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»Bücher können brennen - Gedanken nicht«

16.05.2001 - (idw) Fachhochschule Köln

Vorträge von Expertinnen und Experten der Fachhochschule Köln zu Fakten, Hintergründen und Analysen der "Bücherverbrennungen" - und Eröffnung der zwei Ausstellungen"Schön ordentlich deutsch - Design im Nationalsozialismus" der designgruppe adacta
und "Weiße Rose - Studentischer Widerstand im Nationalsozialismus" der Stiftung "Weiße Rose"

Freitag, 18. Mai 2001, 15.00 Uhr

Zu einem Vortragsnachmittag zu Fakten und Hintergründen sowie Analysen der "Bücherverbrennungen" - sowie der Eröffnung der Ausstellungen "Schön ordentlich deutsch - Design im Nationalsozialismus" und "Weiße Rose - Studentischer Widerstand im Nationalsozialismus" lädt die Fachhochschule Köln am Freitag, 18. Mai 2001, um 15.00 Uhr, alle Interessentinnen und Interessenten in ihr Geisteswissenschaftliches Zentrum ein (Claudiusstr. 1, 50678 Köln, Mevissensaal). So wird u.a. unter dem Titel "Bücher verbrennen - Gedanken nicht" - die Frage thematisiert, ob es angesichts der anderen Verbrechen der Nationalsozialisten zu rechtfertigen ist an die vielleicht eher "harmlose" Bücherverbrennung zu erinnern. Weitere Themen sind: "Großstadtliteratur - von den Nazis verfemt und verboten. Die Kölner Autorin Irmgard Keun"; "Erich Kästner 1933-1945 - Vom Leben und Überleben eines "verbrannten" Dichters in Deutschland sowie "Bücherschicksale - Schicksal deutscher Geschichte". Der Vortragsnachmittag wird um 15.00 Uhr vom Rektor der Fachhochschule Köln, Prof. Dr. Joachim Metzner, eröffnet. Anschließend um etwa 17.00 Uhr werden die beiden Ausstellungen eröffnet und von den Ausstellerinnen und Ausstellern vorgestellt. Die Ausstellungen können eine Woche lang, bis zum 25. Mai 2001, in der Claudiusstr. besucht werden (Mo bis Fr 7.00 -22.00Uhr, Sa 8.00 -18.00 Uhr). Der Eintritt: ist frei.

BÜCHER KÖNNEN VERBRENNEN - GEDANKEN NICHT
Unter dem Titel "Bücher können brennen - Gedanken nicht. Die Bücherverbrennungen vom Mai 1933", geht Prof. Dr. Hermann Rösch vom FB Bibliotheks- und Informationswesen der Frage nach, ob es angesichts der Verbrechen des Nationalsozialismus zu rechtfertigen ist, speziell an die vergleichsweise "harmlose" Bücherverbrennung zu erinnern. Skizziert werden zunächst Planung und Durchführung der nach reichseinheitlichem Schema durchgeführten Bücherverbrennungen in über 30 deutschen Universitätsstädten mit besonderem Augenmerk auf die Kölner Veranstaltung vom 17. Mai 1933. Des weiteren untersucht Prof. Dr. Rösch welcher weltanschauliche Kontext die Nationalsozialisten motivierte, ausgerechnet eine Bücherverbrennung zu tolerieren oder gar zu initiieren, und was die radikalisierte Studentenschaft mitten im 20. Jahrhundert dazu bewegen konnte, ein solch mittelalterliches Ritual begeistert zu vollziehen. Zur Analyse der Motive wird ergänzend die Wirkung einbezogen, die von dieser Aktion unmittelbar und auf längere Sicht ausging. Schließlich ist die Bücherverbrennung einzuordnen in das gesamte Schreckensszenario des deutschen Nationalsozialismus, ehe die Ausgangsfrage beantwortet werden kann.

GROSSSTADTLITERATUR - VON DEN NAZIS VERFEMT UND VERBOTEN
Prof. Dr. Winfried Kaminski vom FB Sozialpädagogik wird über das Thema "Großstadtliteratur - von den Nazis verfemt und verboten" referieren und lokalgeschichtlich insbesondere die Kölner Autorin Irmgard Keun in den Mittelpunkt stellen. Ihre Bücher wurden verboten, sie selbst war kurzzeitig mit einem hohen Nazi verheiratet, musste dann aber fliehen, lebte in Holland im Untergrund, und kehrte dann noch im Krieg nach Köln zurück. Irmgard Keun war unter anderen Alkoholikerin und zerbrach (sie wohnte übrigens nahe der Fachhochschule Köln). Irmgard Keun hatte Mitte der 70er Jahre im Rahmen der Frauenliteraturbewegung ein kurzzeitiges Revival. Ihre Romane wie etwa "Gilgi" sind bis heute lesenswert und amüsant.

VOM LEBEN UND ÜBERLEBEN EINES 'VERBRANNTEN' DICHTERS
"Erich Kästner 1933-1945 - Vom Leben und Überleben eines "verbrannten "Dichters in Deutschland" lautet das Thema von Dr. Isa Schikorsky, Professorenvertreterin im FB Bibliotheks- und Informationswesen. Kästner wurde von den Nationalsozialisten als "Zersetzungsliterat" und "Kulturbolschewist" beschimpft, seine Bücher verbot und verbrannte man. Und trotzdem emigrierte Erich Kästner nicht. Er blieb in dem Land, in dem er unerwünscht war. Um weiter arbeiten und publizieren zu können, waren ihm viele Mittel recht, selbst solche, die mit seiner selbstdefinierten Rolle eines Moralisten schwer vereinbar waren. Kästners ambivalentes Verhalten gegenüber der NS-Diktatur ist ebenso Thema des Vortrags wie die Widersprüchlichkeit der Kultusbürokratie im Umgang mit dem verfemten Schriftsteller.

BÜCHERSCHICKSALE - SCHICKSAL DEUTSCHER GESCHICHTE
Unter dem Titel "Bücherschicksale - Schicksal deutscher Geschichte", berichtet Prof. Dr. Robert Fuchs, vom FB Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgut darüber, wie häufig die deutsche Geschichte in der Vergangenheit mit der Vernichtung von Literatur verknüpft war. Durch Vandalismus, durch bewusstes Vernichten aber auch durch Unachtsamkeit wurden durch Deutsche ganze Bibliotheken abgebrannt. Vor allem zu Kriegszeiten galten dem Volk der Dichter und Denker die Bücherschätze wenig, wie die Zerstörung der Bibliotheken von Straßburg und Leuwen zeigt. Noch schicksalhafter stellt sich die Vernichtung der Dresdener Zimelien dar.

SCHÖN ORDENTLICH DEUTSCH
17.15 Uhr: Eröffnung der Ausstellungen: "Schön ordentlich deutsch" - Design im Nationalsozialismus" der Designgruppe ad acta und "Weiße Rose - Studentischer Widerstand im Nationalsozialismus" des Historikers Dirk Thies, Mitglied der "Stiftung Weiße Rose e.V." . Keine Staatsform der Neuzeit hat dem Design einen solchen Stellenwert beigemessen wie der Nationalsozialismus in Deutschland. Die Ausstellung der Designgruppe ad acta verdeutlicht die Situation der Gestalter und Gestaltung im Nationalsozialismus.

STIFTUNG WEISSE ROSE

In der Ausstellung der "Stiftung Weiße Rose" wird an die Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" um die Geschwister Scholl erinnert. Die Ausstellung besteht aus privaten Fotos, lebensfroh und optimistisch dreinblickender Jugendlicher, deren Lebensläufen und Dokumenten wie etwa dem erschütternden Abschiedsbrief, den Willi Graf kurz vor seiner Hinrichtung aus dem Gefängnis an seine Eltern schrieb. Die "Weiße Rose" bildete ein Netz, das ausgehend von einer Gruppe in München schließlich alle Universitäten erreichte.
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