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Barbarazweige - Ein alter Brauch zeigt die Schönheit der Natur

01.12.2000 - (idw) Bundesamt für Naturschutz

Bonn, 01. Dezember 2000: In vielen Familien gehört es zur Weihnachtszeit: Am Fest der heiligen Barbara (4. Dezember) holen sie einen winterharten Kirsch- oder Forsythien-Zweig ins Haus. Über Nacht legen Sie ihn in lauwarmes Wasser und am folgenden Tag wird er in eine Vase mit frischem Wasser gestellt. Alle drei Tage wird dann bis zum Weihnachtsfest das Wasser gewechselt. Angeregt durch die Wärme in der Wohnung beginnen die Knospen, schon bald auszutreiben, und zu Weihnachten brechen die Blüten hervor.

Wie viele andere Traditionen auch hat dieser alte Brauch ursprünglich eine religiöse Bedeutung. Die Blüten sollen symbolisch auf die Geburt Jesus Christus hinweisen, die an Weihnachten gefeiert wird. Geschnitten werden die Zweige am Tag der heiligen Barbara, die wegen ihres christlichen Glaubens hingerichtet wurde. Sie gilt unter anderem als die Schutzpatronin der Bergleute.

"Wenn im Winter unsere heimische Vegetation ruht, sehnen sich viele Menschen nach der blühenden Natur. Die Barbarazweige halten so die Erinnerung an den Frühling wach und zeigen gleichzeitig wie überraschend schön unsere Natur im Winter ist. Viele Gärtner beschneiden in diesen Tagen ihre Sträucher, warum verschenken Sie nicht ein paar Zweige an Ihre Freunde und zeigen Ihnen so ihre Sympathie. Die Schönheit der Barbarazweige, gerade in der dunklen Jahreszeit, ist vielleicht ein Grund mehr, sich an unserer Natur zu erfreuen und sich darum auch für ihren Schutz einzusetzen," sagt Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Präsident des Bundesamtes für Naturschutz.

Nicht nur Kirsch- und Forsythienzweige eignen sich für den Barbarazweig, auch Apfel-, Birke-, Haselnuss-, Kastanien-, Pflaumen-, Holunder- oder Rotdornzweige können geschnitten und ins geheizte Zimmer gestellt werden. Allergiker sollten jedoch aufpassen und nicht Baum- oder Straucharten in die Wohnung holen, auf deren Blütenstaub sie allergisch reagieren.
Die geschnittenen Zweige werden zu erst über Nacht in eine Badewanne mit Wasser gelegt, damit sich die Zweige vollsaugen können. Danach kommen sie in eine Vase und werden an einem hellen, nicht zu warmen Platz aufgestellt, wo die Knospen bald austreiben. Ist der Standort zu warm, kann es passieren, dass die Zweige noch vor der Blüte wieder vertrocknen. Deshalb holt man die Zweige erst kurz vor der Blüte ins Warme. Zu Blühen beginnen sie dann in kurzer Zeit.

Hintergrund zur "heiligen Barbara":
Die heilige Barbara ist die Schutzpatronin der: Bergleute. Die Knappen (Bergmannslehrling) erhalten im Bergwerk an diesem Tag das vor Unheil schützende "Barbaralicht", das sie im Stollen zum Gedenken brennen lassen.
Aber auch andere Berufsgruppen wählten die heilige Barbara zu ihrer Schutzpatronin: Architekten, Artilleristen, Gefangene, Glöckner, (viele Kirchenglocken tragen ihren Namen), Bauar-beiter, Feuerwehrleute, Waffenschmiede. Besondere Bedeutung hat sie auch für Verwundete und für das Wetter. Die heilige Barbara lebte im 3. Jahrhundert in Nikomedia in Kleinasien. Heute heißt die Stadt Izmit und ist eine türkische Stadt am Marmarameer (nördlich von Istanbul).

Folgende Legende wird zur heiligen Barbara erzählt:
Ihr Vater, ein Heide, liebte seine Tochter über alles. Da er jedoch auch sehr eifersüchtig und argwöhnisch war, sperrte er sie, immer wenn er verreisen musste, in einen Turm. Obwohl Barbara sehr reich war, war sie dennoch einsam und unglücklich. Als sie dann die christliche Religion kennen lernte, sah sie in einem christlichen Leben ihre Aufgabe und ließ sich taufen. Dies war in der Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Decius in den Jahren 249 - 251. Die Legende erzählt nun, dass der Vater, als er von einer Geschäftsreise zurückkam, erstaunt feststellte, dass der Turm statt zweier Fenster wie bisher drei Fenster aufwies. Als er seine Tochter zur Rede stellte, gestand sie ihm, dass sie Christin sei und zur Erinnerung an die heilige Dreifaltigkeit drei Fenster im Turm haben wollte. Der Vater war entsetzt und versuchte alles, um sie vom Christentum loszureißen. Aus Enttäuschung und Wut über ihren Starrsinn zeigte er sie selber an. Sie wurde gefangen genommen und musste für ihren Glauben sterben. Den Vater erschlug unmittelbar nach der Untat aber der Blitz!

Das Brauchtum mit den Barbarazweigen soll auf ihre Gefangenschaft zurückgehen. Hier hat sie einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt. Im Bewusstsein ihres Todesurteils fand sie Trost darin, dass der Zweig in ihrer Zelle blühte.

Die Tradition, Barbarazweige zu schneiden, geht übrigens auf einen uralten Orakelbrauch - die germanischen Lebensrute - zurück:

Wenn man vor Wintereinbruch das Vieh von den Weiden in die Stallungen trieb, nahm man Zweige von den Bäumen mit und stellte sie in eine Vase mit Wasser. In der Zeit, in der jetzt Weihnachten gefeiert wird, schloss man dann aus der Anzahl der Blüten auf die Fruchtbarkeit und das Wetter des darauffolgenden Jahres.
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