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HFF-Erfolge bei den Babelsberger Medienpreisen 2001

17.07.2001 - (idw) Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg

Bei der Vergabe der Babelsberger Medienpreise 2001 am 14.07.2001 konnte die Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" nicht nur den Preisträger des Förderpreises für den besten Absolventenfilm im Bereich Dokumentarfilm als Erfolg für sich verbuchen. Auch bei Nominierungen und Preisträgern in den beiden anderen Kategorien war die HFF mittelbar und unmittelbar beteiligt.

Der mit 35.000 DM dotierte Förderpreis für den besten Absolventenfilm (Dokumentarfilm) ging an HFF-Absolvent Rick Minnich für seinen Abschlussfilm "Heaven on Earth".

Der Film spiegelt die Suche des Filmemachers nach dem vollkommenen Amerika wider. Denn genau das verspricht Branson (Missouri) zu sein. In dem einst verschlafenen Gebirgsstädtchen mit weniger als 4000 Einwohnern sind während der letzten zehn Jahre nahezu 40 Theaterhäuser aus dem Boden gewachsen. Country-Legenden sowie Bühnen- und Fernsehstars aus vergangenen Tagen sind hier wieder zum Leben erwacht und präsentieren heute vor jährlich 6 Millionen Zuschauern gute alte patriotisch-christliche Unterhaltung.
Die in Nostalgie schwelgende und mit Sternenbannern und Neonlichtern überladene Stadt ist die Heimat von so schillernden Figuren wie dem im Dienste der Armee posierenden Pin-up-Girl Jennifer Wilson, dem Country-Star Barbara Fairchild, dem Wunderkind Matthew Matney und - natürlich - Jesus selbst - in dem überwältigenden Musical "The Promise". Mit der Mischung von Show-Auftritten, Interviews und Beobachtungen hinter den Kulissen webt "Heaven on Earth" ein dichtes Abbild von der Inszenierung des Mythos "Amerika".
"Heaven on earth" besticht durch eine Ästhetik, die nicht auf bewährte Muster zurück greift, die etwas wagt und sich dem Risiko aussetzt, im Klischee hängen zu bleiben. Dass er dies nicht tut, liegt am genauen dramaturgischen Aufbau des Films. Das schrille, bunte Amerika wird vorgeführt und dabei postfaschistische Wurzeln freigelegt, die normalerweise im überlauten nationalen Patriotismus und dem Mantel religiöser Hingabe verdeckt bleiben. (aus der Jury-Begründung)

Der 1968 in Pomona, Kalifornien geborene Regisseur absolvierte ein Praktikum beim Filmverleih "Kino International" in New York, machte seinen Abschluss als Bachelor of Arts in englischer Literatur an der Columbia University in New York, absolvierte ein Praktikum als Kameraassistent beim Lettischen Fernsehen in Riga und studierte Film am California Institute of the Arts bevor er 1995 sein Regie-Studium an der HFF "Konrad Wolf" aufnahm. Er arbeitete außerdem als freier Mitarbeiter bei Deutsche Welle TV in Berlin.

Stolz ist die Hochschule auch auf ihren Absolventen und Studenten-Oscar-Preisträger Marc Andreas Bochert, der für seinen Film "Die Spezialistenshow" den mit 50.000 DM dotierten Erich Kästner-Fernsehpreis für das beste deutschsprachige Kinder- und Jugendprogramm für sich verbuchen konnte.

Die 10jährige Debbie spricht wenig, dafür kann sie ausgezeichnet rechnen. Täglich schaut sie die "Spezialistenshow" und knackt die Zahlencodes dort schneller als jeder Professorenkandidat.
Weil Debbies Eltern Schulden haben, beschließt sie eines Tages, richtig mitzumachen bei der Show. Täglich gibt sie über die Hotline ihre Lösungen an, und täglich gewinnt sie. Nur nicht den ersehnten Geldpreis. Den gibt es nur bei persönlicher Teilnahme im Studio, aber dafür muss man mindestens 16 Jahre alt sein.
Dann passiert die Katastrophe. Den Eltern liegt eine Telefonrechnung über 1.500 Mark vor. Sofort wird die ältere Schwester Sandra verdächtigt.
Als die hinter Debbies Geheimnis kommt, schlägt sie erst einen Riesenkrach, und dann machen die beiden einen Plan, wie sie doch noch an den Hauptgewinn der Show rankommen können.
Der Film von Marc-Andreas Bochert nach dem Buch von Laila Stieler entstand in der bekannten ZDF-Reihe "Achterbahn", redaktionell betreut von Susanne van Lessen und produziert von Frank Löprich und Katrin Schlösser von ö-Film.

Bochert kann augenscheinlich einfach wunderbar mit Kindern arbeiten. Mit souveräner Regiehand führt er sein ganzes Ensemble - Laien wie Profis - durch die Geschichte und komponiert mit ihnen gemeinsam ein Hymne auf die Absurditäten unseres ganz normalen Alltags. Und er tritt erneut den Beweis an, dass er mit charmanter Leichtigkeit und großartigem subtilen Humor inszenieren kann. Herausgekommen ist dabei ein künstlerisch überzeugendes Kleinod über das Fernsehen als Lebenshilfe - mit wunderbaren großen und kleinen Schauspielern. Ein Film, der Charaktere zeigt und zugleich Klischees nicht im mindesten scheut, der detailgenaue Atmosphären erschafft, weil er den Mut zur Überhöhung hat. (aus der Jury-Begründung)

An diesem schönen Erfolg waren außerdem etliche HFF-Angehörige beteiligt (Kamera: Uwe Mann, Schnitt: Antonia Bergmiller, Szenenbild: Susanne Buddenberg).
Marc-Andreas Bochert wurde 1971 in Hildesheim geboren und drehte bereits als Jugendlicher diverse Videofilme, die auf zahlreichen Nachwuchswettbewerben gezeigt und auch ausgezeichnet wurden. Nach Abitur und Zivildienst arbeitete er als Produktionsassistent und Cutter. Ab 1992 studierte er Regie an der HFF. Bocherts Filme erzählen alltägliche Geschichten aus einer Perspektive, die sie aus dem Alltag heraushebt. Bochert inszeniert mit leichter Hand. Seine Kurzfilme "Das Muster" (1994) und "Schatten der Vergangenheit" (1996) wurden beide für den Max-Ophüls-Preis nominiert. "Schatten der Vergangenheit" wurde mit dem Hans W. Geißendörfer Nachwuchsförderpreis 1997 ausgezeichnet, und sein Abschlussfilm an der HFF "Kleingeld" erhielt 1999 den Studenten-Oscar für den besten ausländischen Film.

Drüber hinaus konnte die HFF sich an diesem erfolgreichen Abend darüber freuen, dass ein weiterer ihrer Absolventen, nämlich Axel Kalhorn für seinen Film "Wotenick" für den Förderpreis im Bereich Dokumentarfilm nominiert war und immerhin eine Nominierungsprämie in Höhe von 1.000 DM mitnehmen konnte. Zudem hielt die Jury diesen Film für so eindrucksvoll, dass sie extra eine lobende Erwähnung aussprach.

Der Film "Wotenick" betrachtet auf eindringliche Weise eine Gruppe von erfolglosen Jugendlichen in einer vernachlässigten Region Mecklenburg-Vorpommerns, einer der ärmsten Gegenden Europas. Er beobachtet innerhalb einer sozialen Integrationseinrichtung, wie die Zöglinge sich ungelenk und unwillig an so begrenzt zukunftsträchtige Aufgaben herantasten, wie Salat putzen, Blumenständer sägen und Torten backen. ...
Mit der Zeit werden dem Zuschauer die stetigen Versuche der Jugendlichen erkennbar, dem pädagogischen Druck auszuweichen und sich in andere Welten zu flüchten - etwa in den Äther der Funkamateure, in Drogensphären oder in den Kraft-durch-Freude verheißenden Einfluss einer rechtslastigen Wikinger-Organisation.

Dabei erreicht der Film durch die konzentriert anteilnehmende Präsenz der Kamera eine erstaunliche Intensität. Die Art der Beobachtung einzelner Jugendlicher ist von einer humanistischen Grundtendenz geprägt, die das Scheitern des Individuums in einen komplexen gesellschaftlichen Zusammenhang einbettet und dabei in seiner strengen und unprätentiösen Form nie aufdringlich wirkt.
Mit seiner genau registrierenden, oftmals dramatischen Beobachtung offenbart der Film ein verstörendes Gesicht der Armut in Deutschland. (aus der Jury-Begründung)

Auch an dem für den Erich Kästner-Fernsehpreis nominierten Film "Mein Stern" von Valeska Grisebach ist die HFF als Koproduzent (zusammen mit der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien und in Zusammenarbeit mit ZDF/3sat) sowie mit etlichen Stabmitgliedern maßgeblich beteiligt.

Zum Erfolg des für den Förderpreis für den besten Absolventenfilm im Bereich Spielfilm nominierten Beitrags "Berlin is in Germany" von Hannes Stöhr haben ebenfalls HFF-Studenten und -Absolventen (z.B. Ton und Produktionsleitung) beigetragen.

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