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Schilddrüsenexperten tagen in Würzburg

30.11.2000 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

"Überflüssig wie ein Kropf" - dieses Urteil fällt gelegentlich der Volksmund. Überflüssig sind nach Ansicht Würzburger Wissenschaftler auch die vielen Operationen, die zur Entfernung eines Kropfes - dabei handelt es sich um eine aufgrund von Iodmangel vergrößerte Schilddrüse - durchgeführt werden.

Durch solche Operationen entstehen dem Gesundheitssystem Folgekosten von zwei bis drei Milliarden Mark pro Jahr. Kosten, die sich durch eine vorbeugende Aufnahme von Iod mit der Nahrung leicht vermeiden ließen, so Dr. Cornelia Schmutzler. Zwar habe sich in den vergangenen fünf Jahren die Situation durch die Verwendung von iodiertem Speisesalz im Haushalt und bei der Produktion von Fleisch-, Wurst- und Backwaren deutlich verbessert. Jedoch könne immer noch keine Entwarnung gegeben werden, und ganz besonders betreffe dies einzelne Risikogruppen, vor allem stillende Mütter.

Diesem Problembereich widmet sich die Jahrestagung der "Sektion Schilddrüse" der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, die heute in Würzburg begonnen hat und bis Samstag, 2. Dezember, dauert: In den Tagungsräumen des Juliusspitals treffen sich rund 100 Schilddrüsenspezialisten aus Deutschland, Europa und den USA, um über neuere Forschungsergebnisse zum Iodhaushalt der Schilddrüse zu diskutieren.

Iod spielt im menschlichen Körper eine zentrale Rolle, und zwar als Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Einen Mangel versucht der Organismus durch eine Vergrößerung der Schilddrüse auszugleichen: Es kommt zur Ausbildung eines Kropfes. Noch gravierender wirkt sich eine Unterversorgung während der Schwangerschaft und der frühkindlichen Entwicklung aus. Dann kann es zu Wachstumsstörungen bis hin zum Krankheitsbild des Kretinismus kommen, einer Form des angeborenen Schwachsinns.

Bei der Tagung soll die aktuelle Forschung über den Iodhaushalt der Schilddrüse umfassend vorgestellt werden. Dabei geht es laut Dr. Schmutzler auch um das vielversprechende NIS-Protein, das möglicherweise in naher Zukunft in der klinischen Praxis unter anderem zum Wohl der Schilddrüsenpatienten eingesetzt werden kann.

Die Tagung findet unter der Leitung von Dr. Schmutzler (Abteilung Molekulare Innere Medizin der Medizinischen Poliklinik), Prof. Dr. Christoph Reiners (Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin), beide von der Universität Würzburg, sowie von Prof. Dr. Georg Brabant (Medizinische Hochschule Hannover) statt.
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