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Prof. Dr. Jens Christiansen zum 75. Geburtstag

01.06.2001 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Am Montag, 4. Juni 2001, feiert Prof. Dr. Jens Christiansen, von 1969 bis zu seiner Emeritierung 1994 Inhaber des Lehrstuhls für Experimentalphysik der Universität Erlangen-Nürnberg, seinen 75. Geburtstag. Zu Prof. Christiansen wissenschaftlichen Arbeitsgebieten gehörte die Gasentladungs- und Plasmaphysik. Speziell beschäftigte er sich mit Niederdruckgasentladungen, sogenannten Pseudofunken.

Jens Christiansen studierte Physik in Hamburg. Bereits in seiner Diplomarbeit konzipierte und baute er einen neuartigen Parallelplatten-Detektor, der zum Nachweis geladener Teilchen eingesetzt werden konnte. In der Folgezeit wurden derartige Detektoren weiterentwickelt und in der Hochenergiephysik eingesetzt. Nach einem kurzen Intermezzo in der Industrie ging Prof. Christiansen 1956 für zwei Jahre an die Technische Hochschule Braunschweig. Dort konnte er seine Arbeiten an Gasentladungen fortsetzen, unter anderem zur Selbsteinschnürung von Plasmen.

Im Jahr 1958 ging Prof. Christiansen als Assistent von Prof. Jentschke zurück an die Univesität Hamburg. Sein neues Arbeitsfeld war die Kernphysik, die in dieser Zeit das aktuellste Forschungsfeld überhaupt war. Hier waren speziell Polarisationseffekte bei Kernreaktionen die zentrale Fragestellung. 1964 erhielt er das Angebot, am neu gegründeten Hahn-Meitner-Institut (HMI) für Kernforschung in Berlin eine Arbeitsgruppe aufzubauen. Am HMI Berlin etablierte er zusammen mit seinem Partner Ekkehard Recknagel ein neues Gebiet: die Nukleare Festkörperphysik. Hier wurden in den folgenden Jahren richtungsweisende Entwicklungen vorangetrieben und neue Felder etabliert. Seine Habilitation erfolgte 1967.

1969 nahm Prof. Christiansen den Ruf auf den Lehrstuhl für Experimentalphysik als Nachfolger von Prof. Dr. Rudolf Fleischmann an der Universität Erlangen-Nürnberg an. In Erlangen setzte er die in Berlin begonnenen Arbeiten zur Nuklearen Festkörperforschung erfolgreich fort. Erlangen war für viele Jahre neben wenigen anderen Universitäten eines der Zentren für diese Forschungsrichtung. So wurden beispielsweise über mehrere Jahre die ersten vom BMBF finanzierten bundesweiten Verbundtreffen der Nuklearen Festkörperforschung von Erlangen aus koordiniert.

In den Jahren 1975/76 kehrte er zur Gasentladungsphysik zurück und begann erste einfache Versuche, stabile Entladungen in planparallelen Elektrodensystemen zu realisieren und zwar mit einer so simplen, aber gleichzeitig genialen Modifikation, die zum späteren Pseudofunken führte. Damit begann eine neue und ebenso erfolgreiche Karriere als Plasmaphysiker. Heute ist sein Name weltweit im Kreis von Niedertemperatur-Plasmaphysikern untrennbar mit dem Fachbegriff "Pseudofunke" verbunden. Aus den Untersuchungen zur Pseudofunkenentladung entwickelte sich unter seiner Leitung im Laufe der Jahre das breite Spektrum der späteren Forschungsgebiete am Institut.
Sein breites Wissen, weit über den Rahmen der Naturwissenschaften hinaus, sein hintergründiger Humor, die besondere Atmosphäre seiner privaten Umgebung, seine menschliche Anteilnahme und Hilfsbereitschaft ergeben zusammen mit den wissenschaftlichen Leistungen erst das ganze Bild des Forschers und Lehrers Christiansen. Wissenschaft und Forschung sind sein Leben und das Feuer der Begeisterung für die Physik durchdringt jedes Gespräch bei seinen noch immer regelmäßigen Besuchen im Institut. Daher verwundert es nicht, daß er, obwohl schon lange im Ruhestand, noch neue Forschungsprojekte andenkt und junge Kollegen durch seinen Elan und Hartnäckigkeit überzeugt, für ihn ihre Zeit zu opfern, um mit ihm zu experimentieren.

Weitere Informationen:

Lehrstuhl für Experimentalphysik, PD Dr. Klaus Frank
Erwin-Rommel-Str. 1, 91054 Erlangen
Tel. 09131/85 -27147, E-Mail: klaus.frank@physik.uni-erlangen.de
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