgestellt wird. Die weltweite Erfassung der Arten ist immer noch das Ziel. "Der Prozeß der Dokumentation der Vielfalt des Lebens ist auch heute nicht abgeschlossen," sagt Museumsdirektor Clas M. Naumann. Mit rund 1,8 Millionen Spezies weltweit seien noch nicht einmal zehn Prozent der Artenvielfalt unserer Erde erfasst. Regelmäßig brechen Forschergruppen in die verschiedensten Teile der Welt zu Expeditionen auf. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Rund 50 Arten sterben Tag für Tag aus.
Zugleich wird im ZFMK aber auch zoologische Grundlagenforschung betrieben, in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bonn. Als "Leibniz-Institut für terrestrische Biodiversität" ist das ZFMK über Forschungskooperationen mit der ganzen Welt verbunden. Die ehemals mehr an den Sammlungen orientierte Forschung über die Tierwelt hat sich dabei zu einer "in internationale Vorhaben eingebundene, moderne Stammesgeschichtsforschung entwickelt", erläutert die Museumsmitarbeiterin und Diplom-Biologin Sabine Heine. Das reicht bis zu Genanalysen, um selbst winzige Details, in denen sich Tierarten unterscheiden, ans Tageslicht zu fördern.

Heute beherbergen die Sammlungen des Museum neben rund 150 000 Fachbüchern, Zeitschriften und Landkarten etwa 75 000 Säugetierpräparate, weit mehr als 125 000 Vögel und Eier, rund 100 000 Fische, Amphibien und Reptilien sowie mehrere Millionen Insekten. Damit ist das ZFMK eine der größten naturkundlichen Sammlungen der Welt. Unter den vielfältigen Forschungsprojekten, die vom Land NRW und dem Bund sowie teilweise von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert werden, findet das "Globale Register wandernder Tierarten" besondere Beachtung. Es wird im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamts für Naturschutz gemeinsam mit der Universität Bonn und dem GMD-Forschungszentrum Informationstechnik in St. Augustin sowie in enger Zusammenarbeit mit dem in Bonn angesiedelten Unesco-Sekretariat für die Konvention über die wandernden Tierarten entwickelt. Außerdem war das ZFMK auch wesentlich an einen der wichtigsten vogelkundlichen Publikationsprojekte des 20. Jahrhunderts beteiligt, dem "Atlas der europäischen Brutvögel". Nach mehr als 25 Jahre vorbereitender Arbeit ist das Werk 1998 erschienen. Das ZFMK koordinierte die deutschen Beiträge.

Gegenwärtig wird das Museum nach einer in Deutschland einzigartigen Ausstellungskonzeption völlig umgestaltet. Das Geld dazu (drei Millionen Mark) stammt aus den Ausgleichsmitteln des Bundes an Bonn für den Umzug der Regierung nach Berlin. Anstelle der sterilen Schaukästen, in denen die Arten nach systematischen Gruppen geordnet gezeigt werden, können die Besucher künftig Landschaften erleben, die Tiere in ihren Lebensräumen betrachten und auf spannende Weise und interaktiv die Zerbrechlichkeit des Netzwerkes von Wechselbeziehungen kennenlernen, in das wir alle eingebunden sind; aber auch von den Mythen und Legenden erfahren, die sich darum ranken. Als erstes entsteht im Lichthof des Museums eine afrikanische Savanne. Solche "Offenlandschaften" haben in der frühen Evolutionsgeschichte des Menschen eine wichtige Rolle gespielt. Vermutlich hat der Mensch im Umfeld der Savanne den aufrechten Gang entwickelt. Hier kam es zu einer zunehmenden Ausweitung seiner Gehirnfunktionen und des räumlichen Sehens. Die Savannenlandschaft wird schon nächstes Jahr der Öffentlichkeit zugänglich sein. Die gesamte Dauerausstellung "Unser Blauer Planet. Leben im Netzwerk" wird ab Anfang 2002 den Besucher willkommen heißen.

Das Zoologische Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig feiert sein Jubiläum am Samstag, 14. Oktober 2000, um 11 Uhr mit einer Festveranstaltung im soeben renovierten Hörsaal des Museums in Bonn. Den Festvortrag hält Wolfgang Frühwald, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Weitere Informationen bei Dipl.-Biol. Sabine Heine, Öffentlichkeitsarbeit, Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig (ZFMK), Adenauerallee 160, 53113 Bonn, Tel. 0228 / 91 22-215, Fax 0228 / 21 69 79, Email: s.heine.zfmk@uni-bonn.de, Internet: http://www.uni-bonn.de/museumkoenig

Das ZfMK gehört zusammen mit 77 anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (WGL). Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär. Sie sind von überregionaler Bedeutung, betreiben Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Näheres unter: http://www.wgl.de.

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