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RUB-Friedensforscher vertritt Deutschland auf US-Genozid-Konferenz

18.10.2000 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Im Auftrag des Deutschen Auswärtigen Amtes nahm Dr. Hans-Joachim Heintze vom Institut für Friedenssicherung und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität an der Konferenz "Ein Jahrhundert des Mordens: Völkermord und Ethnische Säuberung im 20. Jahrhundert" an der Universität von South Dakota in Vermillion (USA) teil.

Bochum, 18.10.2000
Nr. 285

IFHV vertritt Deutschland auf US-Genozid-Konferenz
Ursachen und Wirkung von Völkermorden
Bundesrepublik hat besondere Verantwortung


Im Auftrag des Deutschen Auswärtigen Amtes nahm Dr. Hans-Joachim Heintze vom Institut für Friedenssicherung und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität an der Konferenz "Ein Jahrhundert des Mordens: Völkermord und Ethnische Säuberung im 20. Jahrhundert" an der Universität von South Dakota in Vermillion (USA) teil. Rund 60 Experten widmeten sich dort der wissenschaftlichen Aufarbeitung der großen Menschlichkeitsverbrechen unserer Zeit. Viele Beiträge beklagten die Unzulänglichkeit des bestehenden völkerrechtlichen Instrumentariums zur Bekämpfung von Menschlichkeitsverbrechen und die Handlungsunwilligkeit der Politik .

Plädoyer für präventive Maßnahmen

In seinem Beitrag unterstrich Heintze die besondere Verantwortung der Bundsrepublik im Kampf gegen Völkermord und Rassendiskriminierung, die aus der Geschichte resultiere. So habe sich Deutschland besonders aktiv für die Schaffung eines ständigen internationalen Strafgerichtshofs eingesetzt und arbeite intensiv mit den ad hoc-Tribunalen zum früheren Jugoslawien und Ruanda zusammen, um die Verantwortlichen für Menschlichkeitsverbrechen abzustrafen. Es sei aber zu spät, wenn die Staaten erst nach Völkermorden reagierten. Vielmehr sei präventives Handeln notwendig, um es gar nicht erst zu ethnischen Konflikten kommen zu lassen. In diesem Zusammenhang verwies Dr. Heintze auf die Kooperation des IFHV mit dem Hohen Kommissar für nationale Minderheiten der OSZE. Dessen Aufgabe ist die Einwirkung auf Regierungen und Minderheiten, um die Zuspitzung ethnischer Konflikte zu verhindern. Neben der wissenschaftlichen Analyse der Ursachen von Menschlichkeitsverbrechen müsse auch die Ausarbeitung von Präventionsstrategien eine Hauptaufgabe der Forschung sein. Ebenso waren sich die Konferenzteilnehmer einig, dass entschiedenes politisches Handeln gegen rassistische Erscheinungen unabdingbar ist. Heintze stellte die energische Reaktion der deutschen Politik und Zivilgesellschaft gegen rassistische Übergriffe dar; dies erwies sich gerade deshalb als notwendig, weil auch zahlreiche Studenten der Universität von South Dakota mit nur sehr geringen Kenntnissen über Deutschland an der Konferenz teilnahmen.

Zusammenarbeit zwischen Ländern und Disziplinen

Im Rahmen der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmer Ursachen und Wirkungen von Genoziden, beginnend mit der Ausrottung der Armenier im Ottomanischen Reich bis zu jüngsten Fällen wie z. B. in Kambodscha und Ruanda. Auch der Holocaust, das schlimmste Verbrechen, war ein Tagesordnungspunkt. Dadurch, dass die Konferenz auch die "ethnische Säuberung" in ihre Arbeit einbezog, ging sie über die klassische Betrachtungsweise des Genozid-Verbrechens hinaus. Als Ergebnis der Konferenz beschlossen die Teilnehmer, weiter interdisziplinär und länderübergreifend zusammen zu arbeiten.

Weitere Informationen

Dr. jur. habil. Hans-Joachim Heintze, Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht, Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234 32-27933, Fax: 0234/32-14-208, Email: hans-joachim.heintze@ruhr-uni-bochum.de
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