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Hormonelle Störungen bei Neugeborenen

20.11.2000 - (idw) Universitätsklinikum Tübingen

Informationsdefizit und zunehmende Zahl an Frühgeborenen
machen Wissenstransfer notwendig
Workshop 'Perinatale Endokrinologie' ** vom 24. bis 25. 11. 2000 in Tübingen

Hormone sind bereits lange vor der Geburt im Kreislauf des Ungeborenen messbar und haben für die normale Entwicklung des Kindes essentielle Bedeutung. So erfolgt die normale Geschlechtsdifferenzierung in der 8. bis 12. Schwangerschaftswoche unter dem Einfluss von Hormonen, die Regulation des fetalen Wachstums unterliegt hormoneller Kontrolle und auch der Blutzucker im Kreislauf des Feten wird schon vor der Geburt durch Insulin reguliert. Störungen in der Entwicklung hormonproduzierender Drüsen oder der Wirkung der entsprechenden Hormone können schon bei Geburt schwere Erkrankungen verursachen. Betroffene Kinder werden z.B. mit einem intersexuellen Genitale geboren, so dass oft keine eindeutige Geschlechtszuordnung möglich ist, haben z.B. durch überschießende Insulinsekretion eine schwere Unterzuckerung des Blutes oder sind - bei eingeschränkter Sekretion von Schilddrüsenhormon - in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung gefährdet.

Durch die Fortschritte der Neonatologie (Früh- und Neugeborenen-Medizin) überleben immer jüngere Frühgeborene, die wiederum spezielle endokrine (die hormonelle Regulation betreffende) Probleme haben. So kann die Knochenentwicklung gestört sein oder es wird durch die im Rahmen der intensivmedizinischen Versorgung notwendige Behandlung mit hochwirksamen Nebennieren-Hormonen (Kortikoide) die Stressfähigkeit unterdrückt.

Unabhängig von solchen Erkrankungen ist die Perinatalzeit (die Zeit um die Geburt) gekennzeichnet durch physiologische hormonelle Umstellungen, die in ihrem Ausmaß der Pubertät vergleichbar sind: So wird das in der Kindheit für das Längenwachstum wichtigste Hormon (Wachstumshormon) auch schon bei Geburt in großen Mengen produziert, hat jedoch für das Wachstum nur untergeordnete Bedeutung. Auch die Keimdrüsen sezernieren im ersten Lebenshalbjahr große Mengen an Sexualsteroiden, ohne dass eine der Pubertät entsprechende Wirkung nachweisbar ist,

Da viele der Erkrankungen selten sind und die physiologische Regulation oft noch nicht vollständig bekannt ist, ist das Wissen über die Funktion von Hormonen und ihre Störungen bei Neugeborenen auch unter Ärzten noch wenig verbreitet. Im Rahmen des Workshops 'Perinatale Endokrinologie', der von der Sektion Pädiatrische Endokrinologie der Universitäts-Kinderklinik (Leitung Prof. Dr. Michael Ranke) veranstaltet wird, werden 15 Referenten aus dem deutschen Sprachraum in Übersichtsreferaten die vorgeburtliche Entwicklung der endokrinen Regulation, spezifische Störungen während der Neugeborenenzeit und der frühen Kindheit sowie spezielle diagnostische und therapeutische Probleme diskutieren.
Veranstaltungsort ist das Universitätsklinikum Tübingen, Kinderklinik, Hoppe-Seyler-Str. 1, Tübingen, Beginn Freitag 24.11., 13.30 Uhr bis Samstag, 25.11., ca. 16.30 Uhr.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen

Kinderklinik, Sektion für Pädiatrische Endokrinologie
Privatdozent Dr. Hartmut A. Wollmann und Prof. Dr. Michael Ranke
Tel. 0 70 71 / 29-8 37 95 (Sekr.), -8 40 86, -8 34 17, Fax 0 70 71 / 29-41 57
email: Hartmut.Wollmann@med.uni-tuebingen.de

** Endokrinologie:
Wissenschaft, die sich mit den Funktionen und der Regulation des endokrinen (in den Blutkreislauf Hormone absondernden) Systems befasst, insbesondere auch mit der Pathophysiologie der Hormonproduktion und -wirkungen (einschließlich der Krankheitsbilder) sowie mit der Hormontherapie nicht endokriner Erkrankungen.
Perinatal: Die Zeit um die Geburt.
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