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Weltbilder im Lichte der Quantentheorie

31.10.2000 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Stiftungsgastprofessur 'Wissenschaft und Gesellschaft' feiert 100 Jahre Quantenphysik mit einer Vortragsreihe

FRANKFURT. Vom Handy über Walkman oder CDs bis hin zu Laserpointer - in all diesen Geräten steckt Quantenphysik. Die bestimmende physikalische Theorie des 20. Jahrhunderts wird am 14. Dezember 2000 100 Jahre jung - und ihre Zukunft hat gerade erst begonnen.

Erst in jüngster Zeit ist es Forschern gelungen, die Besonderheiten der Quantenphysik grundlegend zu ergründen und sie experimentell zu erforschen. Und schon scheint bislang Unmögliches in greifbare Nähe gerückt: neuartige Quantencomputer, Quantenkryptographie, also Verschlüsselung, oder gar Teleportation. Während das Rechnen mit Quantencomputern noch in weiter Ferne liegt, liegen bei der Quantenkryptographie bereits greifbare Ergebnisse vor: Es gibt allererste Prototypen von 'Quanten-Modems' als wesentlichen Komponenten einer absolut sicheren Datenverschlüsselung. Ein Wunschtraum wird dagegen wohl die Teleportation bleiben, denn auch mit Hilfe der Quanten lässt sich keine Materie teleportieren, schon gar nicht überlichtschnell: Der Befehl "Beam mich hoch, Scotty" bleibt trotz Quantenphysik unausführbar.

Bei allen Visionen zur Quanteninformationsverarbeitung ist ein genaues Verständnis der Besonderheiten der Quantenphysik unverzichtbare Basis. Im 20. Jahrhundert wurden heftige Debatten geführt, welche Wirklichkeit hinter den Dingen um uns herum liegen mag. Nun scheint die Zeit reif zu sein für eine Bestandsaufnahme und Reflektion der geistigen Auswirkungen der Quantentheorie, die Heisenberg als "bedeutendste geisteswissenschaftliche Errungenschaft des 20. Jahrhunderts" bezeichnete.

Was unterscheidet sie von der klassischen Physik? Welche Realität beschreibt die Physik, speziell die Quantentheorie? Themen, die eng damit zusammenhängen, sind Fragen nach der Vorhersagbarkeit der Natur und nach dem Verhältnis von Materie und Bewusstsein - ein hochaktuelles Thema auch der Neurowissenschaften. Das Selbstverständnis des Menschen und das Begreifen seines Geistes gehören zu den Aufgaben der Wissenschaft, die nun anstehen.

Die 1986 von der Deutschen Bank AG an der Goethe-Universität eingerichtete Stiftungsgastprofessur 'Wissenschaft und Gesellschaft' ermöglicht es, diesen und anderen spannenden Fragen des Verständnisses der Quantentheorie in sechs Vorträgen nachzugehen.

- Wie entstand die Quantentheorie überhaupt? Carl Friedrich von Weizsäcker berichtet am 1.11.2000 als Zeitzeuge, wie er die Entwicklung der Quantenmechanik miterlebt hat.
- In zwei Vorträgen wird das Spannungsfeld zwischen klassischer Physik und Quantenphysik beleuchtet: am 15.11.2000 aus philosophischer Perspektive durch Brigitte Falkenburg mit dem Vortrag "Kants Naturbegriff und die Quantentheorie", und am 22.11.2000 aus physikalisch-chemischer Sicht durch Hans Primas. Er berichtet über "Die Überwindung des Atomismus durch die Quantentheorie".
- Anton Zeilinger spricht am 29.11.2000 über "Wirklichkeit und Wissen im Weltbild der Quantenphysik".
- Physik und Religion scheinen sich kategorisch auszuschließen. Die Quantenphysik bietet aber neue Einsichten, so dass Landesbischof i.R. Horst Hirschler in seinem Vortrag "Die Frage nach Gott und das Fragen der Physik" am 6.12.2000 nach tiefen Verbindungen zwischen den Weltsichten von Physik und Theologie sucht.

- Den Abschluss der Vortragsreihe - fast auf den Tag 100 Jahre nach dem Vortrag von Max Planck, der Geschichte machen sollte - bildet der Vortrag von Sir Roger Penrose am 13.12.2000 über "Quantum Theory and the Mind", ein hochaktuelles Thema in der Diskussion um die Funktion des menschlichen Gehirns.

Die Vortragsreihe wurde von Prof. Dr. Thomas Görnitz und Dr. Gesche Pospiech am Institut für Didaktik der Physik konzipiert und durch den Fachbereich Physik unterstützt.

Nähere Informationen: Prof. Dr. Thomas Görnitz und Dr. Gesche Pospiech, Institut der Didaktik der Physik; Telefon: 069 / 798 - 23575
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