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Reformeifer mit Folgen für die Qualität von Forschung und Lehre

07.02.2001 - (idw) Technische Universität Clausthal

Das Konzil der TU Clausthal - einer Universität, die in jüngster Zeit ihre Reformfähigkeit mehrfach unter Beweis gestellt hat - begrüßt die Intention des Gesetzgebers, den Hochschulen mehr Autonomie zu verschaffen, stellt jedoch in Frage, ob die gewählten Mittel dem Ziel zuträglich sind.

Das Konzil der Technischen Universität Clausthal verabschiedete in seiner Sitzung am 31. Januar auf Vorlage einer viertelparitätisch besetzten Kommission eine Stellungnahme zum Anhörungsentwurf des neuen Niedersächsischen Hochschulgesetzes (NHG). Gerade die TU Clausthal hat sich in den letzten Jahren immer sinnvollen Reformen nicht nur aufgeschlossen gegenüber gezeigt, sondern sie auch tatkräftig unterstützt. Beispiele wie die Teilnahme am Modellversuch Globalhaushalt, Umstrukturierungen zu interdisziplinären Fachbereichen, die Einführung innovativer Studiengangformen und international ausgerichteter Studienangebote sowie die Bemühungen um hochschulübergreifende Regelungen mit anderen niedersächsischen Universitäten durch Abschluß von Kooperationen (Lüneburg, Hannover, Braunschweig) belegen dies in eindrucksvoller Weise.

So begrüßt das Konzil der TU Clausthal ausdrücklich die Bemühungen des Gesetzgebers durch eine Reform des bestehenden NHG's
- das Gesetz zu verschlanken,
- die Leitungs- und Entscheidungsstrukturen der Hochschulen zu verbessern,
- die Autonomie der Hochschulen zu stärken,
- die Einführung international ausgerichteter Studienangebote zu fördern,
- und das öffentliche Ansehen der Hochschulen zu stärken und die Gesellschaft an der Weiterentwicklung zu beteiligen.

Das Konzil der TU Clausthal gibt jedoch zu bedenken: "Diese Bemühungen dürfen jedoch nicht dazu führen, daß sich der Staat aus seiner finanziellen Verantwortung für den bildungs- bzw. wissenschaftspolitischen Auftrag der Hochschulen verabschiedet. Auch dürfen nicht in unbe-dachtem und aktionistischem Reformeifer (unter Nutzung positiv und modern klingender Begriffe) bewährte, den Besonderheiten einer wissenschaftlichen Hochschule entspre-chende und grundlegende Strukturen verstümmelt werden." Das neue NHG entdemokratisiere die Hochschulen und konzentriere die Macht bei einem Präsidium, das von einem nicht legitimierten Hochschul- oder Stiftungsrat anhängig sei. Entscheidungen könnten so schneller gefaßt werden, die Qualität der Entscheidungen werde jedoch spürbar darunter leiden, weil ein Präsidium nicht über die nötigen Sach- und Detailkenntnisse verfügen könne. Das neue NHG betone einseitig wirtschaftliches Handeln gegenüber den universitären Zielen der Forschung und Lehre. Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs werden als Folge des neuen NHG verringert, aber andererseits vermehrt administrative Stellen eingeführt. Eine Überführung der Technischen Universität Clausthal in eine Stiftung wird nicht befürwortet, weil eine Ökonomisierung der Hochschulen ihrem gesellschaftlichen Aufgaben nicht gerecht werde. Ein Qualitätsverlust in Lehre und Forschung würde die Folge sein. "Das internationale wissenschaftliche Ansehen niedersächsischer Universitäten steht auf dem Spiel."
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