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Kompetenzzentrum für elektronische Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften

09.02.2001 - (idw) Universität Trier

Wissenschaftler/innen der Universität Trier spezialisieren sich auf Textdigitalisierung von geisteswissenschaftlicher Grundlagenliteratur: Erste Ergebnisse im Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften.

Die moderne Medien- und Informationstechnologie führt auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu einschneidenden Veränderungen. Zunehmend entstehen Publikationen in elektronischer Form, werden über weltweite Kommunikationsnetze fachbezogene Diskussions- und Informationsforen eingerichtet. Ein Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier hat es sich zur Aufgabe gemacht, moderne elektronische Kommunikations- und Publikationsmöglichkeiten speziell für Geisteswissenschaftler zu nutzen. Damit entstand ein deutschlandweit einmaliges Zentrum, welches in Konzeption und Zielen den an zahlreichen amerikanischen und einigen britischen Universitäten etablierten Einrichtungen für sogenanntes computing in the humanities vergleichbar ist. Innerhalb der Bundesrepublik hat sich die Trierer Neugründung auf "Textdigitalisierung" spezialisiert. Inzwischen liegen erste Ergebnisse vor.

Im Rahmen des Projektes "Mittelhochdeutsche Wörterbücher auf CD-ROM und im Internet" werden die großen Standardwörterbücher für die mittelhochdeutsche Sprache in benutzerfreundlicher Form im Internet zur Verfügung gestellt. Die digitalisierten Wörterbücher sind nicht nur einzeln benutzbar, sondern miteinander vernetzt. Darüber hinaus ist dieser elektronische Wörterbuchverbund offen für die Anbindung weiterer Nachschlagewerke, die die deutsche Sprache vor und nach der mittelhochdeutschen Epoche beschreiben: etwa das in Leipzig an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften entstehende "Althochdeutsche Wörterbuch" oder das "Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm", für das ebenfalls im Trierer Kompetenzzentrum eine elektronische Version auf CD-ROM und für das Internet entwickelt wird. Auf diese Weise erhalten Wissenschaftler/innen am Arbeitsplatz per Internetanschluß Zugriff auf mehrere Nachschlage-Werke. So können mehrere vielbändige umfangreiche Wörterbücher aufgerufen werden, was in den Räumen einer größeren Bibliothek mit ihren beschränkten Benutzungszeiten nur mit einem unvergleichlich größeren Zeitaufwand zu realisieren ist. Im Gegensatz zur Imagedigitalisierung wird eine inhaltliche Erschließung durchgeführt unter Einsatz der internationalen Standards SGML/XML. Besonders bei der Digitalisierung von geisteswissenschaftlicher Grundlagenliteratur, vor allem Wörterbüchern und Verzeichnissen aller Art, wird der Vorteil der hier geleisteten Arbeit deutlich: Statt sich auf das herkömmliche Abbild eines gedruckten Textes zu beschränken, bietet das Trierer Zentrum ausgefeilte Recherchemöglichkeiten sowie eine weitestgehende Verknüpfung des digitalisierten Textes mit seinem "wissenschaftlichen Umfeld".

Multimediale Lehr- und Lernmaterialien

Zum Zugewinn für die Forschung kommen Möglichkeiten für die Lehre: Im Kompetenzzentrum steht das Kernprojekt "Multimediale Lehr- und Lernmaterialien zur Einführung in die historische Sprachwissenschaft". Zusammen mit dem Max-Planck Institut für Informatik an der Universität Saarbrücken, der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie an der RWTH Aachen und dem Institut für deutsche Sprache in Mannheim wird eine multimediale Lernumge-bung für die Einführung in das Mittelhochdeutsche entwickelt. Die Bedeutung eines solchen Verbundes ist im Hinblick auf den Aufbau einer Virtuellen Universität zu sehen.

Interdisziplinäre Ausrichtung

Der Initiator des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften ist die Ältere deutsche Philologie im Fachbereich II, Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität Trier. Das Zentrum arbeitete bereits in der Pilotphase interdiszi-plinär. Zu den Kooperationspartnern gehören Wissenschaftler/innen der In-formatik, Geschichte, Kunstgeschichte, Papyrologie, der Theologischen Fa-kultät, des Rechenzentrums, der Universitätsbibliothek und der Akademien.

Beratung und Schulung

Über die Digitalisierung hinaus stellt das Trierer Zentrum seine Kompetenz künftig Interessenten im Rahmen von Beratung und Schulung zur Verfügung. Schon während der Pilotphase erzielten die Seminare des Zentrums eine hohe Breitenwirkung, da sie ein Forum für die Planung und Entwicklung von Projekten bildeten, aber auch Kontakte für die Zusammenarbeit mit Verlagen schufen. Die Teilnahme von Forschern aus dem gesamten Bundesgebiet und dem angloamerikanischen Ausland sind ein Beleg für den international anerkannten Standard der hier geleisteten Arbeit.

Erfolgreiche Drittmitteleinwerbung

In der kurzen Zeit seines Bestehens zeichnet sich das Trierer Zentrum bereits durch erfolgreiche Arbeit aus, die sich in der Einwerbung von Drittmitteln in Millionenhöhe in konkreten Zahlen ausdrücken läßt. Das Kompetenz-zentrum hat mit einer Bewilligung vom 13. Juni 2000 aus Mitteln des Landesprogrammes zur Förderung von Kompetenzzentren eine weitere Unterstützung in Höhe von je 400.000 DM für die Jahre 2000/2001 erfahren. Weitere Förderer sind die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Akademie der Wissenschaften und der Literatur sowie der Verlag S. Hirzel.


Weitere Informationen:
Universität Trier
Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs-
und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften
Dr. Thomas Burch
DM-Gebäude, Zimmer 329
Telefon: 3364
e-mail: burch@uni-trier.de

Pressemitteilung 31/2001
Trier, 09.02.2001
Universität Trier
Pressestelle
Leitung: Heidi Neyses
Tel.: 0651/201-4238
Fax: 0651/201-4247
E-Mail: Neyses@uni-trier.de
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